Korallenschutz Palau verbietet giftige Sonnencremes

Schutz für die Haut, Gift für die Umwelt: Der Pazifikstaat Palau verbietet Sonnencremes, die Korallen töten. Wer trotzdem cremt, riskiert saftige Strafen.

Paradies Palau: Nur elf von 356 Inselchen sind bewohnt
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Paradies Palau: Nur elf von 356 Inselchen sind bewohnt


Der Pazifikstaat Palau verbietet ab Januar 2020 als erstes Land der Welt allen Sonnenschutz mit Substanzen, die für Korallen schädlich sind.

Präsident Thomas Remengesau bestätigte am Freitag ein entsprechendes Gesetz, das das Parlament bereits verabschiedet hat. Das Gesetz gegen "Korallengift-Sonnencremes" soll am 1. Januar 2020 in Kraft treten. Wer sie trotzdem benutzt und erwischt wird, muss mit umgerechnet bis zu 875 Euro Strafe rechnen.

Damit es dazu erst gar nicht kommt, sollen solche Cremes nach Möglichkeit schon bei der Einreise beschlagnahmt werden. Für Remengesau ein Weg, um ein "vernünftiges Gleichgewicht zu halten zwischen der Erziehung und der Abschreckung von Touristen".

Für das Verbot gibt es gute Gründe: In bestimmten Sonnencremes sind unter anderem die Chemikalien Oxybenzon und Octinoxat enthalten, die Korallen ausbleichen oder ganz absterben lassen. Ähnliche Pläne gibt es deshalb auch auf Hawaii, wo 2021 ein Verbot in Kraft treten soll, sowie auf der Karibik-Insel Bonaire.

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Tourismusentwicklung: Palau und seine 356 Inseln

Ökologie: Palaus "Markenkern"

Palau besteht aus 356 Inseln, hat aber nur etwa 20.000 Einwohner, die gerade einmal elf der Inseln bewohnen: Die Inselgruppe liegt östlich der Philippinen und nördlich von Papua-Neuguinea. Die Inseln bestehen aus dem Kalk fossiler Korallen, die einst durch die Kräfte der Plattentektonik aus dem Meer gehoben wurden.

Seit einiger Zeit setzt man dort verstärkt auf umweltschonenden Tourismus. Es bringt die Inselgruppe, die von 1543 bis 1994 stets irgendjemandes Kolonie (von 1899 bis 1914 in deutscher Hand) oder sonstwie fremdbeherrscht war, immer wieder in die Nachrichten: Im letzten Jahr sorgte Palau mit einer Art "Öko-Schwur" für einreisende Touristen für Aufsehen.

Klingt nach PR, doch die ökologische Grundorientierung ist Palaus Regierung absolut ernst. Die Schönheit der fragilen Inselgruppe ist ihr größtes Kapital und ihre wichtigste Einnahmequelle. Den positiven Anreizen der Vermarktung von Naturschönheit steht allerdings auch eine große Angst gegenüber, die Palaus Ökopolitik ebenso motiviert. Weil den Inseln erwähnenswerte Erhebungen fehlen, könnte Palau im Wortsinn untergehen, wenn durch den Klimawandel die Meeresspiegel zu stark stiegen.

Die meisten der oft sehr kleinen Inseln sind zudem landwirtschaftlich nicht nutzbar. Palau hat deshalb zunehmend Probleme, den wachsenden Nahrungs- und Frischwasserbedarf von Bewohnern und Touristen aus eigener Kraft zu decken. Im Ausbau eines gebremsten, ökologisch nachhaltigen Tourismus sieht der Staat daher seine besten wirtschaftlichen Chancen.

Sehr früh machte die Inselregierung darum die Ökologie zur obersten Maxime ihrer Politik: Der Ausbau von Ressourcen zielt auf hochpreisigen, exklusiven Tauchtourismus statt Massentourismus. Und große Teile des Inselparadieses wurden frühzeitig zu Naturschutz- und Meeresschutzgebieten erklärt - das größte davon misst circa eine halbe Million Quadratkilometer: das entspricht der Größe Spaniens.

Es ist eine Politik, die sich auszahlt. Palau hat seinen Platz in den jährlichen Rankings der Organisation "Ethical Traveler", die Reiseziele empfiehlt, zu denen man mit gutem Gewissen reisen kann, so gut wie sicher. Seine Tauchgründe zählen zu den besten der Welt, und strenge Reglementierungen sorgen dafür, dass das auch so bleibt. Ökologisch bewusste Reisende wissen das zu schätzen: Pro Jahr kommen inzwischen etwa 100.000 Urlauber, die meisten aus Asien und den USA.

dpa/pat



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