Handel Trump will Strafzölle gegen Türkei verdoppeln - Lira im freien Fall

US-Präsident Donald Trump will die Strafzölle gegen die Türkei deutlich erhöhen. Die Abgaben auf Aluminium und Stahl sollen auf 20 und 50 Prozent angehoben werden. Der Verfall der Landeswährung beschleunigt sich rasant.

Donald Trump
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Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat eine Verdopplung der Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei angeordnet. Dies teilte Trump am Freitag auf Twitter mit.

Die Zölle auf Aluminium würden nun auf 20 Prozent und die für Stahl auf 50 Prozent angehoben. Trump verwies darauf, dass die Lira schnell gegenüber dem starken Dollar abrutsche. "Unsere Beziehungen zur Türkei sind derzeit nicht gut", schrieb er weiter.

Kurz nach Trumps Ankündigung hat die Lira 19 Prozent an Wert verloren. Die türkische Lira fällt seit Tagen. In der Nacht zum Freitag stürzte sie um zwölf Prozent ab, ein Dollar kostete 6,25 Lira. Am Morgen erholte sie sich zwar wieder etwas, ein Dollar kostete dann 5,92 Lira. Am Freitagnachmittag stieg der Dollar auf ein neues Rekordhoch - für einen Dollar wurden 6,87 Lira fällig.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach am Nachmittag in einer Ansprache von einem "Wirtschaftskrieg", in dem sich sein Land befinde. Er rief alle Türken auf, zur Stützung der Währung Devisen gegen Lira zu tauschen. "Die, die Dollar, Euros, Gold unter dem Kissen haben - geht und wechselt es in türkische Lira in unseren Banken", sagte Erdogan im nordtürkischen Bayburt. Solidarität werde die wichtigste Reaktion auf den Westen sein. Die Krise sei "künstlich".

Gegenüber dem Euro hat die Lira seit Januar mehr als ein Drittel an Wert verloren. Die Währungskrise in der Türkei hat am Freitag auch die Wall Street belastet. Der beschleunigte Kursverfall löste Unruhe an den Finanzmärkten aus. Befürchtet wird, dass sich viele türkische Kreditnehmer nicht ausreichend gegen den Kursverfall der heimischen Lira abgesichert haben könnten. Somit könnten Zahlungsprobleme bei den auf Euro oder Dollar laufenden Krediten drohen.

Die Regierungen in Ankaraund Washington streiten vor allem über die Festnahme des US-Geistlichen Andrew Brunson durch türkische Behörden. Die Ermittler werfen ihm Verbindungen zum Prediger Fethullah Gülen vor, der nach Darstellung der Regierung hinter dem Putschversuch vor zwei Jahren steht. Brunson weist die Vorwürfe zurück.

Wegen des Streits haben die Nato-Partner Türkei und die USA bereits Minister des jeweils anderen Staates mit Sanktionen belegt. Damit werden mögliche Vermögen der Minister in den USA eingefroren, außerdem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen machen.

cop/Reuters/AFP/dpa

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barstow 10.08.2018
1. Auswirkungen auf Deutschland
Deutschland und vor allem seine zahlende Bevoelkerung kann sich schon Mal auf die Auswirkungen der Fehlleistungen tuerkischer Politik einstellen. Neben massiver Armutszuwanderung (die kommen wird wenn die tuerkische Wirtschaft weiter abstuerzt) und damit verbundenen sozialen Folgen, werden Hilfspakete fuer stark investierte Banken aus Laendern (Spanien, Italien und Frankreich) notwendig sein. Es heisst also Zahlemann&Soehne fuer die Deutschen sowie Anpassen und neuen Integrationsdebatten (wie bekomme ich die noch vorhandene Mehrheitsbevoelkerung assimiliert) . Bitte ohne zu maulen da sonst die Abstrafung als Rechtspopulist garantiert ist.
tmpernod 10.08.2018
2. Welches Spiel spielt der eigentlich?
Gibt es das zu kaufen... oder läuft da ein vergleichbares Strategiespiel auf FoxNews? Wenn ja, gehe ich jede Wette ein, dass Trump dieses Spiel nie zuende gespielt hat...
bigroyaleddi 10.08.2018
3. Meiner negativen Haltung gegenüber den beiden Autokraten
habe ich oftmals geäußert. Jetzt bin ich aber doch einigermaßen überrascht, dass sich diese beiden so in die Wolle bekommen. Weiß denn jemand, welche Größenordnungen das betrifft? Mit war so nicht bekannt, dass die Türkei so ein großer Metallexporteur in Richtung USA ist. Jetzt bin ich gerne geneigt mich zurückzulehnen und mal zu schauen, wohin so etwas führt. Da bei dem Donald und dem Erdo alles sehr schnell geht, bekommen wir vielleicht eine Blaupause über den zu erwartenden Wirtschaftskrieg.
b20a9 10.08.2018
4. Aufruf zum Devisentausch?
"Er rief alle Türken auf, zur Stützung der Währung*Devisen*gegen Lira zu tauschen." Na so blöd sind doch selbst seine dümmsten Anhänger nicht. Wie wäre es, wenn Erdogan da mal mit gutem Beispiel voran geht und nachweislich seine eigenen Devisen in Lira tauscht??
Ein_denkender_Querulant 10.08.2018
5. Insiderwissen?
Für mich, außenstehend und ohne fundierte Informationen über die Presse hinaus, verdichtet sich der Ansatz, dass es Trump und seinen Buddies nur um Insidergeschäfte und massive Kursgewinne geht. Hoffentlich prüft die Börsenaufsicht, ob vor den Twittertiraden von Trump entsprechende Optionsscheine auf fallende Kurse in großen Massen besorgt wurden.
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