"Cassini"-Daten So hört sich der Saturn an

Zwanzig Jahre war "Cassini" unterwegs. Kurz bevor die Sonde abstürzte, zeichnete sie noch Plasmawellen nahe dem Saturn auf. Nun haben Forscher die Daten in Audiodateien umgewandelt - das klingt verstörend.

NASA/JPL-CALTECH/University of Iowa

Es war eine der letzten Taten von "Cassini": Wenige Tage bevor die Saturnsonde im September des vergangenen Jahres in der Atmosphäre des Planeten verglüht ist, hat sie merkwürdige Daten aufgenommen.

Die Nasa hat sie nun ausgewertet und veröffentlicht. Dabei handele es sich um Plasmawellen, die zwischen dem Saturn, seinen Ringen und einem seiner Mond, dem Enceladus, zu erkennen sind.

Plasma ist ein Teilchengemisch ähnlich einem sehr heißen Gas, das aus geladenen und neutralen Teilchen besteht und im gesamten Kosmos vorkommt - es wird oft als vierter Aggregatzustand bezeichnet. Ähnlich wie Luft oder Wasser erzeugt Plasma Wellen und kann so Energie transportieren.

Erstmals zeigten die Beobachtungen, wie sich diese Wellen auf magnetischen Feldlinien bewegen, die Saturn direkt mit Enceladus verbinden. Diese Feldlinien seien wie eine elektrische Schaltung zwischen den beiden Körpern, über die Hunderttausende von Kilometern Entfernung hinweg Energie ausgetauscht werde, hieß es in einer Nasa-Mitteilung.

Dass der Mond und der Planet durch einen elektrischen Strom miteinander verbunden sind, war schon länger bekannt. Enceladus, auf dem sich ein Ozean befinden könnte, sondert Wasserdampf in Richtung Saturn ab. Doch Forscher versuchen schon lange, die komplizierten Vorgänge rund um den Planeten besser zu verstehen. So sind dort auch Polarlichter zu sehen. Deren Entstehungkönnte ebenfalls durch den Energiefluss zwischen den Monden beeinflusst werden.

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"Cassini"-Fotos: Abschiedsgrüße vom Saturn

"Wir wussten bereits, dass Enceladus eine kontinuierliche Energiequelle ist. Jetzt haben wir erkannt, dass der Saturn antwortet, indem er Signale in Form von Plasmawellen über magnetische Feldlinien aussendet, die ihn mit Enceladus verbinden", sagte Ali Sulaiman von der University of Iowa. Für eine Studie in "Geophysical Research Letters" hatte er die Daten, die "Cassini" mit seinem RPWS-Messgerät (Radio and Plasma Wave Science-Instrument) aufgezeichnet hatte, in Audiodateien umgewandelt und so die Plasmawellen hörbar gemacht.

Wie der Saturn klingt, hören Sie im Video:

NASA/JPL-CALTECH/University of Iowa

Das funktioniert ähnlich, wie ein Radio, das elektromagnetische Wellen in Musik transformiert. Die Forscher haben die Aufnahmezeit von 16 Minuten allerdings auf 28,5 Sekunden komprimiert und die Wellengröße verkleinert. Übrig blieben Geräusche, die manchmal ein wenig an Wind in der Wüste erinnern.

Normalerweise gibt es im luftleeren Weltall ohnehin keine Geräusche, da der Schall sich nicht ausbreiten kann. Doch das All ist zwar luftleer, aber nicht komplett stumm. Der Weltraum besteht aus einem dünnen Gas geladener Teilchen, die in Überschallgeschwindigkeit zwischen Sonne und Planeten fließen - dem Sonnenwind. Treffen diese geladenen Teilchen auf das Magnetfeld eines Planeten, entsteht elektromagnetische Strahlung.

So konnten Forscher schon häufiger Töne vom Saturn veröffentlichen. 2004 hatte "Cassinis" RPWS Daten aufgezeichnet, die von der Achsenrotation des Planeten stammen. Mit Hilfe des Instruments war zudem schon die Vertonung des Sonnenwinds gelungen.

joe



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spon-facebook-512598660 12.07.2018
1. Wieso "verstörend"?
Das sind doch nur auf Audio umgesetzte Meßdaten. Alternativ könnte man auch ein buntes Bild generieren. Der Autor scheint dem Rückschlußirrtum vom Modell auf die Wirklichkeit zu unterliegen.
cniclas 12.07.2018
2. Die Hörbarmachung natürlicher Phänomene ist immer Interpretation
Das klingt für mich wie frühe elektronische Musik Mitte des 20. Jahrhunderts, als dort fast ausschliesslich mit Rauschgeneratoren, Oszillatoren und Filtern gearbeitet wurde. Da zu dieser Zeit Synthesizer im heutigen Sinne noch nicht existieren, behalfen sich die Komponisten (z.B. Karlheinz Stockhausen) mit Geräten und Schaltungen aus der Fernmelde- und Radiotechnik. Der Klang natürlicher Phänomene gehorcht in der Regel keinen musikalischen Formprinzipien wie Takt, Rhythmus, Melodie oder Harmonie, sondern ist durch Zufälligkeit geprägt. Daher kann ich den "verstörenden" Klangeindruck nicht nachvollziehen. So klingt die Natur eben. "Verstörend" wäre es für mich, wenn ich bei der Hörbarmachung von Plasmawellen auf einmal Mozart-Symphonien vernehmen würde. Im Übrigen entsteht der vermeintlich verstörende Charakter erst durch die sehr starke zeitliche Komprimierung des Signals. Die deutlich hörbaren regelmäßigen Pulsationen sind wahrscheinlich Artefakte dieses Bearbeitungsprozesses. Dies ist jedoch ein künstlerisch-gestalterischer Eingriff in das Signal. Damit ist es nicht das Originalsignal, sondern die menschliche Interpretation, die einen "verstörenden" Klangcharakter hervorruft. Beim unkomprimierten Originalsignal dürfte sich um fast statisch klingende Rauschbänder und Frequenzen handen, deren Modulation so langsam vonstatten geht, das sie kaum wahrnehmbar sind. Ergo: Das was wir dort hören, sind keine Plasmawellen des Saturns sondern deren stark veränderte menschl. Interpretation.
quark2@mailinator.com 12.07.2018
3.
Interessante Töne, wenngleich zumindest für mich nicht verstörend. Aber was bitte soll dieser Satz "Ähnlich wie Luft oder Wasser erzeugt Plasma Wellen ..." in einem Artikel über Wissenschaft ? Zunächstmal erzeugt nicht das Plasma die Wellen, sondern eine externe Energiequelle regt diese an. Und wieso Luft und Wasser ? Wellen werden von vielen Dingen übertragen, z.B. auch von Festkörpern. Ich finde diesen Satz irreführend. Genauso das seltsame "Plasma wird oft als vierter Aggregatzustand" bezeichnet. Also das wird nicht nur so bezeichnet, sondern es ist ein Aggregatzustand, genau wie z.B. das Boose-Einstein-Kondensat. Naja und durchnummeriert sind die auch nicht, es ist also nicht der vierte, sondern einfach einer.
cniclas 12.07.2018
4.
Zitat von quark2@mailinator.comInteressante Töne, wenngleich zumindest für mich nicht verstörend. Aber was bitte soll dieser Satz "Ähnlich wie Luft oder Wasser erzeugt Plasma Wellen ..." in einem Artikel über Wissenschaft ? Zunächstmal erzeugt nicht das Plasma die Wellen, sondern eine externe Energiequelle regt diese an. Und wieso Luft und Wasser ? Wellen werden von vielen Dingen übertragen, z.B. auch von Festkörpern. Ich finde diesen Satz irreführend. Genauso das seltsame "Plasma wird oft als vierter Aggregatzustand" bezeichnet. Also das wird nicht nur so bezeichnet, sondern es ist ein Aggregatzustand, genau wie z.B. das Boose-Einstein-Kondensat. Naja und durchnummeriert sind die auch nicht, es ist also nicht der vierte, sondern einfach einer.
Die drei Aggregatszustände "Fest, Flüssig, Gasförmig" sind noch Relikte aus dem GK Chemie Mittelstufe. Wäre Walther White mein Chemielehrer gewesen, hätte ich sicher mehr Interesse dafür entwickelt. Der Begriff "Plasma" fiel in meinem Schulunterricht nie, soweit ich mich noch erinnern kann. Ich kannte ihn nur aus diversen SF-Romanen und SF-Filmen/Serien und natürlich der Plasma-Rifle aus "DOOM".
bacillus.maximus 12.07.2018
5. So aussagekräftig wie ein Falschfarbenbild
Da ist gar nichts unheimlich. Nur eine Frage der (notwendigen) Modulation um es für uns hörbar zu machen wie es dann im Ergebnis klingt. Krawallelektroniker wie Merzbow oder aphex twin machen das gewerblich, aus dem schönsten Vogelgesang ein infernalisches Höllengemurmel. Interessant, aber für Laien kaum aussagekräftig. Für Freunde des übersinnlichen Geschwurbels hingegen ein Sechser im Lotto, was man da alles mit Aliens reinhören kann. : )
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