Trainerranking der Premier League Was Klopp zum Meistercoach fehlt

Am Freitag beginnt die neue Premier-League-Saison. Niemand hat bislang mehr Geld ausgegeben als der FC Liverpool. Zum Titel reicht es wohl trotzdem nicht. Das liegt auch am Trainer.

Jürgen Klopp
Getty Images

Jürgen Klopp

Von


Wer braucht schon die Bundesliga, wenn er Premier League haben kann? Am Freitag eröffnet Manchester United die neue Saison gegen Leicester City. Sechs Mannschaften sind dem Rest der Liga finanziell weit voraus, sie dürften den Titel unter sich ausmachen. Wer Meister wird und wer die Champions League verpasst entscheidet sich auf dem Platz - und auf der Trainerbank.

Der SPIEGEL hat ein Ranking der Toptrainer erstellt. Tägliche Trainingsarbeit und Kabinenansprachen konnten dabei zwar nicht bewertet werden, hier fehlen die Einblicke. Was aber einfließt, sind das Entdecken und Weiterentwickeln von Spielern, die Spielidee einer Mannschaft. Und Resultate. Hier ist das Ergebnis:

Platz sechs: Unai Emery, FC Arsenal

Emery
REUTERS

Emery

Es gibt leichtere Aufgaben im Weltfußball, als das Erbe von Arsène Wenger anzutreten. Wengers Nachfolger Emery, 46, gilt als detailversessen; ehemalige Spieler berichten von seinen exzessiven Videoanalysen.

Dreimal in Folge gewann der Spanier mit Sevilla die Europa League. Das klingt zwar beeindruckend, allerdings verpasste Emery während dieser Zeit auch stets die Champions-League-Qualifikation. In Paris hat er zuletzt Erfahrung mit Superstars gesammelt, er ließ extrem dominanten Fußball spielen, genau das also, wonach sich viele Arsenal-Fans sehnen. Allerdings gewann er in zwei Jahren auch nur eine Meisterschaft.

Emery ist zwar ein sehr guter, aber kein Weltklasse-Trainer. Damit geht Arsenal einmal mehr in eine Saison, ohne auf der Trainerposition so gut besetzt zu sein wie die Konkurrenz.

Platz fünf: Maurizio Sarri, FC Chelsea

Sarri
REUTERS

Sarri

Maurizio wer? Sarri, 59, ist bei Chelsea Nachfolger seines italienischen Landsmanns Antonio Conte, was dessen Spielidee betrifft, tickt er aber völlig anders. Statt auf Defensive und Konter setzt Sarri auf frühes Pressing und viel Ballbesitz.

Mit Neapel machte er die vergangene Serie-A-Saison so spannend wie lange nicht, wurde schließlich Vizemeister hinter Juventus. Chelsea ist Sarris erste Station im Ausland, so wie Napoli zuvor sein erster Topklub gewesen war. Als Spieler schaffte er es nicht zum Profi, als Trainer arbeitete er sich aus den Niederungen des italienischen Amateurfußballs bis in die Champions League.

Der Stil, den Napoli unter ihm spielte, war so speziell und so komplex, dass man kaum bezweifeln mag, dass Sarri ein exzellenter Fußballlehrer ist. Und Chelseas Spieler scheinen seine Ideen anzunehmen, das haben die ersten Auftritte während der Saisonvorbereitung gezeigt.

Platz vier: Jürgen Klopp, FC Liverpool

Klopp
AFP

Klopp

Wenn die kolportierten Zahlen stimmen, haben die Reds rund 180 Millionen Euro in ihren Kader investiert, bis zum Abend könnte die Summer noch größer werden. Wird Liverpool also Meister? Unwahrscheinlich, und das liegt auch ein bisschen an Jürgen Klopp.

Klopp ist einer der weltbesten Trainer, wenn es ums Ballerobern und Kontern geht, das hat er in Dortmund und auch mit Liverpool in der vergangenen Saison gegen Manchester City gezeigt. Da nämlich gelang es Klopp und seinem Team, Englands Übermannschaft in Liga und Champions League dreimal zu schlagen. Klopp forciert die Außenseiterrolle, in ihr treibt er seine Elf zu Höchstleistungen - und im vergangenen Mai ins Champions-League-Finale.

Dort war Real Madrid aber zu stark, ebenso wie 2013 der FC Bayern gegen Klopps BVB. Zuletzt konnten die Reds auch gegen Favoriten nicht mehr zuverlässig punkten, aus den zehn Spielen gegen die Topteams der Premier League holten sie nur zwei Siege (vier Niederlagen).

Und dann ist da noch das Ballbesitzspiel. Dieses war bei Klopp stets etwas improvisierter als Konterangriffe, bei denen Timing und Laufwege vorgegeben werden. Andere Trainer haben ihm hier viel voraus. Sollte sich Klopp in diesem Bereich weiterentwickeln, könnte es zwar zum Meistertitel reichen. Aber ob ihm das gelingt? In der vergangenen Saison erreichte er nahezu denselben Punkteschnitt wie im Vorjahr (1,96:1,95 in allen Wettbewerben; 1,97:2,00 in der Liga). Gut, aber nicht genug für Platz eins.

Platz drei: José Mourinho, Manchester United

Mourinho
REUTERS

Mourinho

Er habe abgebaut, hieß es zuletzt häufiger über Mourinho. Ihm fehle des Feuer vergangener Tage. Wirklich belegen lässt sich das nicht.

In der vergangenen Saison lag Mourinhos Punkteschnitt (2,11 Punkte pro Pflichtspiel) nur minimal unter seinem Karriere-Durchschnitt, und das in einer Liga, in der die Konkurrenz so groß ist wie nirgends sonst.

Auch wenn seine Spielidee pragmatisch, sein Defensivansatz nicht schön anzuschauen ist: Mourinhos Mittel wirken noch immer. Seine Mannschaften sind bestens organisiert, 28 Gegentore kassierte United in der vergangenen Saison, nur Meister City (27) verteidigte besser.

Dass United trotz des hervorragenden Kaders am Saisonende 19 Punkte hinter dem Stadtrivalen landete, zeigt aber auch: Mourinho liefert aktuell ziemlich genau, was man von ihm erwarten darf. Aber eben auch nicht mehr. Das schaffen derzeit andere.

Platz zwei: Mauricio Pochettino, Tottenham Hotspur

Pochettino
AFP

Pochettino

Pochettino ist der Meister des Überperformens. Von den sechs Topteams der Liga hat Tottenham das niedrigste Budget, mit Abstand. Trotzdem wurde die Mannschaft unter dem Argentinier: Fünfter, Dritter, Zweiter und nun wieder Dritter. Er müsse endlich Titel gewinnen, halten ihm manche vor. Dabei sind seine Resultate mit den Spurs kaum weniger wert als etwa ein Pokalerfolg, im Gegenteil.

Pochettinos Fußball ist einer der komplettesten in der Premier League. Er funktioniert mit und ohne Ball, in Momenten des Ballgewinns wie in denen des Ballverlusts. Fast noch größer aber ist Pochettino darin, Spieler weiterzuentwickeln. Im WM-Halbfinale standen in den Startformationen von drei der vier Mannschaften insgesamt sieben Profis seines Spurs-Teams. Allein in der englischen Nationalmannschaft debütierten in den vergangenen Jahren zwölf Spieler, die zum Zeitpunkt ihrer Premiere von Pochettino trainiert wurden.

Platz eins: Pep Guardiola, Manchester City

Guardiola (l.) mit Kevin De Bruyne
REUTERS

Guardiola (l.) mit Kevin De Bruyne

Achtelfinal-Aus in der Champions League, gescheitert in FA Cup und Ligapokal, Platz drei in der Liga, 15 Punkte hinter dem Meister: Guardiolas erste Saison in England misslang gründlich, es war die erste titellose Spielzeit überhaupt für den Trainer. Ein Jahr später wurden Guardiola und City mit 100 Punkten Meister, das war noch keinem englischen Erstligisten jemals gelungen.

Das Bemerkenswerte daran war, dass Citys Stammelf diesen Leistungssprung praktisch unverändert gemeistert hatte. Allein im Tor und auf der Position des Rechtsverteidigers sah Citys Startelf meist anders aus als im Vorjahr. (Im Winter kam noch ein Verteidiger hinzu, da war die Meisterschaft aber schon fast entschieden.)

Wesentlich war, dass das Team den Trainer verstand und der Trainer die Premier League. Meisterschaft und der ebenfalls gewonnene Ligapokal waren Guardiolas Titel Nummer 22 und 23 in den zehn Jahren seit seinem Debüt mit Barcelonas Profiteam. Kürzlich kam der 24. hinzu, der Community Shield. Das dürfte in dieser Saison nur der Anfang gewesen sein.

insgesamt 91 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Schandmaul 09.08.2018
1. Real war schwach
"Klopp forciert die Außenseiterrolle, in ihr treibt er seine Elf zu Höchstleistungen - und im vergangenen Mai ins Champions-League-Finale. Dort war Real Madrid aber zu stark, ebenso wie 2013 der FC Bayern gegen Klopps BVB." Das kann in Bezug auf Real Madrid so auf keinen Fall stehen lassen. Liverpool spielte mindestens auf Augenhöhe mit Madrid, bis zwei grobe Fouls von Sergio Ramos die Reds komplett ausgeknockt haben. Dass der Mann hinterher von den Verantwortlichen für seine groben Unsportlichkeiten nicht mit empfindlichen Strafen belegt wurde, ist ein Skandal. Hier hätte man ein Exempel statuieren müssen.
zauberer2112 09.08.2018
2. Teils teils
Manches stimmt, manches nicht. Aber eins steht fest: Das CL-Finale hat nicht Klopp verloren, sondern Rambo-Ramos gewonnen.
zeisig 09.08.2018
3. Aus der Luft gegriffen.
Wie kann man nur solche waghalsigen Behauptungen aufstellen. Natürlich kann Klopp Meister werden, das gilt für ihn so gut wie für jeden dieser Spitzentrainer. Ich verstehe nicht, warum man als einfacher Sportjournalist immer so polarisieren, so überspitzen muß. Eine Nummer kleiner tut es auch.
briancornway 09.08.2018
4. Underwhelming logic
Klopp kann mit einem englischen Verein keinen Titel holen, weil er nicht in der Lage ist, der Mannschaft Ballbesitzspiel beizubringen ? This sounds pretty much pulled here by the hair, I think. Hätte es stattdessen nicht auch ein Artikel getan mit der Überschrift: "Die Trainer der wichtigsten PL-Vereine - was sind ihre Besonderheiten und Unterschiede ?" ?
AlexanderKohler 09.08.2018
5.
Zitat von briancornwayKlopp kann mit einem englischen Verein keinen Titel holen, weil er nicht in der Lage ist, der Mannschaft Ballbesitzspiel beizubringen ? This sounds pretty much pulled here by the hair, I think. Hätte es stattdessen nicht auch ein Artikel getan mit der Überschrift: "Die Trainer der wichtigsten PL-Vereine - was sind ihre Besonderheiten und Unterschiede ?" ?
Das wäre mir auch lieber gewesen - und informativer dazu. Jetzt weiss ich nur das Liverpool wohl eine realistische Chance auf den Titel hat. Ballbesitz ist so 2017..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.