Haute Couture in Paris Punktsieg der Eleganz

Läuft Streetwear der hohen Schneiderkunst den Rang ab? Bei den Haute-Couture-Schauen in Paris geht es dieses Mal auch um die Zukunft der Designermode. Sehen Sie selbst, und wählen Sie Ihren Lieblingslook!

Dior / Givenchy
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Eines der Highlights gab es gleich zu Beginn der Modewoche. Am Abend des ersten Schauentags präsentierte die Givenchy-Designerin Claire Waight Keller, die das Brautkleid für Meghan Markle entworfen hat. Für ihre Herbstkollektion suchte die 47-jährige Britin die Vollendung der Form. Kein Makel ist an ihren architektonisch anmutenden Entwürfen. Die Plissees ihrer langen Röcke fließen tadellos, die Nähte der schwarzen Cape-Mäntel und Kapuzenumhänge sitzen millimetergenau. Die Designerin ehrte mit ihren Entwürfen Hubert de Givenchy, der im März mit 91 Jahren gestorben ist. Givenchy war berühmt für seine Schnitt- und Drapierkunst. Die stilvolle Garderobe, die er für die Schauspielerin Audrey Hepburn entwarf, schien durch die Kollektion zu geistern.

Für Filmdiven geeignete Kleider aus Seide in matten Pastelltönen rauschten genauso über den Laufsteg wie kunstvolle Feder-Roben in Scharlachrot, Lila und Violett. Die betonten, geraden Schultern, die akkuraten Kurzhaarschnitte der Models sowie die schwarzen und silberfarbenen flachen Schuhe ließen alles sehr modern und zeitgemäß wirken. Tadellose Mantel-Hose-Kombinationen rundeten das Angebot ab. Ein Punktsieg der Eleganz.

Givenchy
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War das der Durchbruch oder ein Comeback? Schließlich sieht sich die Haute Couture - die hohe Schneiderkunst - als Paradedisziplin der Mode schon seit einigen Saisons mit dem Trend zur Sportswear konfrontiert. Die vor der Couture in Paris zu Ende gegangenen Herrenmodenschauen zeigten erneut, wie stark inzwischen Sportswear auch die Laufstege erobert hat. Ob bei Dior oder bei Louis Vuitton: Die Mode huldigt einem lockeren Freizeitlook. Luxus-Sneaker sind die neuen Distinktionsmerkmale. Handtasche und Maßkleidung haben für viele Millennials als Statussymbol ausgedient. Das könnte aber auch bedeuten, dass die Designermode sich gerade selbst abschafft. Sportmarken können letztlich Turnschuhe und Freizeitkleidung besser.

Kilometerweise Chiffon, Tüll und Seide

Gegen diesen Trend trat nicht nur Givenchy an. Auch andere Häuser besinnen sich bei diesen Schauen für den kommenden Herbst demonstrativ auf traditionelle Schneiderkunst.

Das Haus Dior feierte mit seiner Modenschau die handwerklichen Fertigkeiten seines Ateliers. Durch einen mit weißem Stoff ausgelegten Raum schwebten Models in blassen, minimalistischen Roben. Pudrige Farbtöne dominieren die neueste Kollektion von Maria Grazia Chiuri. Die Italienerin ließ für den kommenden Herbst kilometerweise Chiffon, Tüll- und Plisseeseide verarbeiten. Die Details sind geknüpft und mit Perlen oder Schleifen bestickt. Auf den Köpfen trugen einige der Dior-Frauen Baskenmützen mit Gesichtsschleiern.

Christian Dior
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Christian Dior

Bei Chanel wissen sie natürlich ebenfalls um den kulturellen Stellenwert von Mode. Wie um diesen zu unterstreichen, ließ Karl Lagerfeld diesmal im Grand Palais das Seineufer mit antiquarischen Bücherständen nachbauen. Botschaft: Mode ist Paris, und Mode ist Kultur. Lagerfelds Haute Couture für den Herbst 2018/19 besteht aus Kostümen mit wadenlangen, geschlitzten Röcken und sich öffnenden Manschetten - in grauem Tweed, in Sandsteintönen oder leicht schimmerndem dunklen Rosé. Bei den Abendkleidern zeigte Lagerfeld die ganze Handwerkskunst der Haute Couture. Pailletten formen sich auf einem taubenblauen Seidenkleid zu Federn. Silberfäden fügen sich zu einem Flechtwerk, das einen Rock überzieht.

Chanel
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Chanel

Bei Schiaparelli zündete Designer Bertrand Guyon ein Feuerwerk an Ideen. Flora und Fauna - Pflanzen, Tiere und Mineralien - dienten als Inspiration. Fellmäntel schillerten silbrig-bunt, Stoffstücke bildeten Tigermuster, und die Cut-Outs eines schwarzen Samtkleids zeichneten Blattranken nach. Ein Spitzenkleid war von oben bis unten mit dreidimensionalen Blüten bestickt. Die Kollektion mit ihren Tiermasken hatte etwas Märchenhaftes.

Schiaparelli
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Schiaparelli

Auch die Niederländerin Iris van Herpen zog es nach draußen. Sie arbeitet experimentell und untersuchte diesmal die Beziehung organischer und anorganischer Formen beim Thema Fliegen. Das klingt verkopfter, als es auf dem Laufsteg wirkte. Zarte, gerundete Umhänge umschwebten die Models wie flirrende Insektenflügel. Skulpturale Corsagenkleider setzten sich dank in Wellen geschnittener Stoffbahnen in Bewegung. Dabei erschien alles recht tragbar - insbesondere die klassischen Wollmäntel mit geflochtenen Einsätzen.

Iris Van Herpen
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Iris Van Herpen

Der Franzose Christophe Josse ist ebenfalls auf dem Naturtrip. Seine Kleider, Blusen und Röcke aus glänzenden Leinenstoffen oder kunstvoll gewalkter Wolle mischten Bäuerliches und hohe Schneiderkunst. Die Schnitte wirkten mädchenhaft, die Verarbeitung tadellos. Flache Schuhe machten diesen feinen Look alltagstauglich. Braucht da jemand überhaupt Luxus-Sneaker?

löw/ dpa / AP



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