Vergewaltigungsvorwürfe So geht es im Fall Ronaldo vs. Mayorga weiter

Warum verklagt Kathryn Mayorga den Fußballer Ronaldo nicht wegen Vergewaltigung? Was bedeutet es, dass die Polizei nun ermittelt? Kann Ronaldo ins Gefängnis kommen? Die Antworten.

Cristiano Ronaldo
Juventus FC via Getty Images

Cristiano Ronaldo


Von Rafael Buschmann, Andreas Meyhoff, Nicola Naber, Gerhard Pfeil, Antje Windmann, Christoph Winterbach und Michael Wulzinger

Kathryn Mayorga hat Cristiano Ronaldo verklagt. Kommt er jetzt ins Gefängnis?

Die Klage, die Mayorga vergangene Woche bei einem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Nevada eingereicht hat, ist eine Zivilklage. Bei dieser Klage geht es nicht um Haftstrafen. Mayorgas Anwalt verlangt Schadensersatz für Traumata und psychische Schäden, die seine Mandantin erlitten habe.

Warum verklagt sie Ronaldo erst nach neun Jahren?

Mayorga sagt, dass sie sich nach dem Vorfall im Juni 2009 nicht sofort getraut habe, den Behörden den Namen von Cristiano Ronaldo zu nennen. Sie fürchtete demnach, von seinen Fans angegriffen zu werden. Einige Monate später schloss sie zusammen mit ihrer Anwältin eine außergerichtliche Einigung mit Ronaldos Vertretern, ein sogenanntes Settlement. Sie bekam 375.000 Dollar und musste sich verpflichten, nicht öffentlich über den Vorfall zu sprechen. Die Berichterstattung im SPIEGEL aus dem vorigen Jahr, die #Metoo-Bewegung und ihr neuer Anwalt haben Mayorga wohl dazu ermutigt, ihre Vorwürfe öffentlich zu machen.

Hier lesen Sie die ganze Geschichte auf SPIEGEL+.

Worum geht es in der Klage genau?

Auf 32 Seiten, die hier nachzulesen sind, argumentiert Mayorgas neuer Anwalt, dass sie 2010 die außergerichtliche Einigung mit Ronaldos Vertretern nicht hätte unterschreiben dürfen. Er sagt, diese Einigung sei ungültig und sogar illegal. Der Anwalt begründet das damit, dass Mayorga in der Zeit traumatisiert gewesen sei und unter großem emotionalen Stress gestanden habe. Darum sei sie nicht geschäftsfähig gewesen. Außerdem hält er es generell für illegal, wenn jemand einer Partei verbietet, strafrechtlich relevante Anschuldigungen zu erheben. Genau das war Teil dieses Settlements.

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Landet der Fall Ronaldo vs. Mayorga denn nun vor Gericht?

Ja, er ist sogar schon beim Gericht angekommen. Mayorgas Anwalt ist es auch wichtig, dass der Fall dort bleibt. Auf Seite 1 der Klage zeigt er an, dass die Klage nicht erneut in einer außergerichtlichen Verhandlung landen soll ("Exempt from Arbitration"). In den kommenden Wochen und womöglich Monaten wird sich das Bezirksgericht von Nevada mit der Klage beschäftigen und entscheiden, wie es weitergeht.

Im Prozess müsste Mayorga zum Beispiel die psychischen Schäden, von denen ihr Anwalt in der Klage spricht, glaubhaft nachweisen können. Ein Gutachter hat ihr bereits eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) diagnostiziert. Wenn der Richter ihre Schilderung für glaubwürdig hält, könnte er ihr Schadensersatz zusprechen.

Maria Feck / Der Spiegel

Warum klagt Mayorga Ronaldo nicht wegen Vergewaltigung an, wenn sie das doch behauptet?

Sie kann es schlicht nicht tun. Gemäß der Rechtslage liegen Kriminalermittlungen allein in der Hand der Strafverfolgungsbehörden. Die Polizei von Las Vegas hat erklärt, dass sie den Fall von 2009 wiedereröffnet habe und nun erneut ermittle.

Bestreitet Ronaldo die Vorwürfe?

Ronaldo weist die Vergewaltigungsvorwürfe entschieden zurück. In einem Tweet erklärte er, dass eine Vergewaltigung ein abscheuliches Verbrechen sei, "das gegen alles verstößt, was ich bin und an das ich glaube". Weite Teile dieses Falls sind von beiden Seiten unbestritten: Dass sich Ronaldo und Mayorga im Juni 2009 in Las Vegas kennengelernt haben zum Beispiel, dass sie Sex hatten und dass sie sich Monate später außergerichtlich geeinigt haben. Allerdings erklärt Ronaldo, der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich gewesen. Mayorga sagt, er habe sie gezwungen, obwohl sie mehrmals Nein gesagt habe.

Was sagen Ronaldos Anwälte?

Im vorigen Jahr hat Ronaldos Anwalt den Vergewaltigungsvorwurf auf SPIEGEL-Anfrage zurückgewiesen. In diesem Jahr hieß es lediglich in einem Statement, die Berichterstattung verletze Ronaldos Persönlichkeitsrechte und sei darum illegal.

Ist der Fall nicht verjährt?

Wenn sich ein mutmaßliches Opfer kurz nach einer angeblichen Vergewaltigung bei der Polizei meldet, kann der Fall in Nevada nicht verjähren. So war es in diesem Fall: Kathryn Mayorga hat wenige Stunden nach dem Vorfall in Ronaldos Hotelsuite im Juni 2009 die Polizei gerufen.

Hat Mayorga denn jetzt der Polizei alles gesagt?

In den vergangenen Wochen hat es bereits Kontakt zwischen ihr und der Polizei gegeben. Laut ihrem Anwalt erzählt sie den Beamten nun alles. Und sie legt Dokumente vor, auf die sie ihre Vorwürfe stützt. Die Polizei muss also jetzt ermitteln und die Dokumente analysieren. Wenn sie zu dem Schluss kommt, dass die Beweise ausreichen, leitet sie den Fall an den District Attorney, also einen Staatsanwalt weiter.

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Wie käme es dann zu einem Strafverfahren?

Die Staatsanwaltschaft würde sich die Polizeiakten anschauen und müsste zwei Dinge feststellen:

  • Sieht es danach aus, dass tatsächlich eine Straftat begangen wurde?
  • Ist es wahrscheinlich, dass die mutmaßliche Tat wirklich von Ronaldo, nicht einer anderen Person, begangen wurde? Kann die Behörde beide Fragen mit Ja beantworten, kann sie Ronaldo anklagen.

Müsste sich Ronaldo dann einem Prozess stellen?

Sollte die Staatsanwaltschaft Cristiano Ronaldo wirklich wegen mutmaßlicher Vergewaltigung anklagen, könnte das zuständige Gericht einen Haftbefehl aussprechen, der auch Interpol gemeldet würde. Sollte Ronaldo nicht freiwillig zum Prozess kommen und in einem anderen Land verhaftet werden, könnten die US-Behörden seine Auslieferung beantragen. Doch eine solche Entwicklung, so sie je eintritt, liegt noch in der Ferne.

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