Die schönsten Alpenpässe für Radfahrer Steile Straßen, weite Blicke

Hier ist der Weg das Ziel: Neun Bergpässe, die für Radsportler eine Herausforderung sind - und doch mehr sind als nur eine Trainingsstrecke.

TMN

Der letzte Schnee weicht, und nach und nach öffnen die höchsten Straßen der Alpen. Für Radfahrer sind diese Pässe eine sportliche Herausforderung, sie bieten aber auch atemberaubende Ausblicke - wenn man denn während des Anstiegs zu Atem gekommen ist. Hier sind neun Kultrouten - und ein besonderer Tipp für die Schweiz:

Col d'Izoard: Kurven, Kulissen, Kilometer

Der Gebirgspass auf 2360 Metern in den französischen Alpen ist der dritthöchste Pass der Route des Grandes Alpes - des berühmten Weges durch die Alpen ans Mittelmeer. Ein durchgängig markierter Radfahrstreifen führt an Dörfchen, Wäldern und alpinen Hochtälern vorbei. Er erstreckt sich entlang von Geröllfeldern, über starkes Gefälle, kahle Hänge und weite Schleifen. Mehr als 30 Mal war der Pass Teil der Tour de France. Auf der Passhöhe gibt es ein kleines, allerdings nur selten geöffnetes, Museum zur Radsportgeschichte des Col d'Izoard. Von Mitte Oktober bis Juni ist der Pass gesperrt.

The famous hairpin curves of Alpe dHuez - Tour de France
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The famous hairpin curves of Alpe dHuez - Tour de France

L'Alpe d'Huez: Schwitzen am "Berg der Leiden"

Hunderte Radsportler testen jährlich am "Berg der Leiden" die Grenzen ihrer Kondition. Auch bei der Tour de France gilt er als einer der Schicksalsberge. Die Strecke führt aufs Hochplateau in den Skiort Alpe d'Huez auf 1860 Metern.

21 Serpentinen hat die ganzjährig befahrbare Straße. Knapp 14 Kilometer sind es ab dem Dorf Le Bourg-d'Oisans. Die Steigung liegt im Schnitt bei rund acht Prozent, maximal bei 14,8 Prozent. Wer es einsamer mag, nimmt die 15 Kehren der benachbarten, schmalen Route de la Confession über den Pas de la Confession. Immer wieder eröffnen sich spektakuläre Blicke über das Romanche-Tal.

Col du Jandri: Pass der Extreme

Fitte Mountainbiker, die im Sommer Schnee suchen, wagen sich an den Col du Jandri auf 3150 Metern in Frankreich, die höchste Bergstraße der Alpen. Ab Les Deux Alpes (1650 Meter) führt eine unbefestigte Straße hoch zum Gletscher Mont de Lans, der auf knapp 3000 Meter Höhe auch im Sommer Wintersportler anlockt. Allerdings ist nach rund 1500 Höhenmetern und etlichen extrem steilen Stellen echter Sportsgeist gefragt, um von den Rädern auf die Bretter zu wechseln.

Dennoch: Auf den letzten Metern gibt es auch im Sommer übermannshohe Schneewände am Wegesrand - ein Spektakel für sich.

Stilfser Joch
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Stilfser Joch

Stilfser Joch: 48 Serpentinen hinauf in dünne Luft

In Italien erhebt sich imposant der Passo dello Stelvio, das Stilfser Joch. Mit einer Höhe von rund 2760 Metern ist es der höchste Gebirgspass Italiens in den Zentralalpen. Insgesamt gibt es 87 Kehren auf beiden Passrampen. Seit 1953 führt auch der Giro d'Italia wiederkehrend über den Stelvio. Die 48 Serpentinen der "Ostrampe" ab Prad (910 Meter) sind bei Radsportlern besonders beliebt. Diese nordöstlichen Auffahrt hat durchschnittlich 9 und maximal 15 Prozent Steigung.

Zunächst ist die Strecke von Wald umgeben, doch nach der Hälfte der Kehren wird der Blick weit. Fixpunkt ist der 3905 Meter hohe Ortler. Vorbei an Berghöfen, gemauerten Haarnadelkurven, mit Ausblicken auf den Nationalpark Stilfser Joch sowie die umliegenden Dreitausender und Gletscher wird die Luft stetig dünner, die Landschaft karger. Der autofreie Stilfser Joch Radtag findet am 1. September 2018 statt. Geöffnet ist die Passstraße nach dem Winter ab etwa Ende Mai.

Seilbahnstationen befinden sich auf 2200 und 2600 Metern Höhe.

Monte Grappa
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Monte Grappa

Monte Grappa: Anstieg für den Ausblick auf Italien

Bei guter Sicht soll man vom italienischen Gebirgsmassiv Monte Grappa bis nach Venedig sehen können - so heißt es zumindest. Wegen der exponierten Lage ist der 1775 Meter hohe Berg jedenfalls ein Mekka für Gleitschirm- und Drachenflieger. Rad- und Motorradfahrer kommen wegen der Auffahrt hierher. Eine monumentale Gedenkstätte am Gipfel erinnert an mehrere Zehntausend Gefallene der Piaveschlachten. Im Ersten Weltkrieg trafen hier Italiens und Österreich-Ungarns Armeen aufeinander.

Am Fuße des Massivs liegt Bassano del Grappa am Fluss Brenta. Obwohl das idyllische Städtchen seinen Namen nicht von dem Tresterbrand hat, kann man dort ein Grappamuseum und im Umland zahlreiche Grappadestillen besichtigen.

Timmelsjoch: Steigung scheinbar ohne Ende

Beliebt bei Zweiradfahrern aller Art und daher nicht immer zügig befahrbar ist auch das Timmelsjoch auf 2509 Metern. Der Grenzpass verbindet das Ötztal in Österreich mit Südtirol und bietet eine der längsten, durchgehenden Steigungen der Alpen. Die Ostrampe mit 29 Kilometern und 1821 Höhenmetern ab St. Leonhard in Italien und die Nordrampe der Hochalpenstraße mit 22,3 Kilometern Länge und 1269 Höhenmetern ab Sölden in Österreich sind gleichermaßen betriebsam.

An der Mautstation in Hochgurgel befindet sich in der beeindruckenden Kulisse der Ötztaler Alpen Europas höchstgelegenes Motorradmuseum, das Top Mountain Motorcycle Museum mit rund 200 Ausstellungsstücken zahlreicher Marken. Geöffnet ist das Timmelsjoch von Mitte Juni bis Mitte Oktober. Im Sommer gibt es ein Nachtfahrverbot zwischen 22 und 7 Uhr.

Großglockner-Hochalpenstraße: Eldorado für Zweiradler

Wer die auch stark von Autos befahrene Großglockner-Hochalpenstraße in Österreich mit dem Rad hinauf will, sollte vor 9 Uhr oder nach 15 Uhr kommen. Ein Genuss sind dann die 1900 Höhenmeter ab Bruck - verteilt auf 32 Kilometer Anstieg zur Edelweißspitze, dem höchsten Punkt der Großglockner-Hochalpenstraße auf 2571 Metern.

Die mautpflichtige Straße präsentiert sich dem Urlauber abwechslungsreich: Etliche Abzweigungen und ein ausgedehntes Wegenetz lassen keine Langeweile aufkommen. Gut zu wissen: An der Kassenstelle Ferleiten gibt es detailliert ausgearbeitete Motorradtouren und dazu passende Tourentickets. Die Panoramastrecke am Großglockner ist in der Regel von Anfang Mai bis Ende Oktober geöffnet.

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Bergpässe für Biker: Neun Kultstraßen in den Alpen

Ammersattel: Sanfte Schwünge und ein Königsschloss

Von Österreich nach Deutschland gelangen landschaftlich interessierte Grenzgänger über die weniger spektakulären, sondern eher sanften Schwünge des Ammersattels (1118 Meter) in den Ammergauer Alpen. Die maximal zwölf Prozent steile Route führt am malerischen Plansee vorbei, dem zweitgrößten natürlichen See Tirols in der Naturparkregion Reutte, und weiter nach Oberbayern. Wer mag, besichtigt Schloss Linderhof, die Residenz des bayerischen Königs Ludwig II. in Ettal bei Oberammergau. Der Pass ist ganzjährig befahrbar.

Und noch ein Tipp für Schweizer Pässe:

Besonders schöne Alpenpässe öffnet die Schweiz an zehn Terminen zwischen Mai und Oktober nur für Radfahrer: "Chasing Cancellara" über den Oberalp-Pass am 24. Juni, "Rides the Alps vaudoises" von Aigle nach Villars-sur-Ollon am 1. Juli, "Granfondo San Gottardo" am 22. Juli und "Tour des Stations" über den Col de la Croix-de-Coeur am 11. August. Die Streckenlängen liegen zwischen 32 und 90 Kilometern, teilte Schweiz Tourismus mit. Bis zu 2720 Höhenmeter müssen überwunden werden.

Larissa Loges, dpa/bbr

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