11:13 im 5. Satz Marathon-Match in Wimbledon - Federer scheitert im Viertelfinale

Sensation in London: Im dritten Satz hatte Roger Federer gegen Kevin Anderson bereits einen Matchball. Aber er verspielte die Zwei-Satz-Führung und steht erstmals seit 2013 nicht im Halbfinale von Wimbledon.

Roger Federer
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Roger Federer hat sensationell im Viertelfinale von Wimbledon verloren. Der Titelverteidiger lag bereits mit zwei Sätzen vorn und hatte im dritten Satz nach 1:55 Stunden einen Matchball.

Mehr als zwei Stunden später war er gegen den Südafrikaner Kevin Anderson dennoch geschlagen: Er verlor 6:2, 7:6, 5:7, 4:6, 11:13. Damit verpasst Federer erstmals seit 2013 das Halbfinale bei dem Grand-Slam-Turnier in London. Vor dem Viertelfinale hatte Federer im laufenden Turnier weder ein Aufschlagspiel noch einen Satz abgegeben.

Im dritten Satz sicherte sich Federer beim Stand von 5:4 beim Aufschlag des Gegners einen Matchball. Trotzdem verlor er den Durchgang noch - erstmals nach zuvor saisonübergreifend 34 gewonnen Wimbledon-Sätzen in Folge. Federer verpasste es damit, seine eigene Bestmarke aus den Jahren 2005 und 2006 zu überbieten und stellte den Rekord nur ein.

Roger Federer
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Roger Federer

Schon im zweiten Satz hatte Federer erstmals in diesem Turnier und erstmals nach 85 gewonnen Aufschlagspielen in Wimbledon hintereinander ein Break kassiert. Anderson führte damit schnell 3:0. Aber Federer verhinderte ein zweites Break knapp, glich zum 3:3 aus und gewann den zweiten Durchgang im Tiebreak (7:5).

Ein Ende beider Serien war noch im ersten Satz nicht abzusehen gewesen, hier hatte Anderson keine Chance gehabt. Der Service, normalerweise die große Stärke des Südafrikaners, blieb zunächst wirkungslos. Federer nahm Anderson direkt dessen erstes Aufschlagspiel ab, holte insgesamt die ersten acht von neun Punkten. Ein zweites Break folgte zum 5:2. Nach 26 Minuten war der erste Satz beendet.

Nach seinem ersten Satzgewinn zum 1:2 spielte Anderson dann aber weiter stark. Gerade mit seinem Aufschlag dominierte er nun im vierten Durchgang. Anderson holte ein Break zum 4:3, gab die Führung anschließend nicht mehr her und sicherte sich damit den Satzausgleich. Der fünfte Satz verlief sehr ausgeglichen - und schließlich spektakulär. Beide Spieler ließen sich ihr Aufschlagspiel zunächst nicht nehmen. Beim Stand von 4:4 vergab Federer die erste Chance zum Break. Anderson hingegen nutzte seine erste Gelegenheit zum 12:11 und machte anschließend den Sieg perfekt. Im Halbfinale trifft er auf den Sieger aus der Partie zwischen Milos Raonic und John Isner.

Djokovic schlägt Nishikori

Zuvor hatte bereits Novak Djokovic sein Viertelfinale gewonnen. Der Serbe, derzeit die Nummer 21 der Weltrangliste, gewann gegen den Japaner Kei Nishikori 6:3, 3:6, 6:2, 6:2 und erreichte erstmals seit drei Jahren das Halbfinale beim Grand-Slam-Turnier in London. Damals hatte er seinen dritten Sieg bei dem traditionsreichen Turnier gefeiert.

"Es ist großartig, wieder unter den letzten Vier zu sein. Mein Level war in den letzten Monaten wieder besser, ich bin zum richtigen Moment wieder gut drauf. Dafür habe ich hart gearbeitet", sagte Djokovic.

Der 31-Jährige, nach anhaltender Formkrise derzeit auf dem Weg zurück zu alter Stärke, war zuletzt bei den US Open 2016 ins Halbfinale eines Major-Turniers eingezogen. Djokovics nächsten Gegner ermitteln am Abend der spanische Weltranglistenerste Rafael Nadal (Nummer zwei der Setzliste) und Juan Martín del Potro (Argentinien/Nummer fünf).

aev



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jesse01 11.07.2018
1. wahnsinn und respekt, respekt an andersen, unglaubliches comeback !
wahnsinn kann man da nur sagen ! haette niemand gedacht, dass andersen wirklich nach 0:2 rückstand in 5 gewinnt und federer in wimbledon nach so einer führung verliert, absolut irre. andersen scheint so etwas wie der angstgegner von fed zu sein. leider hat man am schluss wieder einmal latent die unsportlichkeit von federer sehen können. nach einer 4-stunden-schlacht umarmt man sich unter tennisspielern eigentlich am netz. andersen wollte das machen, aber federer hat das abgeblockt und das ist halt sehr traurig von federer. ich habe diese latente arroganz von federer oft in dessen karriere erlebt. er kann bei niederlagen dem gegner nicht richtig und fair respekt zollen. nach dem aus von federer wirds jetzt wohl der djoker machen. nadal wird ihn nicht schlagen können in einem vermutlichen hf.
Beu65 11.07.2018
2. grandios
Über 4 Stunden Dramatik pur, ein irres Match.Respekt vor Anderson die Nerven zu haben um im 5 Satz immer nachzuziehen war unglaublich. Wünsche Ihm den Wimbledon Sieg.
mbak19 11.07.2018
3.
Was für ein Match. Federer war eigentlich besser, hat den Sack aber nie zu gemacht. Glückwunsch an Anderson, der Mann hat ein wahnsinniges Aufschlagspiel. Großer Sport von beiden!
Paspill 11.07.2018
4. Ganz großes...
... Tennis!
jean-baptiste-perrier 11.07.2018
5. Das große Zittern!
Ganz ehrlich, das habe ich vor dem Spiel nicht für möglich gehalten. Erst recht nicht nach Federers 2:0 Satz Führung. Hut ab für Kevin Anderson. Strategisch ist das natürlich für Federer ein GAU. Nadal hat gerade Del Potro in 5 Sätzen niedergerungen. Das heißt Nadal kann bei Gewinn des Endspiels auf 18 zu 20 beim Grand Slam Sammeln stellen. Statt 21 zu 17, kann Nadal mit 18 zu 20 Federer nun auf die Pelle rücken. Dazu ist Nadal fast 5 Jahre jünger als Federer! Also Federer (unabhängig ob Nadal seinen dritten Wimbledon Titel holt) muss bei den US Open unbeding in guter Form auf der Matte stehen, um den Schaden zu begrenzen. Also nicht so wie letztes Jahr als er sein Match gegen Del Potro quasi abschenkte, weil er sich nicht fit genug für Nadal im Halbfinale der US Open fühlte. Federer muss wohl bis knapp 40 durchhalten und weiterspielen, ansonsten besteht die Gefahr das Nadal ihn einholt bei der Gesamtzahl an gewonnen Grand Slam Endspielen. Das ist der Kuchen um den es wirklich geht. Das sieht man auch bei Serena Williams (23 GS Titel), die krampfhaft noch zwei Majors gewinnen will, um Margret Court (24 GS Titel) zu überflügen.
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