Kreuzfahrt-Tourismus Bergen schränkt Zahl der Besucher ein

Der Tourismus zerstört oft, was er entdeckt - und als besonders problematisch gelten Kreuzfahrten: Heerscharen von Besuchern entzaubern Orte. Auch in Norwegen wächst nun Widerstand dagegen.

Bergen, Stadtansicht: 9000 Kreuzfahrttouristen am Tag
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Bergen, Stadtansicht: 9000 Kreuzfahrttouristen am Tag


Die Hafenstadt Bergen in Norwegen begrenzt die Zahl der Kreuzfahrtschiffe, die gleichzeitig dort zu Gast sein dürfen. Es ist eine Entscheidung, die für einen Trend steht: Gerade besonders kleine Orte, die lange Zeit als exklusiv galten, sowie besonders berühmte, überlaufene Orte am Meer leiden unter dem Ansturm der Kreuzfahrt-Touristen. Die Kritik daran wächst, auch Dubrovnik in Kroatien beschloss schon eine Einschränkung der Kreuzfahrtschiffe. In Venedig und anderen Orten wird sie diskutiert.

Denn Kreuzfahrt-Touristen belasten die besuchten Orte zwar in erheblichem Maße, sie bringen ihnen aber kaum etwas: Die Touristen fallen zu Tausenden ein, verstopfen dann über Stunden gerade die engen Altstädte - und verschwinden wieder, ohne Geld für Übernachtungen, größere Mahlzeiten und ähnliches dagelassen zu haben.

Was sie dagegen bringen, ist ein erhebliches Maß an Umweltbelastungen. Zum miesen Image der Branche trägt bei, dass auch die Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Angestellten oft skandalös schlecht ist. Ein seit Jahren rapide anschwellendes Touristenheer, dass die Angebote gern in Anspruch nimmt, scheint das alles kaum zu interessieren: Deutlich über zwei Millionen Deutsche schiffen sich inzwischen zu ihrem Jahresurlaub auf den weißen Riesenpötten ein.

Einschränkungen: mehr Hilferuf als Lösung

Das alles summiert sich aus Sicht der besuchten Hafenstädte zunehmend zu einem Albtraum für die Stadtbewohner als Nebenwirkung des mobilen Traumurlaubs auf den schwimmenden Bettenburgen. Kein Wunder, dass an immer mehr Orten der Widerstand gegen die riesigen Kurzzeit-Besuchermengen wächst: In Städten wie Valetta auf Malta, Barcelona, Havanna oder auf populären Inselchen wie Santorin erstickt das städtische Leben regelmäßig über Stunden - unerträglich für die Anwohner.

In Norwegen hat sich nun Bergen vorgewagt, dem Ansturm Grenzen zu setzen. Wobei die beschlossene Einschränkung wohl eher Symbol- und Signalcharakter hat, als echte Erleichterung bringt: Bisher konnten täglich vier Schiffe mit insgesamt 9000 Passagieren anlegen. Künftig werden nur noch drei Schiffe mit insgesamt 8000 Gästen erlaubt sein.

Der Stadtrat habe kürzlich einen entsprechenden Beschluss gefasst und auch eine Gesetzesänderung sei geplant, bestätigte eine Sprecherin von Visit Norway unter Verweis auf Angaben des Hafens in Bergen. Die neue Regel werde bereits im Sommer 2019 gelten. Es wird nicht die letzte "Bremse" für den Boom sein.

dpa/pat



insgesamt 9 Beiträge
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derhey 02.11.2018
1. Gut so
hoffentlich folgen andere Städte. In unserer Region hier beklagen sich Touristen, wenn sie eine halbe Stunde auf einen Eisbecher warten müssen, auf der Prominade gehe es zu wie beim Sommerschlußverkauf, wollenn in Zukunft die Region meiden - und die Manager machen weiter massive Werbung für die Ferienregion. Die Einen wenden sich ab, die Anderen bekommen den Hals nicht voll genug. Wie immer Augenmaß behalten!
haraldinio 02.11.2018
2. Bravo!!
Wir sind in Travemünde selbst davon betroffen und nicht begeistert von den teilweise alten Schiffen und Ihren Gaffern!! Morgens 7 Uhr anlegen und den ganzen Tag bis zum späten Abend verpesten die hier unsere Umwelt!! Außerdem hat der Ort sowieso nichts davon Hamburg - Berlin werden dann als Ausflug gebucht ,weg damit !!!!
Sibylle1969 02.11.2018
3.
Im September war ich in Split, wo gerade ein Riesen-Kreuzfahrtschiff im Hafen lag. Die Altstadt war brechend voll, so dass man durch die engen Gassen quasi nur durchgeschoben wurde. Natürlich waren nicht alle Touristen Kreuzfahrttouristen, aber es waren schon viele, zu erkennen an Badges. In Dubrovnik soll es ja noch viel schlimmer sein. Ich denke, dass eine Begrenzung der Kreuzfahrttouristen an vielen Orten sinnvoll ist. Alternativ könnten die Städte pro Kreuzfahrttourist eine Art Eintrittsgeld verlangen, das deutlich höher ist als die übliche Touristensteuer, die Übernachtungsgäste vielerorts zahlen müssen.
StefanKluge 02.11.2018
4. 20 Euro ...
... Landgangsgeld. Da bleibt doch bestimmt ein Drittel der "Reisenden" schonmal aus Geiz an Bord. Und die betroffenen Städte können mit dem Geld bestimmt auch etwas anfangen ... IdS Ahoi ;o}
fred_m 02.11.2018
5. Wo liegt die Grenze ?
Zitat von StefanKluge... Landgangsgeld. Da bleibt doch bestimmt ein Drittel der "Reisenden" schonmal aus Geiz an Bord. Und die betroffenen Städte können mit dem Geld bestimmt auch etwas anfangen ... IdS Ahoi ;o}
Eine geniale Idee. Da müsste man nur noch herausfinden, wie viel Geld die Touris bereit sind, für ihre Selfies hinzublättern. Denn schließlich muß man jedem beweisen können, welche Orte man zusammen mit zahllosen anderen schon plattgetrampelt hat. Ist der Wert von ein Drittel bei 20 Euro nur eine Schätzung Ihrerseits, oder gibt es dazu schon Erfahrungswerte ?
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