GQ Awards in Berlin Frauen sind auch tolle Hengste

Smoking-Alarm in der Hauptstadt: Zum 20. Mal hat die Stilzeitschrift "GQ" die "Männer des Jahres" geehrt. Neben Hollywoodstars und Herbert Grönemeyer wurden in diesem Jahr auch zwei Frauen ausgezeichnet.

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So viele Smokings und Abendkleider hat die Komische Oper vermutlich schon lange nicht mehr gesehen. Die "GQ" hat nach Berlin geladen zur Auszeichnung der "Men of the Year". Bereits zum 20. Mal kürt das Gentleman-Fachblatt die Männer des Jahres. Dementsprechend ins Zeug gelegt haben sich die Veranstalter um Condé Nast Deutschland-Chef Moritz von Laffert, der an diesem Abend zum letzten Mal Gastgeber ist. Für ihn ist die Veranstaltung auch ein Abschied, er wird den Verlag im kommenden Jahr verlassen.

Nach Lafferts Eröffnungsrede geht es auch gleich gut los. Auf der Bühne steht Severija Januauskait. Die litauische Schauspielerin singt ihren aus der Krimiserie "Babylon Berlin" bekannten Hit "Zu Asche, zu Staub". Ein gelungener Auftakt, der Saal johlt. Herbert Grönemeyer wird es später beim Publikum mit seinem neuen Song "Bist Du Da" nicht so einfach haben. So wild wie im Berlin der Zwanzigerjahre wird es im Verlauf des Abends leider nicht ganz, zumindest beim offiziellen Teil. Dafür gebe es heute einfach zu wenig Sex, Drogen und Korruption in der Hauptstadt, scherzt Moderationsallzweckwaffe Barbara Schöneberger. Das vielleicht nicht, aber es ist Donnerstag und statt des Zweiten Weltkriegs steht am Freitag ein Arbeitstag bevor.

Janušauskait wird dann auch gleich für den "Song of the Year" ausgezeichnet. Neben dem Chanson qualifiziert sie ihr aufgemalter Schnurbart für einen der "Männer"-Preise. Außerdem steht sie ja eh schon auf der Bühne. "Kurze Haare und Schnurrbart und so erfolgreich - das schafft sonst nur Annegret Kramp-Karrenbauer", witzelt Schöneberger.

Als nächster ist dann aber wirklich ein Mann an der Reihe. Modedesigner Dries van Noten ist der "Designer of the Year". Es wird zwar nicht ganz klar, warum ausgerechnet in diesem Jahr, aber der Preis geht in Ordnung. Als einer der Antwerp Six - jener legendären Abschlussklasse 1986 der Modeakademie von Antwerpen - hat der Mann Modegeschichte geschrieben. Außerdem verpasste er Orlando Bloom, auf den der Preis als "Style"-Ikone wartet, für den Abend einen phänomenalen Samtsmoking. Der sieht so ungemein sexy an dem "Fluch der Karibik"-Star aus, dass allein das für einen Preis gereicht hätte.

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Fotostrecke: Das sind die Männer (und Frauen) des Jahres

Bastian Schweinsteigers Verdienst ist es, ungemein gut Fußball zu spielen und auch nach quälenden Niederlagen wie dem verschossenen Elfmeter im Champions-League-Finale 2012 wieder aufzustehen, findet "Sports Icon"-Laudator Marcel Reif. Dass der Fußballer damals nach der Partie dem Bundespräsidenten den Handschlag verweigerte, war allerdings nicht besonders gentleman-like und bleibt deshalb besser unerwähnt. Das "Idol einer Generation", wie es in dem kurzen Videoeinspieler über den Fußballer heißt, ist vielleicht etwas hochgegriffen, doch der der Saal ist stolz auf Schweini. Es gibt Standing Ovations.

Superman, der Prototyp eines modernen Mannes

Charmant gerät der Auftritt von Henry Cavill ("Movie International"). Das 35-jährige Muskelpaket war zwei Mal "Superman", und ist damit quasi der Prototyp eines modernen Mannes: stark, bescheiden und nicht zu macho für enge Leggins. Die Dankesrede ist britisches Understatement pur. Nur die Sponsoren-Litanei am Ende seines Textes hätte der Supermann sich sparen können.

Die Rede für das Team des Serienremakes von "Das Boot" (TV National) übernimmt GQ-Herausgeber André Pollmann. Es habe sich schlicht niemand für den Part gefunden, gibt er offen zu. Ein Problem, das die Veranstalter nicht nur bei dieser Kategorie hatten, heißt es. Anders als bei den Schwester-Titeln in den USA und Großbritannien bekommen die Lobredner hier keine Gage. Insofern ist es verzeihlich, dass Produzent Mousse T bei der Preisverleihung an Jason Derulo dessen Modelabel beim falschen Namen nennt. Aber der Mann wird ja auch für seine Musik geehrt und nicht für seine hochpreisige Streetwear.

Übertroffen wird dieser Patzer nur noch von Stargast Donatella Versace, die Barbara Schöneberger beim (Eigen-)Lob für deren knallgrünes Versace-Kleid "Jennifer" nennt. Den Preis als "Fashion Icon" bekommt sie natürlich trotzdem. Auch er ist eine Versace-Kreation. Anlässlich des 20. Jubiläums wird die Trophäe mit den GQ-Buchstaben dieses Jahr in einem speziellen Design verliehen, das vom Kreativ-Team des Modelabels stammt.

Bevor es wieder zurück zu Schampus und Sushi geht, wird zum Schluss noch Herbert Grönemeyer der Status einer "Legend" verliehen. "Wann ist ein Mann ein Mann?" Die berühmte Frage aus Grönemeyers Hit "Männer" von 1984 stellt sich natürlich an so einem Abend. "So lang wir uns nicht allzu ernst nehmen, sind wir relativ männlich", so Grönemeyers Fazit.



insgesamt 2 Beiträge
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norbert_salsicha 09.11.2018
1. Die italienische Schauspielerin
Frau Severija Janušauskait ist eine litauische Schauspielerin, keine italienische.
katwill 10.11.2018
2. Versace machte keinen Fehler, sondern eine Anspielung, Herr Salonlöw
Hätten Sie nur einmal gegoogelt nach Jennifer, grünem Kleid und Versace hätten auch Sie von dem ikonischen Kleid erfahren, das Jennifer Lopez Karriere damals einen ordentlichen Schub gab. Bis dahin sollten Sie eine erfolgreiche Unternehmen nicht so schnell unterschätzen, auch wenn sie nur eine Frau ist... oh man.
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