"Das ist reinste Lebensfreude" Was Menschen sammeln

Panini-Bilder, Getränkedosen - oder 14.000 Kugelschreiber: Menschen sammeln einfach alles. Der Fotograf Matthias Ritzmann hat Männer, Frauen und Kinder mit ihren liebsten Objekten porträtiert.

Matthias Ritzmann

Von


Rund 14.000 Kugelschreiber besitzt Klaus Kuhnold. Nach Typ und Farbe sortiert, hat er sie in Regalen angeordnet, mit Drähten an der Wand aufgehängt. Weil in seinem Haus nicht mehr genug Platz ist, baute der Maurer seine Garage um, nun bewahrt er seine Schätze dort auf. Kuhnold ist einer von knapp 30 Sammlern, die der Fotograf Matthias Ritzmann zu Hause besucht hat.

Im Rahmen eines Stipendiums konnte Ritzmann ein Jahr lang an seiner Serie arbeiten. Neben Klaus Kuhnhold und seinen Kugelschreibern traf er Vasen-Liebhaber, Schilder-Sammler und einen Mann, dessen Leidenschaft Visitenkarten von Autohändlern sind. Er sprach mit ihnen über ihr Faible und porträtierte sie mit ihrer Sammlung.

Ritzmann entschied sich für schwarz-weiße Fotos: "Es ist sowieso schon so viel los in den Bildern. Und außerdem finde ich es faszinierend, wenn die Menschen mit den Dingen und dem Raum verschmelzen."

Jeder Sammler habe ein eigenes System für seine Sammelobjekte. Der eine ordnet alphabetisch, der andere nach Farbe, in Ordnern, Kisten oder Regalen. Viele der Gegenstände sind einfach schön, wie altes Porzellan oder Steine - oder zumindest interessant. Es gibt fast keinen Lebensbereich, in dem nicht gesammelt wird.

Oft wird auch gemeinsam gesammelt. Timmka Würzburg entdeckte vor 30 Jahren zufällig ein Päckchen Kaffeesahne, der Aludeckel mit einem Dinosaurier bedruckt. Er gefiel ihr so gut, dass sie von nun an nach weiteren suchte. Irgendwann war auch ihr Mann vom Sammelfieber infiziert, mittlerweile besitzen die beiden mehr als 3.000 Deckel, fein säuberlich in Folie verpackt und in Ordnern abgeheftet.

Fotostrecke

15  Bilder
Comics, Vasen und Kugelschreiber: Was Menschen alles sammeln

Bei manchen ist das Sammeln nur eine kurze Episode, bei anderen zieht es sich durch das ganze Leben. So umfasst Günther Fiedlers Sammlung mittlerweile rund 90.000 Bieretiketten. "Viele Ältere reflektieren auch ihr Leben über die Objekte", sagt Ritzmann. Sie würden sie an bestimmte Lebensphasen oder Ereignisse erinnern, sind mit Emotionen verbunden.

Die Sammler erzählten, dass ihre Leidenschaft von manchen belächelt, von anderen aber auch bewundert und sogar unterstützt werde. Freunde, Verwandte und Bekannte der Familie Würzburg bringen beispielsweise regelmäßig Kaffeesahnepäckchen aus dem Urlaub mit.

Warum Menschen sammeln

Warum sammeln Menschen? Gründe gibt es viele, sie sind bei jedem unterschiedlich. "Ich denke, in uns allen stecken noch immer Jäger und Sammler, wir wollen Dinge anhäufen", sagt Ritzmann. Häufig gibt es besonders seltene Stücke, die jeder Sammler unbedingt besitzen möchte: Findet er das gesuchte Stück, ist das Glück groß.

Für viele ist es auch eine Möglichkeit, Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen, sich über das gemeinsame Interesse auszutauschen. Früher gingen viele Sammler auf Tauschbörsen, heute spielt sich viel im Internet ab.

Sich mit der eigenen Sammlung zu beschäftigen, kann entspannen, eine beruhigende Wirkung haben. Günther Fiedler sagt, dass er schon öfters das Mittagessen verpasst habe, weil er so vertieft in seine Bieretiketten war. Sammeln bildet, wenn man sich beispielsweise ernsthaft mit Objekten aus der Vergangenheit beschäftigt. Manchmal ist es aber auch einfach nur unterhaltsam.

Neben dem Fotografieren hat Ritzmann noch eine Leidenschaft: Taschenmesser. Rund 40 besitzt er bereits. "Ich denke immer, wenn ich ein neues kaufe: 'Das ist das letzte.' Und dann kaufe ich doch wenig später schon wieder eines."


Ausstellung: SPENGLER UND DU. Zeig deine Sammlung der Welt. Spengler-Museum, Sangerhausen, bis 20. Januar 2019

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.