Tauchexpedition vor Musandam "Alles ist größer in Oman!"

Vor der omanischen Exklave Musandam liegt ein Meeresgebiet, in dem noch niemand tauchen war. Walhaie, Mantas und intakte Korallenriffe gibt es dort - und Militär, das Taucher aus dem Paradies vertreibt.

Tobias Friedrich

Von Linus Geschke


Hier fallen hoch aufragende Felswände senkrecht ins Meer. Menschen gibt es kaum, nur ein paar Tiere sieht man vereinzelt. Manchmal wird die zu Oman gehörende Halbinsel Musandam aufgrund ihrer fjordähnlichen Einschnitte auch das Norwegen des Orients genannt, aber das stimmt nicht. Dafür ist es hier zu heiß, zu einsam und zu lebensfeindlich.

Touristen kommen selten hierher, Taucher noch weniger. Die "Saman Explorer" ist das erste Tauchsafarischiff, das die Genehmigung erhalten hat, die mit vielen Inseln besetzten Gewässer zwischen dem omanischen Festland und der Straße von Hormus zu durchkreuzen - eine der meist befahrenen Schifffahrtsstraßen überhaupt.

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Tauchexpedition: Musandam, Mantas und das Militär

Jeder Tropfen Öl, der von Tankern aus dem Persischen Golf in den Indischen Ozean transportiert wird, muss sich durch die an der schmalsten Stelle nur 30 Seemeilen breite Meeresenge zwängen. So ist das Gebiet ein ewiger Zank zwischen Oman, Iran und dem Rest der Welt.

Zanken möchten die 19 Gäste an Bord der "Saman Explorer" nicht, sie wollen erkunden. Was sie angezogen hat, ist die Aussicht, ein Gebiet zu betauchen, das noch kein anderer Taucher gesehen hat. "In Ägypten kenne ich mittlerweile fast jedes Riff", sagt Sonja Tietz, eine 53-jährige Datenschutzberaterin aus Bayern, "aber das hier ist Neuland."

Viel Futter, viel Fisch

Schon beim ersten Abstieg bestätigt sich eine unter Tauchern bekannte Weisheit: Die Gewässer des Oman sind nicht gerade für exzellente Sichtweiten bekannt, hier im Norden des Landes sieht das nicht anders aus. Mal reicht der Blick zehn Meter in die Ferne, mal 15. Die Trübung des Wassers liegt an der hohen Biomasse darin - was Taucher ärgert, erfreut die Fische, die dadurch reichlich Nahrung vorfinden. Das sieht man ihnen auch an: Die gleichen Arten werden hier rund ein Drittel größer als in anderen subtropischen Meeren.

Vielleicht sieht man unter Wasser nicht weit, aber man sieht viel. Riesige Fledermausfische, farbenprächtige Kaiserfische, unzählige Nacktschnecken. Unter Wasser ist vor Musandam überall Leben. Die in Rot, Gelb und Orange schimmernden Hartkorallen sehen - natürlich - noch vollkommen unberührt aus. Keine Korallenwüste, nirgends. Spektakuläre Begegnungen? Gibt es noch nicht. Später vielleicht. An einer der Inseln, die dichter an der Schifffahrtsstraße liegen.

Der nächste Tauchplatz ist ein kleines Eiland; kaum mehr als ein paar Felsblöcke, die aus dem Wasser ragen. Schon beim Abstieg flattert die Maske am Gesicht: Strömung gibt es in dieser Region fast immer - so ist das eben, wenn ein Meer durch einen engen Trichter in ein anderes fließt.

Zur Belohnung bekommt ein Teil der Taucher dafür eines der großen Sehnsuchtstiere zu sehen: einen neun Meter langen Walhai, der mit geöffnetem Mund durch die Strömung gleitet, und dem kurz darauf ein zweiter folgt. Walhaie sind Filtrierer, für den Menschen trotz ihrer Masse völlig ungefährlich. Alleine für die Sichtung der gepunkteten Riesen hat sich der Trip schon gelohnt.

Teestunde für die Polizisten

Beim Auftauchen folgt dann die nächste Überraschung: Die Gäste der "Saman Explorer" blicken in den Lauf eines Maschinengewehrs, montiert auf dem Vordeck eines Polizeibootes. Es sind Gesetzeshüter auf Patrouille, die den Schmuggel zwischen Oman und Iran eindämmen sollen, aber das Tauchsafarischiff momentan interessanter finden. Vielleicht, weil die Crew ihnen sofort einen heißen Tee und kühle Softdrinks anbietet. Vielleicht, weil europäische Touristen eine nette Abwechslung im Arbeitsalltag sind.

Die omanischen Polizisten sind ebenso freundlich wie aufgeschlossen. Man lacht, man erzählt Witze, man erkundigt sich nach den Familien. Bis zum Ende der Reise werden sie jetzt jeden Tag vorbeikommen. Mal, um etwas zu trinken, mal, um sich zu unterhalten. Die Kontrolle der gültigen Papiere dient nur noch als Vorwand, jeder spürt das, es stört nicht.

Ziel der Reise sind Inseln, die direkt an den internationalen Gewässern der Straße von Hormus liegen. Bis hierhin reicht die Genehmigung der omanischen Regierung. Zwei Tage will die "Saman Explorer" an ihnen verbringen, sechs bis acht Tauchgänge sollen absolviert werden. Es wird bei einem einzigen bleiben.

Bei diesem reicht der Blick unter Wasser gut 20 Meter weit, ungewöhnlich für die Region. Die Strömung zieht die Taucher in einem langsamen Drift am Riffhang entlang. Leopardenhaie tauchen auf, die Kontur eines Mantas zeichnet sich unter der Wasseroberfläche gegen das Sonnenlicht ab. Alles blüht hier, wo Muränen und Langusten nahezu jede Felsspalte besetzt haben. Von der sauerstoffarmen "Todeszone", die Forscher vor kurzem im Golf von Oman entdeckt haben, ist hier nichts zu spüren.

Paradies bleibt militärisch geschützt

Eine Stunde dauert der Tauchgang, und als die Gäste sich an Bord anschließend darüber unterhalten, fällt oft das Wort Paradies - so unberührt ist dieses Riff, so wunderschön, so fischreich. Aber die Schwärmerei währt nicht lange - denn dann taucht ein Schnellboot auf, diesmal besetzt mit omanischen Militärs statt mit Polizisten.

Diesmal jedoch folgt kein Teetrinken, die Soldaten erklären diese Inseln kurzerhand zum Sperrgebiet, irgendeine militärische Aktion. Trotz gültiger Genehmigungen sei keine weitere Diskussion möglich, ansonsten könne man gerne das Schiff beschlagnahmen und den Kapitän in Haft nehmen. Dieser hat es daraufhin verständlicherweise eilig, wieder in Richtung Festland zu fahren.

Die Trauer darüber währt nur kurz - schließlich kann sich jeder Gast damit trösten, als Erster einen Spot betaucht zu haben, den so schnell niemand mehr betauchen wird. Denn auch der Reiseveranstalter wird zwar die Expeditionen vor Musandam fortsetzen, aber die Nähe dieser bewachten Inseln meiden. "Everything is bigger in Oman", so hatte es der Tauchguide bei Tourbeginn versprochen, und er hat in diesen Tagen recht behalten - und auch, was das Abenteuer betrifft.

Video: Mein Leben unter Wasser - Faszination Tauchen

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insgesamt 12 Beiträge
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BoMo_UAE 06.06.2018
1. Falsche Informationen
Dieser Bericht ist ziemlich daneben. Musandam ist seit Jahrzehnten ein Tauch- und Angelrevier. Die Saman Explorer habe ich dort noch nie gesehen. Es sind vor allem zu Tauchschiffen umgebaute Dhows, die die Trips veranstalten. Einige dutzend dieser Dhows liegen in Dibba und Kasab bereit, je bis zu 20 Taucher und Wochenendtouristen fuer Tages- und Wochenendtouren aufzunehmen. Dazu kommen viele kleine Speedboote, die Angler fuer Tagestrips ausfuehen. Musandam ist Naherholungsgebiet fuer Menschen aus Abu Dhabi, Dubai und Sharjah. Und es gibt auch eingie Doerfer und Siedlungen von Fischern in Musandam. Militaer oder Polizei habe ich waehrend zig Trips in Musandam nur sehr selten gesehen. Landgaenge sind vor allem deshalb nicht erlaubt, weil ganz Musandam Naturschutzgebiet ist und auf den Inseln und an Steilhaengen seltene Voegel wie Komorane und Seeadler nisten und besonders geschuetzt werden. Ansonsten findet man doert vor allem viel angeschwemmten Plastikmuell. Unterwasser ist die Welt in Musandam aber noch in Ordnung und kann durchaus mit den Malediven oder den Philippinen mithalten.
peterw 06.06.2018
2. Sein Gutes
So hat hier das Militär auch sein Gutes: dient es doch den Riffen und Meetestieren, die sonst über kurz oder lang vom Tourismus kaputt gemacht würden.
Grummelchen321 06.06.2018
3. Und in
10Jahren das gleiche trostlose Bild von zerstörten Riffen und Korallen wie in Ägypten.Toll
gunpot 06.06.2018
4. als ich noch in EU-Diensten stand
traf ich auf unseren Konferenzen häufig Teilnehmer aus Oman. Sie waren häufiger als Ägypter, Saudis, oder Vertreter der Vereinigten Emirate an den Konferenzen beteiligt. Was die Omaner durchweg im Vergleich zu den Vertretern der anderen arabischen Staaten auszeichnete, war deren Offenheit und Diskussionsbereitschaft. Ja, das ist wohl die Heimat Sindbads des Seefahrers. Weltoffen und gastfreundlich. Ich werde wohl meinen nächsten Urlaub für den Oman buchen.
dntgvfck 06.06.2018
5. Zebrahai
Der Fehler ist mir auch schon unterlaufen und in fast jedem Tauchgebiet wird von Leopardsharks gesprochen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen Zebrahai. https://de.wikipedia.org/wiki/Zebrahai https://de.wikipedia.org/wiki/Leopardenhai
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