Dortmund-Sieg gegen Hannover Der wahre Gewinner

Borussia Dortmund versprüht keinen Glamour mehr. Umso wichtiger, dass es wieder einen Taktgeber im Mittelfeld gibt.

Mahmoud Dahoud
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Mahmoud Dahoud

Von , Dortmund


Zu behaupten, Mahmoud Dahoud, sei in der Öffentlichkeit wortkarg, ist übertrieben. Auch nach dem 1:0-Sieg gegen Hannover 96 verließ der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund wieder wortlos den Kabinentrakt. Eine kurze Mitteilung folgte später schriftlich: "3 Points", war bei Instagram zu lesen, mit einem Haken versehen.

So lässt sich das Spiel ganz gut zusammenfassen, denn von glamourösem und spektakulärem Fußball ist der BVB viel weiter entfernt als von dem Saisonziel, wieder in der Champions League spielen zu dürfen. Der Vorsprung auf Bayer Leverkusen auf dem fünften Tabellenplatz ist auf vier Punkte angewachsen.

Es ist allerdings inzwischen angebracht, mal ein paar Worte über diesen Mahmoud Dahoud zu verlieren. Michael Zorc tat das. "Er wird immer mehr zum Taktgeber im zentralen Mittelfeld", sagte Dortmunds Sportdirektor. Dahoud sei jemand, der "sich nie versteckt", der "auch in schwierigen Situationen den Ball fordert" und der "immer sicherer wird".

Vieles von dem, was die Verantwortlichen von Borussia Dortmund in dieser Saison über ihre Angestellten im Trainerstab und Spielerkader behaupteten, war zumindest diskutabel. Gegen Zorcs Beschreibung, wie sich Dahoud entwickelt, war kaum etwas einzuwenden.

Lange Anlaufzeit für Dahoud

Etwa zwölf Millionen Euro hatte die Borussia aus Dortmund vor der Saison an die aus Mönchengladbach gezahlt, um Dahoud zu verpflichten. Das galt als akzeptabler Preis für einen talentierten und begehrten Mittelfeldspieler. Es hieß, dass auch Jürgen Klopp vom FC Liverpool Interesse gezeigt habe, der - das wissen sie in Dortmund zu gut - auf junge, dynamische Spieler steht, die leidenschaftlich den Ball und den Gegner jagen. Der BVB hat zwar inzwischen seinen Stil verändert, aber einer wie Dahoud schien sehr nützlich zu sein hinter den offensiven Mittelfeldspielern, die eher für die feine Art des Fußballs bekannt sind.

Dahoud kam zu Saisonbeginn unter Peter Bosz auch häufig zum Einsatz, und als es unter dem ehemaligen Trainer mal lief, lief es auch ein paar Mal bei Dahoud. Doch an den schwachen Tagen kamen erhebliche Zweifel auf, ob der U21-Europameister von 2017 die richtige Wahl war. Zu fahrig wirkte er bisweilen, seine Pässe fanden zu selten einen Mitspieler. Deshalb saß Dahoud häufiger auf der Bank, an drei Spieltagen der Bundesligasaison gar nur auf der Tribüne, obwohl er gesund war.

Zu Beginn der Rückrunde, Peter Stöger war erst seit ein paar Wochen der neue Trainer, begann eine ganz schwierige Phase. Dahoud machte einfach keine Fortschritte. Sie endete beim 1:1 in Leipzig Anfang März, als der 22-Jährige das Tor von Marco Reus vorbereitete, noch mehr aber durch seine aggressive Art gefiel.

Dahoud überzeugte gegen Leipzig
REUTERS

Dahoud überzeugte gegen Leipzig

Am folgenden Spieltag gegen Frankfurt überzeugte Dahoud wieder, allerdings ging er auch kopflos in manchen Zweikampf, nachdem er schon eine Gelbe Karte gesehen hatte. Stöger musste ihn zur Pause vom Platz nehmen, was dem Spiel des BVB trotz des 3:2-Sieges nicht guttat. Das Zweikampfverhalten ist eine Schwäche Dahouds, an der er arbeiten muss. Deutlich mehr als die Hälfte der direkten Duelle gehen für ihn durchschnittlich verloren.

Gegen Hannover blieb Dahoud ohne Verwarnung, sonst wäre er auch nach der Länderspielpause in der Partie beim FC Bayern gesperrt gewesen. Wieder gewann er gerade ein gutes Drittel seiner Zweikämpfe, aber das schmälerte den Eindruck kaum: Dahoud war der, den die Mitspieler suchten, der mutig nach vorn spielte, dribbelte und vier Mal aufs Tor schoss. Hannovers Torwart Philipp Tschauner verhinderte zwei Mal mit guten Paraden das erste Tor für Dahoud im Dortmunder Trikot.

"Er hat jetzt ein paar Spiele am Stück gemacht, das dürfte ihm gutgetan haben", sagte Stöger, "Mo ist auf einem sehr guten Weg." Er habe ihm zu Beginn des Weges "ganz einfach auch mal Ruhe gegeben", ihm gesagt, er müsse "sein Spiel verfeinern" und "klarer in den Aktionen werden".

In dem weiterhin fragilen Gebilde Borussia Dortmund wirkt Mahmoud Dahoud derzeit sehr stabil. Sportdirektor Zorc ist "zu 100 Prozent davon überzeugt: Mo wird seinen weg bei uns machen."

insgesamt 19 Beiträge
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Papazaca 19.03.2018
1. Stimmt, Mo ist ein Lichtblick ...
Da gibt es guten Grund auf Hoffnung. Hab mir mal Gedanken gemacht, warum viele der Spieler so unter Wert spielen? Das alles erklärende Wort ist: Verunsicherung. Wie es weiter geht, weiß scheinbar keiner. Wahrscheinlich ein neuer Trainer, neue Spieler, einige Spieler müssen gehen, ob international gespielt wird, ist auch unklar. Deshalb ein zugegebenerweise blöder, aber wahrer Spruch: Unsicherheit verunsichert. Übrigens auch die Fans. Die wissen auch nicht, wie es weiter geht. Kurioserweise sind selbst die Kommentare unserer Fan-Freunde uneinheitlich. Es variiert zwischen Spott, Mitleid und kritischer Analyse. Wird Zeit, das der BVB wieder eine verläßliche Größe wird! Für alle!
Oihme 19.03.2018
2. @ Papazaca
"Verunsicherung" ist wohl das richtige Wort. Man kann das ja bereits an uns Fans festmachen: irgendwann bekommt man unweigerlich das ungute Gefühl, ob das da unten auf dem Platz wohl noch lange gutgeht. Ob das Verhalten der Spieler noch eine Spätfolge des Bombenanschlags ist (Versagensängste sind "normale" Begleiterscheinungen der Traumabewältigung) oder auf die teils unglücklichen, teils traumatischen Spielresultate der Hinrunde (4:4 gegen Schalke!) zurückzuführen ist? Was soll man machen, wenn schon bei uns Fans ein "das geht wieder schief" ständig im Hinterkopf mitschwingt ...
dr.könig 19.03.2018
3. Mo wird seinen Weg machen
Wenn Zorc das sagt, dann heisst das, noch eine gute Saison und dann wird Mo verkauft. Ich schätze so um die 50 Mio soll er bringen. Enttäuscht bin ich von Sahin. Nach dem Weggang Tuchels, durfte Sahin wieder ran, und bringt nichts. Also hatte Thomas Tuchel Recht mit seiner Einschätzung ?
Pela1961 19.03.2018
4. Frage an die Forengemeinschaft
Wird jetzt eigentlich automatisch jedes Tor auf eine Abseitsstellung hin überprüft oder nicht? Und wenn ja - wird es nur NICHT gegeben, wenn eine Abseitsstellung vorliegt oder wird es auch gegeben, wenn der Schiri fälschlicherweise auf Abseits entschied (wie in diesem Fall)? Für meine Begriffe war das Tor der Hannoveraner in Ordnung, da der Spieler sich gleicher Höhe befand. Mit bloßem Auge für den Schiri im Spiel sicherlich nicht zu erkennen, aber dafür ist der Videoassi ja wohl da, oder? Hätte also unentschieden ausgehen müssen. NIE WIEDER darf nach dieser Saison auch nur ein Dortmunder das Wort "Dusel" im Zusammenhang mit einem anderen Verein erwähnen, ohne zumindest in Demut dem Herrgott für manche Situationen in dieser Saison zu danken :-) @Oihme - wieviel Traumata wollen Sie eigentlich noch auspacken? Erst das Attentatstrauma, jetzt das Schalketrauma...... Sehen Sie es doch endlich einfach mal ein - der BVB spielt diese Saison ziemlich beschi......, hat eine Menge Baustellen für die nächste Saison und ist in dieser Verfassung meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Nicht vom Tabellenplatz her, da hat er auch wieder Dusel, dass diese Saison wieder andere noch mieser sind.
Oihme 19.03.2018
5. Geschenkt!
Zitat von Pela1961Wird jetzt eigentlich automatisch jedes Tor auf eine Abseitsstellung hin überprüft oder nicht? Und wenn ja - wird es nur NICHT gegeben, wenn eine Abseitsstellung vorliegt oder wird es auch gegeben, wenn der Schiri fälschlicherweise auf Abseits entschied (wie in diesem Fall)? Für meine Begriffe war das Tor der Hannoveraner in Ordnung, da der Spieler sich gleicher Höhe befand. Mit bloßem Auge für den Schiri im Spiel sicherlich nicht zu erkennen, aber dafür ist der Videoassi ja wohl da, oder? Hätte also unentschieden ausgehen müssen. NIE WIEDER darf nach dieser Saison auch nur ein Dortmunder das Wort "Dusel" im Zusammenhang mit einem anderen Verein erwähnen, ohne zumindest in Demut dem Herrgott für manche Situationen in dieser Saison zu danken :-) @Oihme - wieviel Traumata wollen Sie eigentlich noch auspacken? Erst das Attentatstrauma, jetzt das Schalketrauma...... Sehen Sie es doch endlich einfach mal ein - der BVB spielt diese Saison ziemlich beschi......, hat eine Menge Baustellen für die nächste Saison und ist in dieser Verfassung meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Nicht vom Tabellenplatz her, da hat er auch wieder Dusel, dass diese Saison wieder andere noch mieser sind.
1. Es gab kein "Abseitstor", weil das Spiel zu dem Zeipunkt bereits durch Schiedsrichterpfiff unterbrochen war. Ob der Pfiff wegen einer Abseitsstellung berechtigt war oder nicht, ist eine andere Sache, Und Ihre "BVB darf sich nie wieder beschweren" lassen Sie nach der Kette von Fehlentscheidungen zuungunsten des BVB in dieser Saison einfach mal stecken, okay? Ruhig mal bei "Wahre Tabelle" nachsehen, was es da alles an strittigen Entscheidungen gab (ohne dass ich jetz WT als Kronzeugen für tatsächliche Benachteiligungen des BVB benennen will). 2. Es geht darum, wie die plötzlich greifbare Verunsicherung einer Mannschaft zu erklären ist, die seit Dezember in der Liga ungeschlagen ist. Wenn Sie das am "besch..." Spiel des BVB alleine festmachen wollen, verwechseln Sie Ursache mit Wirkung, zumal der BVB in fast jedem Spiel über längere Phasen sehr ansehnlichen Fußball zeigte.
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