Borussia Dortmund nach dem Pokal-Aus Stögers Suche nach sich selbst

Nach dem Pokal-Aus in München wird deutlich: Der neue BVB-Trainer ist in Dortmund noch nicht ganz angekommen. Für die Rückrunde kündigt er eine Kurskorrektur an.

Peter Stöger
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Peter Stöger

Aus München berichtet Florian Kinast


Zum Schluss machte es Peter Stöger ganz kurz. "Schöne Feiertage" wünschte er den Reportern am Ende der Pressekonferenz, dann war er entschwunden. Einige Kilometer weiter nordöstlich wartete am Münchner Flughafen bereits die Maschine für den Heimflug. Stöger wirkte erleichtert, weil er das Spiel beim FC Bayern mit einer noch halbwegs moderaten Niederlage hinter sich gebracht hatte.

Vor allem aber, weil er jetzt Ruhe hat und in den nächsten Tagen endlich all das verarbeiten kann, was in den vergangenen Wochen mit ihm geschehen ist. Denn auch nach seinem dritten Spiel als BVB-Trainer am Mittwoch wurde deutlich: Angekommen ist Stöger in Dortmund noch nicht. Er ist mittendrin in der Findungsphase.

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Hatten die zwei Siege in Stögers ersten beiden Spielen in Mainz und gegen Hoffenheim für einen vorsichtigen Anflug von Euphorie gesorgt, so war es beim Spiel in München mit dem Enthusiasmus schnell wieder vorbei - in einer entsetzlich schwachen ersten Halbzeit, in der das Beste aus Dortmunder Sicht der Pausenstand war. Das 0:2, ein schmeichelhaftes Ergebnis, das Zwischenresultat hätte weitaus deutlicher sein können.

"Wenig Mut und Leidenschaft"

"Ich habe mich über unser Auftreten sehr geärgert", raunte Stöger später, "da war wenig Mut und wenig Leidenschaft. Wir haben nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten." Umso mehr freute er sich über den Auftritt in der zweiten Hälfte, in der Dortmund drängte und nach dem Anschluss von Andrij Jarmolenko durch Alexander Isak in der Nachspielzeit knapp den Ausgleich zum 2:2 verpasste.

"In einer Verlängerung wäre es noch spannend geworden", sagte Stöger. Spannend wurde es dann aber tatsächlich noch - als Stöger über seine Pläne mit der Mannschaft für die Rückrunde sprach. Und vor allem zu seiner eigenen Gemütslage.

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"Außergewöhnliche Fußballspieler" habe er, sagte Stöger, "Jungs in unseren Reihen, die gut kicken können." Weshalb er sich nun einiges vorgenommen hat für die Rückrunde. "Die Aufgabe wird sein, einen Spielrhythmus reinzubringen", sagte er und kündigte an: "Man kann davon ausgehen, dass wir in der Rückrunde eine Mannschaft sehen, die den Dortmund-Fans richtig viel Spaß bereiten wird. Offensiv sollte es sein, mit einer gewissen Restabsicherung."

Das hörte sich zumindest interessant an. Was das genau bedeuten soll, und wie er das umsetzen will, ließ er offen.

Sehnsucht nach der alten Rivalität

Natürlich brachte gerade die zweite Halbzeit dem mitgereisten schwarz-gelben Anhang wieder Zuversicht. Wenigstens mal eine halbe Stunde die Bayern ein bisschen in Verlegenheit bringen, das sorgte schon für Glücksgefühle in der Gästekurve. Nach so vielen Rückschlägen in der Vergangenheit ist man in Dortmund schon um jede positive Kleinigkeit froh, die Ansprüche sind deutlich gesunken.

Die Sehnsucht war spürbar, nach der alten Dauer-Rivalität, danach, endlich mal wieder ein ernsthafter Konkurrent des FC Bayern zu werden. Doch gelingt das wirklich mit Peter Stöger? Optimistischen Zuspruch gab es Mittwochabend zumindest vom Münchner Kollegen. "Ich bin sicher, dass Dortmund am Ende der Saison einen Champions-League-Platz erreichen wird, dafür haben sie einfach zu gute Spieler", sagt Jupp Heynckes. "Außerdem hat Peter Stöger schon beim 1. FC Köln großartige Arbeit geleistet."

Noch nicht angekommen

Und genau um Köln ging es dann eben, als Stöger gegen Ende noch sehr emotional wurde. Wie er sein persönliches Jahr bilanzieren würde, wurde er gefragt. "Ziemlich schwer zu sagen", sagte Stöger und rang sichtlich bemüht um Worte.

"Nach 25 Jahren mit dem FC wieder international spielen, dann ewig lang kein Sieg in der Meisterschaft, dafür gegen Arsenal im Europapokal gewinnen, dann entlassen in Köln und paar Tage später hier in Dortmund Trainer. Wenn es diese Geschichte nicht geben würde, dann würde es dir sowieso keiner glauben."

Stöger wirkte berührt, es war dieser Moment, in dem deutlich wurde, dass er sich in seiner Rolle in Dortmund noch nicht gefunden hat, auch wenn er seit zehn Tagen eine Mütze und eine Jacke mit BVB-Logo trägt.

Diese Reaktion am Mittwochabend war menschlich und verständlich. Ein anderer Trainer hätte vielleicht mit aalglatten Floskeln aufgewartet, Stöger bemühte sich um eine offene und ehrliche Antwort, die aber auch zeigte: Er muss sich selbst noch finden in seiner neuen Rolle. Um in Dortmund anzukommen. Das ist Grundvoraussetzung, damit er überhaupt eine Chance hat, seine Ideen und Pläne mit der Mannschaft umzusetzen.



insgesamt 18 Beiträge
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marjebrun 21.12.2017
1. Was erwarten die Medien denn?
Das ein Neu Angestellter, auch wenn er (Zitat)"..seit zehn Tagen eine Mütze und eine Jacke mit BVB-Logo trägt." In dieser Zeit dürfte es bis auf die Ausnahme Herr Heynckes kaum einen Arbeitnehmer gelingen, sich in an seinem neuen Arbeitsplatz wirklich zurecht zu finden, bzw. im Endergebnis und zum Wohl des Unternehmens bessere Ergebnisse zu erzielen.
sibbi78 21.12.2017
2. Die Jahre in Köln
haben Peter Stöger sichtlich reifen lassen. Aufgrund der enormen Verletzenmisere und mangelnder Einkaufspolitik sowie deutlich ersichtbaren Benachteiligungen durch die Schiedsrichter bei den Spielen des 1.FC Köln, war die Niederlagenserie wohl nicht zu vermeiden. Der Verkauf von Anthony Modeste lag nicht in der Entscheidung des Trainers, genau so wenig wie die Neuverpflichtungen. Ich denke, in Dortmund wird dies etwas anders gehandhabt und Stöger wird - nach der Eingewöhnungsphase - einiges zum Positiven bewegen können.
till.mervin 21.12.2017
3. Was bitte?
Mit Bosz verlor man gegen Keller der Bundesliga und es hieß ist OK, was wollt Ihr jetzt? Der neue Trainer ist ja kein Zauberer, braucht schon ein Paar Spiele zum justieren... Was sagt den der Watzke dazu? Wer ist jetzt Schuld? Bestimmt Tuchel.
cmann 21.12.2017
4. Stöger macht einen guten Job!
Die beiden ersten Erfolge in Mainz und gegen Hoffenheim dürfen nicht darüber hinweg täuschen das da auch ein Quantum Glück eine Rolle gespielt hat. Stöger konnte da doch garnicht so viel ändern. Gegen Bayern ging die erste Halbzeit (nach altem Kölner Rezept) ziemlich schief. Stöger hat aber richtig reagiert und das lässt für die Zukunft hoffen. Allerdings sollte man sich beim BvB von dem Gedankenverabschieden in dieser Saison die Bayern noch ernsthaft gefärden zu können. Dafür reicht es bei dieser Zusammenstellung der Mannschaft zur Zeit nicht.
muellerthomas 21.12.2017
5.
Zitat von cmannDie beiden ersten Erfolge in Mainz und gegen Hoffenheim dürfen nicht darüber hinweg täuschen das da auch ein Quantum Glück eine Rolle gespielt hat. Stöger konnte da doch garnicht so viel ändern. Gegen Bayern ging die erste Halbzeit (nach altem Kölner Rezept) ziemlich schief. Stöger hat aber richtig reagiert und das lässt für die Zukunft hoffen. Allerdings sollte man sich beim BvB von dem Gedankenverabschieden in dieser Saison die Bayern noch ernsthaft gefärden zu können. Dafür reicht es bei dieser Zusammenstellung der Mannschaft zur Zeit nicht.
Den Gedanken hat glaube ich niemand. Ziel dürfte eher sein, am Ende vot den Blauen zu liegen und die direkte Quali für die CL zu erreichen.
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