Klassiker Die Schulterpolster

Schon Elsa Schiaparelli prägte mit ihrer Mode ein selbstbewusstes Frauenbild mit Schulterpolstern. Frauen brauchen zwar keine starken Schultern mehr zur Selbstbehauptung, aber ein Power-Statement kann trotzdem nicht schaden.

Tom Ford Frühjahrskollektion 2018
AFP

Tom Ford Frühjahrskollektion 2018

Von Kathrin Hollmer


"Dress for success", das bedeutete einst: Frauen, zieht euch wie Männer an, damit man euch ernst nimmt! In der Schulterpolster-Dekade der Achtziger entfernte Giorgio Armani die Pads aus seinen Männeranzügen und stattete seine Damenblazer damit aus. Damals arbeiteten vermehrt Frauen in Büros - und zwar nicht mehr ausschließlich als Sekretärin. "Sie brauchten Kleidung, die ausdrückte, dass sie dem stärkeren Geschlecht ebenbürtig sind", erklärte Armani.

Schon Elsa Schiaparelli und Marcel Rochas prägten vor dem Zweiten Weltkrieg mit ihrer Mode ein selbstbewusstes Frauenbild mit Schulterpolstern, die die männliche Silhouette imitieren. In den Achtzigerjahren machten Armani, Anne Klein, Thierry Mugler und Claude Montana die Auspolsterungen extremer. Es galt: "the bigger, the better", bis die V-Silhouette ein paar Jahre später wieder dezenter wurde.

Die Serienanwältin Ally McBeal (gespielt von Calista Flockhart) trug sogar Minirock zum Power-Jacket - was das Magazin "Time" 1998 zur Frage veranlasste: "Is feminism dead?" Heute kann man den Feminismusgrad weder am Minirock noch an Schulterpolstern ablesen, die Zeiten der Provokation haben beide Stücke hinter sich. Der Mini ist allgegenwärtig, und die Polster sind im derzeitigen Achtziger-Trend auch bei vielen Modehäusern wieder im Programm - in Blumen-Blazern bei Saint Laurent, Oversize-Trenchcoats bei Balenciaga und kastigen Jäckchen bei Gucci oder mit markantem Revers bei Tom Ford.

Frauen brauchen zwar keine starken Schultern mehr für die Selbstbehauptung, aber ein Power-Statement kann trotzdem nicht schaden.

Aus dem S-Magazin


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