Messung in der Tiefsee Ozeane heizen sich immer schneller auf

Knapp 4000 Schwimmroboter treiben durch die Ozeane und messen permanent die Wassertemperatur. Ergebnis: Sie steigt - immer schneller und stärker als bisher angenommen. Die gravierenden Folgen sind schon jetzt absehbar.

Ein Schiff beim Aussetzen eines Schwimmroboters (Archivfoto)
Argo / Olivier Dugornay Ifremer

Ein Schiff beim Aussetzen eines Schwimmroboters (Archivfoto)


Die Weltmeere heizen sich immer schneller und immer stärker auf. Das geht aus einem Bericht der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in der Fachzeitschrift "Science" hervor.

Die neuesten Erkenntnisse widerlegen demnach vorige Berichte, wonach die Erderwärmung in den vergangenen Jahren ausgesetzt habe. "Die Erwärmung der Ozeane ist ein sehr wichtiger Indikator des Klimawandels, und wir haben solide Beweise, dass sie sich schneller erwärmen, als wir dachten", sagte Mitverfasser Zeke Hausfather von der Universität Kalifornien.

Laut der Untersuchung habe die Temperatur der Ozeane in einer Tiefe von bis zu 2000 Metern zwischen 1971-2010 um 0,1 Grad Celsius zugenommen. Der 2013 veröffentlichte Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC war noch von geringeren Werten ausgegangen, auch wenn sich die Zahlen nicht direkt miteinander vergleichen lassen.

Ozeane nehmen den Großteil der zusätzlichen Wärme auf

Etwa 93 Prozent der vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger zusätzlich entstehenden Wärme wird bislang von den Ozeanen absorbiert. In den vergangenen 150 Jahren hätten die Weltmeere umgerechnet etwa die tausendfache Menge des jährlichen Weltenergieverbrauchs an Wärme absorbiert, so das Ergebnis einer Anfang Januar in der Fachzeitschrift "PNAS" veröffentlichten Berechnung.

Die starke Erhitzung der Ozeane lasse den Meeresspiegel weiter ansteigen, so die Forscher in dem "Science"-Beitrag. Der Grund dafür liegt in der wärmebedingt stärkeren Ausdehnung des Meereswassers. Allein dieser Effekt führe zu einem Anschwellen des Meeresspiegels um bis zu 30 Zentimeter. Außerdem führt die Erwärmung des Meerwassers zu einer weiteren Zerstörung der Korallenriffe und reduziert den Sauerstoffgehalt in den Ozeanen.

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Ozeane: Wärmeres Wasser, weniger Sauerstoff

Niedriger Sauerstoffgehalt bedroht Meerestiere

Der Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren hat seit 1960 im Schnitt um mehr als zwei Prozent abgenommen, stellte eine Untersuchung des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung im Jahr 2017 fest. Dieser Trend hat weitreichende Folgen etwa für Fische oder andere Organismen in ohnehin schon sauerstoffarmen Meeresregionen, etwa weil insbesondere große Fische in sauerstoffarmen Gebieten nicht überleben können. Bis 2100 könnte der Sauerstoffgehalt um bis zu sieben Prozent sinken, so die in "Nature" publizierte Erhebung.

Genauere Zahlen durch Meeresüberwachungssystem

Der neue Bericht in "Science" stützt sich nun auf vier Studien, die zwischen 2014 und 2017 veröffentlicht wurden. Ein wichtiger Faktor für die darin enthaltenen genaueren Zahlen ist eine Meeresüberwachungsflotte mit Namen Argo, zu der fast 4000 Schwimmroboter gehören. Diese treiben laut Studie durch die Ozeane und tauchen alle paar Tage in eine Tiefe von 2000 Metern, um Daten wie Temperatur und pH-Wert zu messen.

Argo-Schwimmroboter - Karte der Positionen

Argo-Schwimmroboter - Karte der Positionen

Die neue Analyse zeigt, dass die Erwärmung der Ozeane den Messdaten der steigenden Lufttemperaturen entspricht. Sollte der Ausstoß an Treibhausgasen nicht gesenkt werden, könnte die Temperatur bis zu einer Meerestiefe von 2000 Metern bis Ende des Jahrhunderts um 0,78 Grad Celsius steigen, heißt es in der Studie. Der Klimaforscher Zeke Hausfather sagt: "Während 2018 das viertwärmste Jahr seit Messung auf der Erdoberfläche sein wird, wird es mit Sicherheit das wärmste in den Ozeanen - genauso wie bereits 2017 und 2016."

AFP/Reuters/stu



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