Seoul Fashion Week So sieht K-Pop zum Anziehen aus

Neon-Frisuren und Leopardenprints, Popstars und Designer, alles ist irgendwie ein Laufsteg: Bei der Seoul Fashion Week inszeniert sich Koreas Hauptstadt als Gesamtkunstwerk. Und sie will noch mehr.

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Von , Seoul


Helfer schieben drei Kleiderstangen vorbei, als die Sängerin Ji-Yeon an kreischenden Fans vorbei zu den Fotografen schreitet. Sie wird kurze Zeit später in der ersten Reihe bei der Show des Labels Tibaeg sitzen und ein Video bei Instagram posten. Koreas Pop- und Filmstars dürfen bei keiner der großen Schauen der Seoul Fashion Week fehlen. Denn die Modewoche sieht sich als Gesamtkunstwerk koreanischer Popkultur.

Allein der Weg zum Eingang ist ein großer Laufsteg: Hier posieren Blogger in extravaganter Kleidung, suchen Fotografen nach dem neuesten Street Style. Einige der Fotografierten werden später auch auf den Catwalks als Models laufen. Innen und außen verschwimmen bei der Seoul Fashion Week.

Die großen Schauen finden im Dongdaemun Design Plaza statt, das von der britischen Stararchitektin Zaha Hadid entworfen wurde und mit seinen silbrig schimmernden organischen Formen eine spektakuläre Kulisse für den Korean Cool bildet.

Auch die deutsche Modebloggerin Christine Evers, 30, posiert hier. Sie hat sich für ein gelbes Outfit mit Leopardenprint entschieden. "Die Koreaner experimentieren ohne Scheu, sie mischen alle Trends", meint Evers. "Um fotografiert zu werden, muss man außergewöhnlich sein, aus der Masse herausstechen."

Modebloggerin Christine Evers
Katharina Peters

Modebloggerin Christine Evers

Mit Erfolg: Bloggerinnen aus China sprechen sie schon morgens an, um Bilder zu machen, und eine Passantin lobt auf Englisch: "Du siehst toll aus." Evers wird es mit ihrem Outfit in die "Vogue"-Galerie der besten Street Styles aus Seoul schaffen. "Kann jemand mich bitte kneifen???", schreibt sie bei Instagram. "Surreal."

Evers hat 2,2 Millionen Follower weniger als Sängerin Ji-Yeon, aber das Programm ist das gleiche. Genau wie der K-Pop-Star in der ersten Reihe dokumentiert sie die Shows bei Instagram, kommentiert die ausgefallenen Schuhe oder die vibrierende Musik. Die Aufmerksamkeit ihrer 19.000 Follower, die meisten aus Deutschland, ist hier mehr als willkommen.

Noch mehr als Blogger befördern Musiker Koreas Image als cool und innovativ. Bester Botschafter ist die Band BTS, die auch weltweit erfolgreich ist. "Der Erfolg der koreanischen Musik hat ein globales Interesse an Dingen aus Korea entfacht, auch Mode", glaubt Jung Ku-Hu, Direktor der Fashion Week. In einem Interview mit der "Korea Times" hat er kürzlich gesagt: "Die Menschen außerhalb von Korea interessieren sich für den Stil der koreanischen Stars und welche Pflegeprodukte sie benutzen. Einige Experten fragen gezielt auch nach koreanischen Sängern, wenn wir über Kollaborationen sprechen."

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Seoul Fashion Week: Der Laufsteg ist überall

Wie sehr Mode und Musik miteinander verschmelzen können, zeigt sich, wenn K-Pop Stars wie Baekhyun von der Band EXO mit New Yorker Designern eigene Kollektionen entwerfen.

Korea ist ambitioniert und Seoul will nun endlich eine echte Modehauptstadt werden - und in einer Reihe mit Paris, Mailand, New York und London genannt werden. Auf der Homepage der Fashion Week wird das ausdrücklich als strategisches Ziel ausgegeben. Auch wenn man zurzeit keine offiziellen Zahlen herausgeben will: Im vergangenen Jahr hat die Stadt die Fashion Week laut "Korea Herald" mit umgerechnet fast zwei Millionen Euro subventioniert. Damit wurden wichtige Einkäufer und Moderedakteure eingeflogen. Auch in diesem Jahr sind wieder 130 Einkäufer aus Asien und 30 aus Europa und den USA dabei.

Seoul muss sich entscheiden

Doch genau dieser Spagat zwischen dem Wunsch nach Anerkennung in Europa und USA und dem wirtschaftlichen Fokus vor allem auf den chinesischen Markt ist heikel. "Die Seoul Fashion Week muss sich fragen, was ihr primäres Ziel ist", meint Monica Kim, die für die US-amerikanische "Vogue" unter anderem die Trends aus Asien beobachtet. "Will sie in Amerika, in Europa sichtbar sein? In den USA verkaufen, in Paris Designs zeigen? Oder geht es darum, der dominante Mode-Treiber in Asien zu sein und dort zu verkaufen?"

Auch Christine Evers, die deutsche Modebloggerin, glaubt, dass koreanische Designer es auf dem europäischen Markt nicht leicht haben. Sie gibt zu: "Aus dem Stegreif hätte ich vor der Fashion Week keinen koreanischen Designer nennen können."

Aber ihr gefällt die Vielfalt der Entwürfe, die hier gezeigt werden. Bei der Show von Tibaeg dominieren transparente Röcke und Kleider aus verträumten Stoffen in rosa und grün. "Märchenhaft", findet Evers die Show. Aber auch etwas eintönig.

Beeindruckt ist sie dagegen von dem Label Vibrate, bei dem die Impulse der Straße aufgegriffen und ins Extreme gedreht werden. Neon, Plastik, Oversize, alles unterlegt von Elektro-Musik. Das findet sich auch auf vielen anderen Laufstegen wieder - wobei sich wohl auch daran die häufig geäußerte Kritik entzündet, koreanische Designer würden zu schnell von Trend zu Trend springen.

Wer Elemente aus der traditionellen koreanischen Kultur sucht, der findet sie nur vereinzelt. Das Label SetSetSet widmet eine ganze Kollektion dem Nationalgericht Kimchi und inszeniert die Models ironisch als koreanische Hausfrauen, die mit Kohlkopf, Einkaufstaschen und Spülhandschuhen über den Laufsteg spazieren.

Das alles in einem kleineren Raum, der speziell für junge Designer gedacht ist. Ein solches Forum könnte laut Experten wie Monica Kim entscheidend für den künftigen Erfolg der Fashion Week sein. "Dort haben zuletzt einige neuere Labels ihre Entwürfe gezeigt, die international Potential haben. Sollte die Seoul Fashion Week global Einfluss gewinnen wollen, hoffe ich, dass sie solche Talente erkennt und fördert."

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