China überholt Deutschland Die Nummer eins der Meere

Die chinesische Containerflotte ist jetzt offiziell wertvoller als die deutsche. Woran das liegt - und wie die zehn größten Schiffe aussehen.

DPA

Deutschland hatte bislang die größte Containerflotte der Welt. Doch jetzt wurde die Bundesrepublik von China abgelöst. Grund für den Wechsel an der Spitze ist die zehn Jahre andauernde Schifffahrtskrise. Aktuellen Zahlen der Londoner Schiffsdatei Vesselsvalue zufolge beträgt der Wert chinesischer Containerschiffe 21,4 Milliarden Dollar, wie die "Welt" berichtet.

Deutschland kommt "nur noch" auf 18,7 Milliarden Dollar. Allerdings hat Vesselsvalue auch Schiffsbestellungen eingerechnet. Chinesische Reedereien haben kürzlich 76 Bestellungen im Wert von 4,1 Milliarden Dollar aufgegeben. Die Auftragslage bei deutschen Firmen fällt dagegen mit 29 Bestellungen für 591 Millionen Dollar relativ bescheiden aus.

Die Zahlen spiegeln den Trend in der Branche wider: China benötigt gigantische Containerschiffe, die Platz für bis zu 20.000 Container bieten. Deutschland und die internationale Konkurrenz setzen vermehrt auf mittelgroße Frachter.

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Containerschiffe: Die 20.000-Kästen-Kasten

Finanzierungen für den Kauf neuer Handelsschiffe sind in Deutschland nur schwer zu bekommen. Das hängt vor allem mit dem Verkauf des ehemals größten Schiffsfinanzierers des Landes, der HSH Nordbank, zusammen. Auch der Ausstieg der Commerzbank aus dem Geschäft wirkt sich negativ aus.

Deutschland droht im weltweiten Vergleich, Bedeutung und Einfluss zu verlieren. Dennoch ist die Bedeutung der Industrie hierzulande noch immer groß. Die Unternehmen tragen dem Verband Deutscher Reeder zufolge mit rund 30 Milliarden Euro zur Wertschöpfung Deutschlands bei.

Die Rangliste der gesamten Handelsflotte der Länder ergibt ein anderes Bild: Hier ist Griechenland trotz der Wirtschaftskrise im eigenen Land mit einer Flotte im Wert von 100 Milliarden Dollar die Nummer eins - dicht gefolgt von Japan und China. Die USA, Singapur, Norwegen und Deutschland belegen die Plätze dahinter. Vor allem die griechischen Ölfrachter (35,7 Milliarden Dollar) tragen zu dem Ergebnis bei.

Das sind die derzeit zehn größten Containerschiffe der Welt:

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bam



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deranaluest 16.04.2018
1. Von den Schiffen fährt doch keins unter deutscher Flagge
Wo jetzt die Eigner wohnen spielt doch keine Rolle. Steuern werden auch vermieden wo es nur geht.
TontonTombi 16.04.2018
2. fahren nicht unter deutscher Flagge, zahlen keinen Steuern, und
fahren nicht unter deutscher Flagge, beschäftigen keine Deutschen, zahlen keine Steuern, und schreiben fleissig ab. Derartige gesellschaftsschädigende Geschäfts- und Abstaubermodelle kann man wirklich bedenkenlos den Chinesen überlassen (oder verfeindeten Nationen).
moev 16.04.2018
3.
Vielleicht u.a. daran, dass China x-fach größer ist als Deutschland? Und viel mehr Küste und Häfen hat? War ja wohl abzusehen, dass die irgendwann auf- und überholen müssen.
heineken1 16.04.2018
4. Die Pervertierung der Skaleneffekte
(neudeutsch »Economics of scale«) Ich habe ein Buch im Regal stehen, »Die Mega-Carrier kommen« von Witthöft, aus dem Jahr 2004, das ist angesichts der jetzigen Entwicklung schon richtig putzig. Abgesehen davon, daß die Pötte jenseits der 12–14 kTEU häßlich wie die Nacht sind, siehe etwa https://3.bp.blogspot.com/-1W4k74CIes8/VO12LKYpNDI/AAAAAAAAVq0/FNkQx5AGKrI/s1600/1524455_442752235876358_3035822701802599183_o.jpg (gut, für die Optik zahlt auch niemand – erst recht nicht die maritimien Pfeffersäcke, pardon Reeder /Container-Linien), stellen sich doch ganz andere Frage: Die Häfen kommen kaum noch hinterher mit den Infrastrukturausbauten, diese Riesen überhaupt noch behandeln zu können. Das ist ja nicht nur eine »Kleinigkeit« wie etwa die Elbvertiefung nach Hamburg. Nein, das fängt schon bei den Kaianlagen selbst an. Und beides bezahlt allzuoft die Allgemeinheit (mit). Und dann wäre da noch das Versicherungsrisiko. Ich glaube mich zu erinnern, vor ca. 10 Jahren von Bedenken der Versicherungsbranche gelesen zu haben, solche Klumpenrisiken überhaupt noch versichern zu können. Und da waren wir gerade mal bei um die 14 kTEU. Suezmax (in seiner alten Form) als Größenbeschränkung gibt es seit dem Kanalausbau ja auch nicht mehr: Wohin führt uns der Rationalisierungswahn noch?
dasfred 16.04.2018
5. Egal auf welchem Platz Deutschland steht
Wichtiger ist, das die deutschen Schiffe denn auch Ertrag abwerfen. Einer unserer Hamburger Reeder hat vor kurzem noch von der Gier berichtet, die die Reeder vor der Finanzkrise ergriffen hat, von den Schiffen, die bestellt wurden und die dann gar nicht erst zum Einsatz kamen. Dr. Oetker hat schon gewusst, warum er die Hamburg Süd Reederei verkauft hat. Größe ist nicht alles und die Frachtraten sind heute mittelfristig so schlecht zu kalkulieren wie das Wetter.
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