Langzeitarbeitslose Gewerkschaft will sozialen Arbeitsmarkt ausweiten

Mit staatlich geförderten Jobs will die Bundesregierung Langzeitarbeitslose erreichen. Der DGB kritisiert, dass die Pläne vielen Betroffenen zu spät helfen würden.

Schlange im "Integrationscenter für Arbeit", Gelsenkirchen (Archiv)
DPA

Schlange im "Integrationscenter für Arbeit", Gelsenkirchen (Archiv)


Nach Ansicht von Gewerkschaften erreicht der neue soziale Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose viele Betroffene zu spät. Bedingung für die Förderung ist sechs Jahre Bezug von Hartz IV innerhalb von sieben Jahren. "Die Chance auf eine Teilhabe sollte weit früher beginnen", kritisierte Annelie Buntenbach aus dem Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds.

Mit dem neuen Programm sollen Jobcenter ab 2019 geeignete Langzeitarbeitslose identifizieren und an Arbeitgeber vermitteln. Fünf Jahre lang soll der Job gefördert werden können - in den ersten beiden Jahren mit 100 Prozent, dann jährlich um zehn Prozentpunkte weniger.

Am Donnerstag soll das von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) initiierte Gesetz im Bundestag verabschiedet werden. Kurz zuvor hatten Union und SPD ihre ursprünglichen Pläne noch abgeändert: Die Jobcenter sollen bei den geförderten Jobs nicht wie zunächst vorgesehen nur Mindestlohn zahlen dürfen, sondern den im betreffenden Unternehmen geltenden Tariflohn. Das hatte unter anderem der DGB zuvor gefordert.

Die Gewerkschaften hatten befürchtet, dass Arbeitgeber, die Tariflohn zahlen, auf einer Förderlücke hängenbleiben könnten, wenn sie vom Jobcenter nur den Mindestlohn erstattet bekämen. Dann entstünden die neuen Arbeitsplätze automatisch vor allem dort, wo Mindestlohn gezahlt werde und der Niedriglohnbereich wachse.

Der CDU-Arbeitsmarktpolitiker Kai Whittaker wertet den geplanten sozialen Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose als Schritt für Vollbeschäftigung in Deutschland. Dies bleibe das Ziel der Union, sagte Whittaker. "Wir möchten allen Menschen in diesem Land sozialen Aufstieg ermöglichen."

brt/dpa

insgesamt 18 Beiträge
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GoaSkin 08.11.2018
1.
Wir brauchen keine Betriebe, um Langzeitarbeitslose in einem Retro-Arbeitsumfeld wie aus einer anderen Zeit zu bespaßen, um den Leuten dann dafür Löhne wie aus früheren Jahrzehnten zu bezahlen, nur weil diese Arbeits-Spielplätze ohnehin nicht profitabel sind.
dasfred 08.11.2018
2. Hat mal jemand die Experimente gezählt?
Was wurde in den letzten Jahrzehnten nicht alles erfunden, um Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Und genau so erfindungsreich waren die Abstauber, die daraus ein Geschäftsmodell entwickelt haben. Diese Konstellation bietet sich perfekt für den Dienstleistungssektor an. Nur noch Rechnungen schreiben, bei zwei Jahren ohne Lohnkosten, da kann man die Mitbewerber soweit vom Markt drängen, das man dann auch eine gewisse Zeit einen kleinen Anteil an den Löhnen als Arbeitgeber selbst bezahlt. Ich lass mich überraschen, wo im Nachhinein all die Fallstricke für die Langzeitarbeitslosen gespannt sind. Mal schauen, was von den staatlichen Zuschüssen wirklich ganz unten ankommt.
charly05061945 08.11.2018
3. Hilfe über Hilfe
Der Begriff Eigenverantwortung scheint nicht mehr existent. Dass die Menschen in erster Linie für ihre Situation selbst verantwortlich (z.B. die berühmten "Alleinerziehenden") sind gerät immer weiter in Vergessenheit. Vor bereits ca. 10 Jahren schrieb ich in einem ähnlichem Forum: "Deutschland wird eines Tages an seinen sozialen (Un-)Wohltaten ersticken".
karljosef 08.11.2018
4. Es werden nur die Langzeitarbeitslosen gefördert, die HartzIV beziehen
also nicht diejenigen, die "zu viel" für's Alter vorgesorgt haben. Eine Begründung sucht man vergebens!
karljosef 08.11.2018
5. Ersticken
Zitat von charly05061945Der Begriff Eigenverantwortung scheint nicht mehr existent. Dass die Menschen in erster Linie für ihre Situation selbst verantwortlich (z.B. die berühmten "Alleinerziehenden") sind gerät immer weiter in Vergessenheit. Vor bereits ca. 10 Jahren schrieb ich in einem ähnlichem Forum: "Deutschland wird eines Tages an seinen sozialen (Un-)Wohltaten ersticken".
aber eher an Cum-Cum und Cum-Ex- Wohltaten bzw. Steuerschlupflöcher für Reiche und Großunternehmen?
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