Borneo Forscher finden ältestes Tierbild der Menschheit

In einer Höhle auf Borneo haben Archäologen Tausende Zeichnungen und Bilder analysiert. Eine Tierabbildung war besonders auffällig. Doch die Forscher rätseln, welche Spezies darauf zu sehen ist.

DPA

Ost-Kalimantan auf der Insel Borneo gehört nicht gerade zu den Regionen der Erde, in denen Archäologen es leicht haben. Die Provinz in Indonesien ist von weiten Regenwäldern überzogen - wer hier graben will, der muss beschwerliche Wanderungen durch den Urwald in Kauf nehmen.

Doch die Mühe lohnt sich: Bekannt ist die Region für zahlreiche Höhlen. In ihnen finden sich Tausende vorgeschichtliche Zeichnungen und Farbrückstände - ein Wunderland für Paläoanthropologen. In zwei Forschungsreisen hat ein Team aus australischen und indonesischen Wissenschaftlern die Felszeichnungen nun analysiert und datiert.

Nach ihrer Studie, die sie im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht haben, sind einige der Zeichnungen älter als bisher gedacht. Bilder aus der Lubang-Jeriji-Saléh-Höhle seien mindestens 40.000 Jahre alt. Es handele sich dabei um die ältesten, bisher bekannten Felsbilder der Welt, schreibt Erstautor Maxime Aubert von der Griffith University in Gold Coast, Australien. Die Untersuchung wurde in vier verschiedenen Höhlen in der hügeligen Region durchgeführt.

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Frühe Kunst: 73.000 Jahre alter Hashtag

Erst seit den Neunzigerjahren stehen die Fundplätze verstärkt im Fokus der Wissenschaft. Entdeckt wurden etwa Abbildungen von Tieren oder auch die Abdrücke von menschlichen Händen. "Das älteste Höhlenkunstbild, das wir datiert haben, ist ein großes, orangefarbenes Gemälde eines Tieres. Wir können es nicht genau identifizieren, vielleicht handelt es sich um eine wilde Rinderart", so Aubert. Das Bild sei mindestens 40.000 Jahre alt. Und damit das älteste bekannte figurative Kunstwerk überhaupt.

Die Forscher fanden jedoch noch ältere Spuren: Ein Handabdruck, bei dem der Zeichner seine Hand offenbar an die Felswand gedrückt hat und sie mit Farbe ummalte, könnte bis zu 51.800 Jahre alt sein.

Die Wissenschaftler konnten die Kunst in den Höhlen in verschiedene Epochen einteilen. Die erste Phase ist zwischen 52.000 und 40.000 Jahre alt. Eine Veränderung des Stils ist dann vor ungefähr 20.000 Jahren erkennbar - nun verwendeten die frühen Künstler Maulbeerfarben. In einer weiteren, jüngeren Phase haben sich zudem die Motive verändert. Nicht mehr Tiere, sondern der Mensch und seine Aktivitäten erregten nun das Interesse der Höhlenmaler. Ein Bild zeigt etwa ein Boot mit einigen Personen an Bord. Nun hatte sich die Farbe erneut verändert - es wurde in Schwarz gemalt.

Künstler unbekannt

Für die Studie analysiert wurden Kalkablagerungen, die sich über die Farbpigmente auf der Höhlenwand gelegt hatten. Dafür nutzten die Forscher die Uran-Thorium-Methode. Sie macht sich den radioaktiven Zerfall von Uran-Isotopen zunutze, dabei entsteht mit der Zeit Thorium. Die Uranverbindungen lösen sich dann - das Thorium dagegen bleibt in den Ablagerungen zurück.

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Neandertaler: Maler mit Muskeln

Wer die frühen Künstler in den Höhlen von Ost-Kalimantan waren, ist bisher nicht geklärt. Doch ihre Hinterlassenschaften sind nicht die einzigen Funde in der Region. Auf der Nachbarinsel Sulawesi waren vor einigen Jahren ähnlich alte Zeichnungen von Händen und Tieren entdeckt worden - auch diesen Fund hatte Aubert datiert.

"Zwei frühe Höhlenkunstregionen zur gleichen Zeit"

Schon diese Ergebnisse zeigten, dass sich Höhlenmalereien nicht nur in Südwesteuropa entwickelt hatten. Ein weiterer Hinweis für eine multiregionale Entwicklungstheorie, die sich zunehmend in der Paläoanthropologie durchsetzt. Dabei gehen Forscher davon aus, dass sich die Menschheit nicht nur von einem einzigen Gebiet aus entwickelt hat, sondern parallel in mehreren Regionen.

"Offenbar sind zwei frühe Höhlenkunstregionen zur gleichen Zeit entstanden: eine in Europa und eine im heutigen Indonesien am anderen Ende der Eiszeitwelt", sagt Adam Brumm, der ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat.

Die Abbildungen in der nordspanischen Höhle El Castillo galten lange als die ältesten Tierzeichnungen. Zu weiteren sehr frühen künstlerischen Darstellungen gehören etwa Figuren aus Mammutelfenbein - berühmt ist die zwischen 35.000 und 40.000 Jahre alte Venus vom Hohlefels, die in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb entdeckt wurde.

Als Nachweis für die ältesten künstlerischen Spuren überhaupt taugen die Analysen aber nicht: Erst kürzlich hatten Forscher Farbspuren auf einem Stein analysiert, der in einer Höhle in Südafrika gefunden worden war. Es handelte sich allerdings nicht um komplexe Bilder wie nun auf Borneo. Das in Afrika entdeckte Muster, das ein wenig dem Hashtag-Zeichen ähnelt, ist mindestens 73.000 Jahre alt.

joe



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
kai Spaicher 07.11.2018
1. Das sind wohl die ältesten Tierbilder, die die Autoren kennen.
In Berlin gab es eine Ausstellung mit Bildern, die deutlichere Tierbilder und mehr sozialen Alltag zeigten und dabei bedeutend älter waren. Es waren Reproduktionen aus dem Archiv von Frobenius http://reisebilder.marotte.de/kunst-der-vorzeit-felsbilder-frobenius/ Schade dass diese Bilder wohl wieder in einem Keller verschwinden. Die Forscher in Borneo hätten sich so manchen Mückenstich sparen können. BTW: in welcher Höhe aren die Höhlen?
trafozsatsfm 07.11.2018
2. Frobenius...
Ich will ja Frobenius' Beitrag nicht kleinreden, aber woher sind Sie sich so sicher, dass seine Kopien von Bildern ältere Darstellungen zeigen? Irgendwie bezweifele ich, dass Frobenius schon den radioaktiven Zerfall von Isotopen zur Altersbestimmung verwendet hat...
brooklyner 07.11.2018
3.
Zitat von kai SpaicherIn Berlin gab es eine Ausstellung mit Bildern, die deutlichere Tierbilder und mehr sozialen Alltag zeigten und dabei bedeutend älter waren. Es waren Reproduktionen aus dem Archiv von Frobenius http://reisebilder.marotte.de/kunst-der-vorzeit-felsbilder-frobenius/ Schade dass diese Bilder wohl wieder in einem Keller verschwinden. Die Forscher in Borneo hätten sich so manchen Mückenstich sparen können. BTW: in welcher Höhe aren die Höhlen?
Aha, der von Ihnen verlinkte Artikel ist wohl eher nicht von einem Profi verfasst, eher Schülerzeitungsniveau. Und über ein weitaus höheres Alter der Zeichnungen ist dort auch nichts zu lesen, lediglich, dass sie wohl älter als 7000 Jahre seien.
quark2@mailinator.com 08.11.2018
4.
Ich denke, man darf mit Sicherheit sagen, daß dies natürlich nicht die ältesten Tierbilder der Menschheit sind. Im Idealfall sind es die ältesten, die noch erhalten sind, aber wahrscheinlich sind es nur die ältesten, die wir bisher gefunden haben. Diese unfaßbaren Übertreibungen in den Überschriften springen wirklich ins Gesicht jeder Qualitätsoffensive und man denkt, man liest die Boulevardpresse. Einfach nervig und überflüssig. Warum nicht "Bisher ältestes Tierbild gefunden" ? Das ist zwar noch immer nicht ganz korrekt im Ausdruck, aber immerhin mal keine falsche Faktenbehauptung.
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