Fotobuch "Paradise Inn" All-relative

Wie sehen Urlaubsorte aus, wenn nach der Saison alle Touristen nach Hause geflogen sind? Der Fotograf Marinos Tsagkarakis hat griechische Strände, Hotels und Einkaufsstraßen besucht, die auf das große Comeback warten.

Marinos Tsagkarakis

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Zur Person
  • Marinos Tsagkarakis
    Marinos Tsagkarakis, Jahrgang 1984, wurde auf Kreta geboren, studierte zeitgenössische Fotografie an der Stereosis Photography School in Thessaloniki und arbeitet heute in den Niederlanden als Fotograf. Er ist Mitglied des Kollektivs "Depression Era", das künstlerisch die Folgen der Wirtschaftskrise in Griechenland erforscht.

Im Sommer dösen Touristen auf Liegestühlen, springen in den Swimmingpool, genießen einen Cocktail an der Bar und schlemmen sich durch das Abendbüfett. Außerhalb der Saison herrscht in dem All-inclusive-Hotel im griechischen Chersonissos gähnende Leere. Der Fotograf Marinos Tsagkarakis hat für seinen Bildband "Paradise Inn" diesen und andere verlassene touristische Orte in Griechenland aufgespürt.

Tsagkarakis wuchs auf Kreta auf und erlebte, welche Auswirkungen der Massentourismus auf seine Insel hatte, mit seiner Fotoserie will er nun die Folgen für das ganze Land aufzeigen. Er zieht eine negative Bilanz: "Der Tourismus hat Griechenland drastisch in Mitleidenschaft gezogen und in ein Produkt verwandelt."

Von 2012 bis 2017 unternahm Tsagkarakis zahlreiche Reisen zwischen Thessaloniki und Kreta, fotografierte eigens für den Tourismus konstruierte Landschaften wie Ferienressorts, Vergnügungsparks oder Einkaufsstraßen. Doch nicht in der Hauptsaison, sondern im Winter, wenn alle Touristen verschwunden sind: Nun warten die Orte geisterhaft darauf, im Frühjahr und Sommer wiederbelebt zu werden.

Die übrig gebliebenen Relikte erinnern daran, was hier einst passierte: Eine heruntergekommene Snackbar am Strand, bei der Urlauber sonst Pommes und Cola kaufen; eine in der Hochsaison belebte Strandbar, deren Eingang nun von Regen überflutet ist; ein Taxistand im Stil eines griechischen Tempels, an dem im Sommer Autos auf ihre Fahrgäste warten. Die Bilder zeigen die Tristesse, die entsteht, wenn die Bauten nutzlos geworden sind.

Fotostrecke

14  Bilder
Menschenleer: Griechische Urlaubsparadiese

Gebäude mit übertriebenen Proportionen, kitschig-schäbige Architektur und folkloristische Dekorationselemente: Unzählige künstliche Paradiese seien in den vergangenen Jahrzehnten in Griechenland gewachsen, so Tsagkarakis. Sie blühen in der Urlaubszeit kurz auf, verfallen dann wieder und erinnern nur noch an eine Euphorie und Hoffnung, die der Tourismus mit sich gebracht hat.

"Durch einen Standardisierungsprozess, der darauf abzielt, die Wünsche der Touristen zu erfüllen, laufen diese Reiseziele Gefahr, nicht nur ihre ursprüngliche Erscheinung, ihre Struktur, sondern auch ihre Identität zu verlieren", sagt der Fotograf. Und das gehe letztendlich zu Lasten der lokalen Bevölkerung, die auch nach der Urlaubssaison hier noch leben muss.

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