Bayern-Niederlage in Leipzig Überrascht von der fixen Idee

Leipzig hat der Liga vorgemacht, wie die Bayern doch zu schlagen sind. Das Rezept: enormer Einsatz, Disziplin und eine überraschende Taktik.

Sebastian Rudy (l.) und Timo Werner kämpfen um den Ball
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Sebastian Rudy (l.) und Timo Werner kämpfen um den Ball

Aus Leipzig berichtet


Timo Werner war ein schönes Beispiel dafür, was die Bayern mit der Konkurrenz anrichten. Der Leipziger Stürmer musste sich in der zweiten Hälfte eine kurze Auszeit an der Bande nehmen. Ausgelaugt war der 22-Jährige, plattgemacht vom "Mann mit dem Hammer", wie es sein Trainer Ralph Hasenhüttl nannte: "Timo hatte vier Sprints á 60 Meter und Torabschlüsse hinter sich." An Werner, der früh für den verletzten Marcel Sabitzer eingewechselt worden war, war nicht nur in dieser Szene gut zu erkennen, wie Leipzig den Bayern endlich beikommen wollte.

"Sprinten mit Ball, ansprinten ohne Ball", beschrieb Hasenhüttl später, was einen seiner Besten so viel Kraft gekostet hatte und ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zum 2:1-Sieg gewesen war: Den Gegner dauernd unter Druck setzen, zu Fehlern zwingen, dabei selbst die Ordnung beibehalten, keine Lücken aufplatzen lassen, die die Münchner nutzen könnten. Leipzig setzte das mit bewundernswerter Konsequenz um und gewann tatsächlich zum ersten Mal gegen die Münchner.

Das wiederum zeigt, warum der FC Bayern in ein, zwei oder drei Wochen Deutscher Meister werden wird, zum sechsten Mal in Folge. Es muss derzeit schon einiges zusammenkommen, damit ein Bundesligakonkurrent nach 14 Spielen ohne Niederlage mal wieder gegen diese Mannschaft gewinnt. Die Münchner müssen dafür einen Tag erwischen, an dem sie "nicht so griffig wie gewohnt" sind (Trainer Jupp Heynckes), und gleichzeitig ist beim Herausforderer eine besondere Leistung nötig. Wie eben bei den Leipzigern, die Heynckes in seiner ersten Analyse mehrmals ausführlich lobte. Die erste Hälfte war laut Hasenhüttl das Beste, was man in den vergangenen Jahren gezeigt hat.

Ralph Hasenhüttl
Bongarts/Getty Images

Ralph Hasenhüttl

Und der Gegner muss sich etwas einfallen lassen. Im Fall der Leipziger war das der Einsatz einer Dreierkette. Dass Heynckes und seine Spieler damit nicht gerechnet haben, kann man ihnen kaum vorwerfen - es war das erste Mal, dass Hasenhüttl so spielen ließ, im Training feierte die Variante auch erst am Samstag ihre Premiere. Eine fixe Idee also. Im Trainerteam war beraten worden, was man tun könne, um die Münchner vor Probleme zu stellen. "Hinten reinnageln wollten wir uns nicht, gegen Fünferketten spielt München jede Woche", sagte Hasenhüttl. Ein paar Mal war er schon nah dran gewesen, die Bayern zu schlagen, geklappt hat es bisher nie. Diesmal also offensiv, 3-4-3, "wir waren uns einig, dass wir das durchziehen". Und das taten sie.

Mats Hummels
Bongarts/Getty Images

Mats Hummels

Als Mats Hummels vom Platz in Richtung Kabine ging, war er ordentlich am Schnaufen. Gut, er hatte gerade 90 Bundesligaminuten hinter sich, aber als Bayern-Verteidiger kann so was auch schon mal eine stressarme Veranstaltung sein. In Leipzig aber hatte Hummels Dauerstress. Werner, Naby Keita oder Yussuf Poulsen: Einer der RB-Offensiven war fast immer zur Stelle, wenn der Innenverteidiger an den Ball kam. Hummels "zu bearbeiten" (Hasenhüttl), war wichtiger Teil des Plans. Er sollte seine gefürchteten langen Pässe nicht spielen dürfen. Tatsächlich geriet Hummels deutlich häufiger als üblich in Bedrängnis, von seiner sonst gewohnten Lässigkeit und Übersicht war wenig zu sehen.

Auch Niklas Süle und vor allem Joshua Kimmich wurden von den pressenden Leipzigern oft in Bedrängnis gebracht. Was den Münchnern im Duell fehlte, war die Ruhe am Ball. So, wie Thiago es beherrscht, aber der Spanier fehlt gerade verletzt. Sebastian Rudy, James Rodríguez und Arturo Vidal schafften es zu selten, der ersten Druckwelle standzuhalten und selbst den Angriff einzuleiten.

Das ganze Münchner Gefüge hatte den Übergang von Europapokal zu Bundesliga weniger gut weggesteckt als das der Leipziger. Beide Trainer hatten ihre Mannschaften schließlich auf sechs Positionen umgestellt.

Nach 70 Minuten wurde bei den Leipzigern zwar die Luft knapp, wie RB-Mittelfeldspieler Diego Demme sagte. Danach habe man sich nur noch "reingeworfen". Ein kleiner Kontrollverlust, aber einer ohne Folgen. Diesmal waren die Bayern einfach nicht gut genug, um noch zurückzuschlagen. Ausnahmsweise. Meister werden sie trotzdem, das weiß auch Jupp Heynckes. Die Niederlage, so, der 72-Jährige, "ist kein Beinbruch".

RB Leipzig - FC Bayern München 2:1 (0:1)
0:1 Wagner (12.)
1:1 Keita (37.)
2:1 Werner (56.)
Leipzig: Gulácsi - Konaté, Ilsanker, Upamecano - Laimer, Kampl, Demme, Bruma - Sabitzer (10. Werner, 83. Jean-Kévin Augustin), Keita (69. Forsberg) - Poulsen.
München:
Ulreich - Kimmich (78. Rafinha), Süle, Hummels, Alaba - James (72. Lewandowski), Rudy, Vidal - Müller, Wagner, Bernat (61. Ribéry).
Schiedsrichter: Marco Fritz
Gelbe Karten: Gulácsi, Kampl, Keita - Lewandowski, Ribéry, Rudy, Süle
Zuschauer: 42.558



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
probeabo007 19.03.2018
1. Nerven aufreibend...wunderbar
Es war kalt im Stadion, aber die Stimmung im Stadion half uns Fans und unserer Mannschaft - dem RBL. Es war eine super Leistung und selbst mit einer Niederlage wären die Fans zufrieden gewesen...aber die Spieler wollten mehr und bekamen verdient den Sieg. Einziger Wermutstropfen: Neben Sandro Wagner - der bei jeder und auch ohne Berührung zu Boden ging - nervte massiv. Und F. Ribéry sollte als alternder Herr langsam wissen wie sauberer Fußball geht und seine Tätlichkeiten unterlassen...
stoffi 19.03.2018
2. na und
mal gewinnt man, mal verliert man. Auch wenn der FCB meist gewinnt und daher mit Recht ein solides Punktepolster aufgebaut hat, ist er doch nicht unschlagbar. Da stehen Menschen und keine Roboter auf dem Platz. Leipzig hat gut gespielt und gewonnen, Freut euch. Wir brauchen in der BL noch mehr gute Teams an der Spitze, damit wir wieder International mir mehr als nur einer Mannschaft mithalten können. Der FCB kann die drei Punkte verschmerzen. Mund abwischen und weiter
tyxh 19.03.2018
3. Leipziger Sieg
Ohne die unterirdische Schiedsrichterleistung in früheren Spielen, hätte Leipzig schon eher die Bayern besiegt. Schönes Spiel! Danke Leipzig!
peter.teubner 19.03.2018
4. fixe Idee
versteh ich nicht, fixe Idee ist doch eine Idee von der ich nicht los komme. Peter
munnezz 19.03.2018
5.
Toll! Bei dem Vorsprung ist eine Niederlage aber nicht so schmerzlich...die meisten gegner geben fast schon auf bevor das Spiel beginnt wenn sie gegen Bayern antreten.
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