Abfallmode gegen Diskriminierung Beste Reste

Gesellschaftlicher Abfall - so sehen viele Kambodschaner Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Ein Designerkollektiv in Phnom Penh erschafft deshalb aus Müll Mode. Es setzt Schönheit gegen Hass.

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Auch wenn sich die Einstellung gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in den vergangenen Jahren gebessert hat, ist Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender im konservativen Kambodscha noch immer weit verbreitet.

"Vor fünf oder zehn Jahren betrachteten die Kambodschaner die LGBT-Gemeinde noch als gesellschaftlichen Abfall", sagt Ith Sovannareach, Gründer von La Chhouk Recycled & Creative Fashion. "Die Menschen sahen in ihnen unnatürliche Fremde."

Der 24-jährige Sovannareach und sein Team aus LGBT-Aktivisten spielen mit dieser Verunglimpfung. Aus dem Müll von den Straßen der Hauptstadt Phnom Penh machen sie Mode.

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Die Gruppe verarbeitet an der Königlichen Universität der Künste in Phnom Penh Pappe, Dosen, Plastiktüten und Klopapierrollen zu aufregender Mode. "Wir verwenden alles", sagt Sovannareach, "aber am besten sind Zementsäcke und Plastik".

Viele der extravaganten Outfits und passenden Kopfbedeckungen sind von der traditionellen Kleidung der Khmer inspiriert.

Mittlerweile wurden Sovannareach und sein Team von Firmen wie Coca-Cola und Heineken engagiert, um aus ihrem Abfall Kleider zu gestalten, und vergangenen Monat beauftragten die Vereinten Nationen die Gruppe mit einer Modenschau.

Kuy Thida war mit einem kleinen Stand bei der Show vertreten, um für LGBT-Rechte zu werben. Laut der Transgender-Aktivistin leben ungefähr 6000 gleichgeschlechtliche Paare in dem Land, das ihre Partnerschaften nicht rechtlich anerkennt. Ihre eigene Familie akzeptiert Thida ebenfalls nicht als Transgenderfrau. "Sie hoffen immer noch, dass ich jemanden vom anderen Geschlecht heirate, um keine Schande über sie zu bringen."

Laut einem Bericht der Vereinten Nationen aus diesem Jahr gab es in den ersten vier Monaten 2015 100 homophobe und gewalttätige Angriffe. 2007 sagte der Premierminister Hun Sen, er habe seine Adoptivtochter verstoßen, weil sie eine Partnerin hatte.

Offizielle Ablehnung entmutigt viele in der LGBT-Community, offen mit ihrer sexuellen Orientierung umzugehen oder ihre Beziehung im Alltag zu leben. "Sie müssen so tun, als wären sie Fremde", sagt Sovannareach über seine Kollegen. "Daheim tun sie das, was ihre Mutter verlangt. Sie müssen so tun, als ob sie stark wären." Die von ihm und seiner Gruppe entworfene Kleidung soll ihnen nun das Gefühl geben, dass sie stark sind.

löw/ Prak Chan Thul, Reuters

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