Twitter-Posse um Astronauten Wachstumsschub im Weltall

Mit einem Tweet hat ein japanischer Astronaut für Verwirrung gesorgt. Er sei in der Schwerelosigkeit um neun Zentimeter gewachsen, schrieb Norishige Kanai - woran schon bald Zweifel aufkamen.

Norishige Kanai vor dem Start zur ISS (Archivbild)
DPA

Norishige Kanai vor dem Start zur ISS (Archivbild)


Ja, Astronauten wachsen wirklich im All. Das hat damit zu tun, dass sich die Bandscheiben der Wirbelsäule in der Schwerelosigkeit ausdehnen können - schließlich werden sie längst nicht mehr so stark belastet wie auf der Erde. Von einem Plus von bis zu sieben Zentimetern Körpergröße wird berichtet.

Also ist es erst einmal nicht verwunderlich, dass auch Norishige Kanai, japanischer Arzt und aktuell zum ersten Mal für sein Land auf der Internationalen Raumstation (ISS), eine Längenzunahme bei sich feststellen konnte. Aber um das Wieviel gab es in den letzten Tagen etwas Verwirrung:

Per Twitter hatte Kanai Alarm geschlagen, weil er im All angeblich ganze neun Zentimeter zugelegt hatte. "Ich bin in gerade mal drei Wochen in die Höhe geschossen wie eine Pflanze", hatte er am Dienstag vermeldet. Bei der Ankunft im Weltraum sei seine Größe gemessen worden. Und seitdem sei er "um ganze neun Zentimeter gewachsen".

Er befürchtete, bei der Rückkehr "nicht mehr in den Sitz" der "Sojus"-Rakete zu passen, so Kanai. Das ist zunächst mal auch kein absurder Gedanke. Schließlich werden die Schalensitze für jeden Raumfahrer individuell gefertigt, um die als eher rau beschriebene Landung in der Kapsel zumindest noch irgendwie erträglich zu machen. Und wer da nicht mehr in den Sitz passt, hat tatsächlich ein sehr ernsthaftes Problem.

Ohnehin berichten viele Astronauten nach ihrer Rückkehr aus dem All von Rückenproblemen. Der Forscher David Green vom King's College in London hat deswegen mit Kollegen der Europäischen Raumfahrtorganisation (Esa) einen Spezialanzug entwickelt, den sogenannten Skinsuit. Der bildet durch eingebaute Gummizüge genau die Belastung auf die Wirbelsäule nach, mit der es Menschen auf der Erde zu tun haben. So soll sich der Körper der Raumfahrer schon im All wieder an die Belastungen gewöhnen können, mit denen er bald wieder zu tun haben wird.

Allerdings hat sich Kanai bei seiner Größenmessung offenbar vertan: Er ist nämlich doch nicht so stark gewachsen, wie er zunächst befürchtet hatte. Am Mittwoch gab der 41-Jährige Entwarnung: Er habe nur um zwei Zentimeter zugelegt. Ein russischer Kollege hatte Zweifel an den ursprünglichen Angaben des Japaners geäußert. Also maß Kanai noch mal nach - und musste sich selbst korrigieren.

Ach ja, eine Information fehlt natürlich noch: Auf der Erde ist Kanai 1,80 Meter groß. Und das wiederum ist neun Zentimeter größer als der durchschnittliche japanische Mann.

chs/AFP



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