Jeff Bridges über das Leben im Hotel "Mann, haben wir gefeiert"

Jeff Bridges verbringt im Kino gerade "Bad Times at the El Royale". Wir wollten wissen, in welche Hotels er sonst so eincheckt, und wie das war, als er mal von Michael Jackson aus seinem Zimmer geworfen wurde.

Getty Images/ CBS

Interview von Brigitte Steinmetz


SPIEGEL ONLINE: Neonbeleuchtete Absteigen wie das El Royale gibt es an jedem US-Highway. Sind die Ihr Fall?

Bridges: Klar. An der Grenze von Kalifornien und Nevada steht das echte Vorbild des El Royale. Cal Neva heißt es. In der Nevada-Hälfte ist Glückspiel erlaubt, in der kalifornischen gibt es dafür eine Karaokebar, habe ich gehört. Da möchte ich unbedingt mal hin.

SPIEGEL ONLINE: Auf welcher Seite würden Sie abhängen?

Bridges: Natürlich in der Karaoke-Bar. Noch besser als Karaoke wäre allerdings so jemand wie meine "El Royale"- Kollegin Cynthia.

SPIEGEL ONLINE: Tony-Award-Gewinnerin Cynthia Erivo spielt eine glücklose Sängerin, die alleine in ihrem Zimmer vor dem Spiegel Motown-Songs übt.

Bridges: Cynthia ist so toll, wie eine lebende Jukebox. Wir konnten uns Songs von ihr wünschen und sie legte einfach los.

SPIEGEL ONLINE: Nachdem lebende Jukeboxen eher nicht zum Standard von Hotels gehören - worauf legen Sie Wert?

Bridges: Ich habe gerne eine Klimmzugstange in der Tür. Für die Fitness, nur ein paar Züge morgens und abends. Allerdings muss man aufpassen, auf welcher Seite man sich hochzieht.

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Jeff Bridges: Der beste Dude in Hollywood

SPIEGEL ONLINE: Wieso?

Bridges: Ich machte mal eine sehr schmerzhafte Erfahrung beim Dreh von "Against All Odds" in Mexiko. Wir filmten dort wochenlang, ohne zu wissen, was wir da eigentlich fabrizierten, weil es Transportprobleme zwischen dem Set und dem Hollywoodstudio gab. Der eine Schnipsel, den uns der Produzent schickte, sah absolut fürchterlich aus. Nach einem Monat Zweifeln und Hadern trudelte endlich unser entwickeltes Material ein. Und es sah gut aus. Ich war so happy und erleichtert, dass ich mit meinem Stuntman Loyd Catlett einen trinken ging. Loyd ist mein ältester Party-Kumpel, wir arbeiten seit "Last Picture Show" zusammen, also haben wir bestimmt 60 Filme gemeinsam gemacht. Mittlerweile sieht er wirklich aus wie ich. Sogar sein Bart hat die gleiche Wuchsrichtung (kichert). Wo war ich?

SPIEGEL ONLINE: Sie wollten über die Gefahr von Klimmzugstangen in Hotelzimmern berichten.

Bridges: Genau, Loyd und ich genehmigten uns also ein paar Tequila-Shots und wankten zurück ins Hotel. Dort fand ich es eine gute Idee, noch Klimmzüge vor dem Zubettgehen zu machen. Leider hatte die Tür auf einer Seite einen Überhang, der mir nicht aufgefallen war. Und als ich mich mit Schwung nach oben zog, wumms!, knallte ich voll mit dem Kopf dagegen und stürzte auf den Boden. Alles war voller Blut. Ich hatte eine riesige Platzwunde quer über der Stirn, die genäht werden musste. Und das mitten in den Dreharbeiten! Dem Regisseur, Taylor Hackford, ist zum Glück gelungen, mein Gesicht so in Szene zu setzen, dass die Wunde nicht zu sehen war. Hm. Das war jetzt eine lange Geschichte die irgendwie zu nichts führte, was?

SPIEGEL ONLINE: Erinnern Sie sich an Ihr erstes Hotel?

Bridges: Oh ja. Deetjen's Big Sur Inn. Ich war 16, hatte gerade den Führerschein gemacht und fuhr den Highway One rauf nach Norden. Es war wundervoll. So ein kleiner funky Laden mit süßen Zimmerchen mitten im Wald. Bisschen hippie, sehr gemütlich, alles mit Holz vertäfelt. Für mich ist das Deetjen's die Essenz von Big Sur.

"Bisschen hippie, sehr gemütlich"

SPIEGEL ONLINE: Sie wirken entspannter als der Dude. Wo gehen Sie zur Erholung hin?

Bridges: Nach Hause zu meiner Frau Susan. Aber das Two Bunch Palms in Desert Hot Springs ist auch ganz wundervoll. War früher mal Al Capones bevorzugter Hangout. Ich liege dort in den Pools herum, die haben ihre eigenen heißen Quellen. Noch so ein kleines funky Juwel - allerdings habe ich gehört, das es inzwischen aufgehübscht wurde. Ich war schon länger nicht mehr da.

SPIEGEL ONLINE: Es nennt sich inzwischen luxury retreat und hat die Preise verzehnfacht.

Bridges: Oh, das ist schade.

SPIEGEL ONLINE: Offenbar haben Sie ein Herz für leicht abgeschrabbelte Hotels?

Bridges: Ja, aber ich mag auch das Biltmore in Santa Barbara sehr gerne. Das Lieblingshotel meiner Frau. Es ist sehr romantisch dort, mit Rosengärten und plüschigen Suiten.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie wohnen doch in Santa Barbara?

Bridges: Richtig - leider liegt unser Haus in einem brandgefährlichen Canyon, und immer wenn die Feuer in unserer Ecke wüten, müssen wir evakuieren. Das Biltmore ist unsere Zuflucht.

Four Seasons Resort The Biltmore
Blake Marvin/ Four Seasons Resort The Biltmore

Four Seasons Resort The Biltmore

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon mal Airbnb ausprobiert?

Bridges: Ja, erst neulich, in Charles Schulz' altem Ferienhaus. Charles Schulz, der Schöpfer der Peanuts. Hinterließ ein wunderhübsches Anwesen mitten in den Redwoods, das man mieten kann. Überall auf dem Grundstück verteilt findet man kleine Cartoons ins Holz geschnitzt. Das ist wirklich was ganz Besonderes, ich kann es nur empfehlen.

SPIEGEL ONLINE: In welchem Hotel haben Sie Ihre beste Zeit verbracht?

Bridges: In den Hotels meiner jüngeren Jahre. Mann, haben wir großartige Partys in Hotels gefeiert.

SPIEGEL ONLINE: Fällt Ihnen da eine bestimmte Party ein?

Bridges: Die "Heaven's Gate"-Partys waren alle sehr wild.

SPIEGEL ONLINE: "Heaven's Gate", das legendäre Film-Desaster, das Regisseur Michael Cimino 1980 die Karriere kostete und das Studio in den finanziellen Ruin trieb?

Bridges: Das lag aber nicht an unseren Partys.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie nicht sogar das Set aufgekauft?

Bridges: Nur das Bordell. Wir nannten es The Hog House. Ich habe den Schuppen abbauen lassen und 200 Meilen weit zu meiner eigenen Ranch in Montana gefahren, und dort wieder aufgebaut. Die Einschusslöcher aus dem Film sind immer noch in den Wänden unseres Haupthauses. Alle paar Jahre gucken meine Frau Susan und ich "Heaven's Gate", das ist für uns wie ein Heimvideo.

Trailer zu Bad Times at the El Royale

SPIEGEL ONLINE: In welchem Hotel feierten Sie die wilden Partys?

Bridges: Es war eine große Lodge, ungefähr hundert Meilen von Kalipell, Montana. Glacier Lodge hieß die, glaube ich.

SPIEGEL ONLINE: Feierten Sie in der Hotelbar?

Bridges: Auf meinem Zimmer.

SPIEGEL ONLINE: Wie muss man sich eine Jeff Bridges Hotelzimmer-Party vorstellen?

Bridges: Mit viel Musik und Tanz. Wir hatten einfach eine gute Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Was darf in Ihrer Minibar nicht fehlen?

Bridges: Cashewnüsse.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie mal ein Hotelzimmer zertrümmert?

"Wow, der hatte eine Knarre in der Tasche"

Bridges: Fernseher aus dem Fenster geworfen und so was? Nein, das ist nicht mein Stil.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht ganz früher?

Bridges: Nein, ich war nie ein Wüterich. (kichert)

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie mehr gute oder schlechte Zeiten in Hotels?

Bridges: Definitiv mehr gute, nur sehr wenige schlechte.

SPIEGEL ONLINE: Die schlechteste?

Bridges: Taugt nicht für eine Hotelbewertung, aber... ich wohnte mal hier in Los Angeles während Dreharbeiten in einem Luxushotel. Nach einem besonders anstrengenden Nachtdreh wollte ich morgens um vier erschöpft auf mein Zimmer gehen, da stellt sich mir ein riesiger Typ in den Weg, "Du kannst hier nicht rein" knurrte er. "Wie", sagte ich "das ist mein Zimmer!" "Ist besetzt." Da fiel mir diese seltsame Ausbuchtung in seiner Jacke auf. Wow, der hatte eine Knarre in der Tasche. "Was...?" stotterte ich. Der Typ verschränkte nur seine Arme. Es war wie ein schlechter Traum. Ich ging zur Rezeption und verlangte den Manager. "Schläft", sagte der Nachtportier. Da wurde ich etwas ungehalten. "Wecken Sie ihn", forderte ich. "Da ist ein Fremder in meinem Zimmer und ich möchte in mein Bett!" Der Manager kommt also im Pyjama heraus und entschuldigt sich wortreich. Er sei gezwungen gewesen, mein Zimmer abzutreten. Es sei das Lieblingszimmer dieses Überraschungsgastes. Aber meine Sachen, sogar meine Gitarren waren alle noch auf dem Zimmer! Naja, mittlerweile war es fünf Uhr morgens und ich wirklich sehr müde. Man brachte mich in ein anderes Hotel. Am nächsten Morgen bekam ich meine Gitarren zurück und erfuhr, wer mein Zimmer besetzt hatte: Michael Jackson.

SPIEGEL ONLINE: Immerhin!

Bridges: Hihi. Sag ich auch. Was für ein Typ! Hätte ich gleich gewusst, dass es sich um Michael Jackson handelt, wäre ich freiwillig umgezogen. Ich bin großer Fan.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie denn auch schon mal den Star raushängen lassen?

Bridges: Ich kann einen Satz auf Deutsch sagen: Ich bin Schauspieler. Hat mir mein Schweizer Maskenbildner Thomas Nellen beigebracht. Ich mag, wie das klingt. Ischbinneinschauschpiela. Aber ich glaube kaum, dass ich dafür ein Upgrade in die Präsidentensuite bekomme.



insgesamt 8 Beiträge
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timbö 12.10.2018
1. Danke!!!!
Für dieses großartige Interview. Ganz ehrlich: Sein neuer Film ist mir ziemlich egal, aber Jeff Bridge so reden „zu hören“, ist einfach herrlich.
spon_5112961 12.10.2018
2. 1‘ 44‘‘
Spass mit lesen! Der Dude halt...
Orthoklas 12.10.2018
3. Wow
Extrem entspannt der Mann. Sehr cool und sympathisch!
newline 13.10.2018
4. Ich mag
ganz einfach seinen Stil. Das er keine Fernseher aus dem Fenster geworfen hat, ist klar. Wir sind hier nicht irgendwo, hier gelten Regeln.
remaininlight 13.10.2018
5. Entspanntheit...
Vielen Männern mit Macht auf dieser Erde würde die Entspanntheit des Herrn Brigdes aka Dude gut zu Gesicht stehen. Wir hätten sicherlich weniger Probleme und weniger Kriege. Wunschdenken. Ich weiß, aber Träumen ist erlaubt. In diesem Sinne...
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