"Ausbeutung der Mitarbeiter" US-Pensionsfonds verklagt Ryanair

Seit Monaten kommt es bei Ryanair zu Streiks und Protesten. Jetzt verklagt ein amerikanischer Pensionsfonds den Billigflieger - weil er das schlechte Verhältnis zu seinen Mitarbeitern verschleiert habe.

Ryanair-Chef Michael O'Leary
AFP

Ryanair-Chef Michael O'Leary


Die Billigfluglinie Ryanair und ihr Chef Michael O'Leary werden von einem Pensionsfonds aus Alabama verklagt. Grund sind angeblich irreführende Angaben über Ryanairs Verhältnis zu den eigenen Mitarbeitern. Das geht aus der bei einem New Yorker Gericht eingereichten Klage hervor.

Der Fonds wirft Ryanair vor, Investoren über Konflikte mit Piloten und anderen Angestellten getäuscht zu haben, die zu deutlichen Kursverlusten am Aktienmarkt geführt hätten. Die Wahrheit sei ans Licht gekommen, als das Unternehmen unter dem Druck der Belegschaft im vergangenen Jahr erstmals Gewerkschaften zugelassen habe und in diesem Sommer bestreikt worden sei.

"Ohne das Wissen von Investoren war der Gewinn des Unternehmens in der Vergangenheit auf einem verdeckten und nicht nachhaltigen Fundament der Ausbeutung der Mitarbeiter und Fluktuation begründet", heißt es in der Beschwerdeschrift. Ryanair wies diese Anschuldigungen zurück und kündigte in einer Stellungnahme an, sich energisch gegen die "zum Scheitern verurteilte" Klage zur Wehr zu setzen.

Die Leitung der Fluglinie streitet seit Monaten öffentlich mit ihren Mitarbeitern. Am Mittwoch bestätigte Ryanair die Entlassung einer in Portugal stationierten Crew. Diese hatte ein Foto veröffentlicht, laut dem sie auf dem Boden eines Flughafens schlafen musste. Ryanair zufolge war die Aufnahme gestellt.

Im Video: Kampf der Billigflieger

dab/dpa/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
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oldman2016 07.11.2018
1. Geiz-ist-geil-Kundschaft trägt Verantwortung
Ohne die Geiz-ist-geil-Kundschaft würden Unternehmen wie Ryan Air sich nicht lange auf dem Markt halten. Das Problem ist aber auch das Wegschauen der Politik vor dem Problem scheinselbständiger Piloten und Betrug beim tatsächlichen Lebensmittelpunkt von Crew-Mitgliedern um die jeweiligen Sozialvorschriften und Arbeitnehmerrechte zu umgehen. Dafür tragen die Regierungen unter der Kanzlerin Merkel auch eine große Mitschuld.
Filsbachlerche 07.11.2018
2. Wenn ein US-Pensionsfond
Klage einreicht, dürften die Aussichten doch recht erfolgversprechend sein. Sie dürfte auch incl. der exorbitanten Anwaltshonorare recht genau durchkalkuliert sein.
at.engel 07.11.2018
3.
"Ohne das Wissen von Investoren war der Gewinn des Unternehmens in der Vergangenheit auf einem verdeckten und nicht nachhaltigen Fundament der Ausbeutung der Mitarbeiter und Fluktuation begründet"... Das ist wahrscheinlich das erste Mal, dass eine Analyse dieses Wirtschaftsmodell so simpel und klar auf den Punkt bringt! Auf diesem Modell basieren heute zwar eine ganze reihe von Unternehmen, aber RyanAir spielt da schon in einer Extraklasse... Einzige Bemerkung: "Ohne das Wissen von Investoren..."??? Der ist gut! Da werden sich die Richter in New York ein Schmunzeln nicht verkneifen können.
skla5555 07.11.2018
4. Ohne die Praktiken von
Ryanair zu befürworten finde ich es aber befremdlich wenn man sich nun darüber wundert woher die billigen Preise kommen. Das Mitarbeiter von Ryanair nicht gerade zu den Besserverdienern in ihrer Branche gehören hätte jedem klar sein müssen. Warum sollte ein Unternehmen das in jedem Bereich den letzten Cent raus holt ausgerechnet seine Mitarbeiter gut bezahlen? Jeder, auch ein Fonds, muss sich die Frage stellen......Woher kommen die billigen Preise? Ich denke die Antwort ist allen klar!
intercooler61 07.11.2018
5. Noch Fragen?
Dass schon die Anteilseigner dem Management "Ausbeutung un Fluktuation" der Mitarbeiter vorwerfen, kommt ja nicht allzu oft vor. (Natürlich tun sie das wegen ihrer Kursverluste, und falls die Firma dafür haften sollte, träfe es letztlich auch das Personal - ein Zeugnis für den Kaden ist es aber allemal.)
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