Kevin-Prince Boateng über Rassismus "Wie viele Leute sitzen da in der Marketingabteilung?"

Fremdenhass gegen den Sportler, Rassismusvorwürfe bei H&M: Fußballstar Kevin-Prince Boateng sagt: "Es reicht jetzt" - und fordert eine Front gegen rassistische Attacken.

Kevin Prince-Boateng
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Kevin-Prince Boateng gilt als Symbolfigur im Kampf gegen Fremdenhass. In einem Interview im November mit "jetzt", dem jungen Magazin der "Süddeutschen Zeitung", hatte der Profi von Eintracht Frankfurt Verbände und Vereine zum Handeln gegen Rassismus aufgefordert. Nach neuerlichen Vorfällen will sich der 30-Jährige nun selbst noch stärker engagieren. "Wenn das meine Berufung ist vom großen Gott, von Allah oder Buddha, dann ist es so", sagte Boateng Frankfurter Medien: "Es reicht jetzt."

Gemeinsam mit anderen Fußballprofis werde er "den Kampf aufnehmen", Stars wie Nizzas Mario Balotelli oder der ehemalige Profi Patrick Kluivert hätten sich schon bei ihm gemeldet. Auslöser waren die Anfeindungen gegen den schwarzen Profi Blaise Matuidi von Juventus Turin in der italienischen Serie A. Der Franzose war in den Ligaspielen bei Cagliari Calcio und Hellas Verona von gegnerischen Fans rassistisch beleidigt worden.

Boateng kritisiert H&M: "Solche Fehler dürfen nicht passieren"

"Wir dürfen nicht mehr die Augen zumachen. Es genügt nicht, eine Woche darüber zu reden, und dann verläuft es sich wieder. Wir müssen eine Front bilden", sagte Boateng. Dass Hellas Verona nur mit einer Geldstrafe von 20.000 Euro belegt worden war, sei "ein Witz. Da kann man sich doch totlachen".

Auch die Entschuldigung des Bekleidungskonzerns "H&M" nach einer rassistisch anmutenden Werbeaktion nahm Boateng nicht an. "Das ist eine Frechheit", sagte der frühere Nationalspieler Ghanas. In der Kampagne hatte ein schwarzer Junge einen Kapuzenpullover mit der Aufschrift "Coolster Affe im Dschungel" ("Coolest Monkey in the Jungle") getragen. H&M wurde dafür scharf kritisiert.

"Ich bin dunkelhäutig, ich bin als Affe beleidigt worden. Weil wir Schwarze sind. Wie viele Leute sitzen da in der Marketingabteilung?", sagte Boateng: "Solche Fehler dürfen nicht passieren. Eine Entschuldigung reicht nicht." Auch Ex-Tennisstar Boris Becker zeigte sich auf Twitter erbost. "Es hört nie auf... Wann fangen wir an, Hautfarben zu respektieren!!!", schrieb er und fügte seiner Botschaft eine Illustration hinzu, die dem Werbefoto nachempfunden war. Nur steht auf dem Hoodie des Jungen jetzt die englische Aufschrift: "Coolest King in the World."

Boateng ist selbst unter anderem während seiner Zeit beim AC Mailand Opfer rassistischer Anfeindungen geworden. Bei einem Freundschaftsspiel verließ er 2013 nach rassistischen Gesängen das Spielfeld. Kurze Zeit später hielt er am internationalen Tag gegen Rassismus eine Rede vor den Vereinten Nationen.

Unterstützung für Fischers AfD-Haltung

Die Aussage von Eintracht-Präsident Peter Fischer, keine AfD-Mitglieder in den Verein aufzunehmen beziehungsweise diese auszuschließen, unterstützt der Mittelfeldspieler. "Ich brauche mit ihm gar nicht darüber zu reden", sagte Boateng: "Ich stehe hinter ihm, ich stehe hinter jedem, der gegen Rassismus kämpft."

Fischer hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt: "Ich werde auf der Mitgliederversammlung (am 28. Januar - d. Red.) eine deutliche Position beziehen, dass es sich mit unserer Satzung nicht verträgt, AfD zu wählen."

Im Hessischen Rundfunk hatte Fischer betont, dass es bei der Eintracht für "die braune Brut" keinen Platz gebe. "Solange ich da bin, wird es keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben", sagte er. Der hessische AfD-Landesvorstand erstattete daraufhin Anzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung.

jan/sid



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
furzgurk 10.01.2018
1.
Auch wenn vermutlich viele anderer Meinung sind. Ich habe hinter der Werbeanzeige von H&M keinen Rassismus vermutet und habe solche auch nicht als rassistisch empfunden. Ich habe keine Hautfarbe gesehen. Was ich sah, war ein Kind mit einem Hoody. Der Text war mir egal, da ich mit "Monkeys" grundsätzlich keine Menschen assoziiere.
crazy_swayze 10.01.2018
2.
Zur Ehrenrettung der H&M-Marketingabteilung: Die haben dieses Foto wahrscheinlich vor dem Skandal noch nie gesehen. Der Lieferant des Shirts und ein Praktikant der Onlineshop-Abteilung haben es vermutlich witzig gefunden, einen schwarzen Jungen für das Foto zu verwenden. Oder eine Software hat den Aufdruck automatisch auf das Bild gepappt. Das Bild wurde runtergenommen und man hat sich entschuldigt. Alles gut.
Tapir62 10.01.2018
3. Eine Frage der Perspektive
Als Nicht-Betroffener (also Menschen mit heller Hautfarbe) ist es anmaßend, aus seiner eigenen Nicht-Betroffenheit heraus zu erwarten, dass sich Betroffene (also Menschen mit dunkler Hautfarbe) ebenfalls nicht betroffen fühlen sollten. Das nennt man übrigens auch Empathie. Wenn sich jemand betroffen fühlt, ist er betroffen. So einfach ist das.
tombadil1 10.01.2018
4.
Bei der Werbung hat sich garantiert niemand etwas Böses gedacht. Außerdem wäre wohl alles in Ordnung, wenn ein weißer Junge den Pulli getragen hätte? Das ist ein Pulli für kleine Kinder und ein kleines Kind hat ihn in der Werbung an. Für mich ist die Hautfarbe des Kindes vollkommen egal. Ich verurteile jeglichen Rassismus, aber für mich ist Rassismus etwas bei dem jemandem aufgrund seines Aussehens, seines Glaubens, seiner Herkunft o.ä. Schaden jeglicher Art zugefügt wird. Das kann ich hier nicht erkennen.
mirage122 10.01.2018
5. Kein Rassismus?
Wenn eine Marketingabteilung eines solchen Unternehmens wie H&M diese Bilder nicht gesehen haben, dann sollten sie ganz schnell ihre Sachen packen!
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