Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


Deutschland ist also ein "Gefangener Russlands", es ist "total von Russland kontrolliert". So jedenfalls sieht das Donald Trump, weil er Russland gerne als Energielieferanten vom europäischen Markt verdrängen möchte, damit amerikanisches Gas konkurrenzfähig wird. Kanzlerin Angela Merkel hat gut auf die Ausfälle des US-Präsidenten reagiert, sie hat Trump daran erinnert, dass sie als DDR-Bürgerin wirklich erlebt hat, was es heißt, von Moskau kontrolliert zu sein.

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Heft 28/2018
Wie Liebe gelingt

Eher unangemessen scheinen mir dagegen die Versuche anderer, Trumps Entgleisungen zu beschönigen und sie mit dem Hinweis zu entschuldigen, das sei ja nur amerikanischer Wahlkampf und für sein Publikum daheim in den USA gedacht. Nein, es ist schlicht unverschämt.

Brüssel, Brexit, Putin

IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Immerhin hat Trump den Nato-Gipfel - bisher - nicht platzen lassen wie das G7-Treffen vor einigen Wochen. Heute geht es um den Einsatz in Afghanistan, bei dem, wie Merkel richtig bemerkte, Deutschland für die USA in den Krieg gezogen ist, sowie um die Beziehungen des Bündnisses zur Ukraine und Georgien. Trump reist dann weiter nach Großbritannien, vier Tage wird er im Reich des Brexits verbringen, bevor er zum Treffen mit Putin nach Helsinki fliegt. Den findet er ja "fine", nett. Wird er sich dort mit dem Mann, der angeblich Deutschland kontrolliert, verbünden?

Wie soll Brüssel reagieren?

REUTERS

Theresa May veröffentlicht heute in London Details ihres Brexit-Plans, der sie jüngst zwei Minister gekostet hat. Dann muss Brüssel auf die Vorschläge reagieren. In unserer Leitartikelrunde beim SPIEGEL haben wir gestern lange darüber diskutiert, was die EU tun sollte. Brüssel solle hart bleiben, wenn die Briten gehen wollten, müssten sie den Preis dafür zahlen - schon, damit sie keine Nachahmer finden. Das war die Meinung eines Teils der Runde. Meine ist es nicht. Ich glaube, dass die europäische Einheit nur als atmendes, flexibles System eine Zukunft hat. Mit Rigidität wird Brüssel die Union eher weiter auseinandertreiben. Nicht abstrafen, sondern so viel Gemeinsames bewahren wie möglich.

Verlierer des Tages...

AFP

... ist Horst Seehofer. Das ist nicht besonders originell, aber einfach wahr. Seehofer hat einen schlechten Witz gemacht, 69. Geburtstag, 69 Abschiebungen nach Afghanistan, zynisch war das, makaber, bestenfalls gedankenlos, ein richtig schlechter Witz eben. Dann kam die Wirklichkeit und zeigte noch einmal, wie zynisch, wie makaber sein schlechter Witz gewesen war. Einer der Abgeschobenen beging Suizid. Nun machen andere Witze über das Bleiberecht gescheiterter Politiker.

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Herzlich,

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
StefanZ.. 12.07.2018
1. Wie Brüssel mit EU-Kritik umgehen sollte
Da sehe ich 3 Varianten. Erstens den nennen wir es mal Trump-Stil, knallhart dem Gegenüber spüren lassen, wenn man am längeren Hebel sitzt und dann diese Vorgehensweise jedem auch Außenstehenden sichtbar werden lassen. Das zeugt von Kälte, Machtobzession, Rücksichtslosigkeit und Arroganz, ist aber zumindest nicht falsch, hinterhältig und verlogen. Die zweite Variante ist ein egoistisches Ausnutzen des Gegenübers mittels Tricksen, Täuschen, auch Erpressen, aber dabei immer darauf achtend, dass der schöne Schein gewahrt wird und niemand merkt, dass eine heimliche andere und gar nicht partnerschaftliche Agenda betrieben wird. Auch hier besteht kein ehrliches Interesse daran selbst etwas zu korrigieren, Kompromisse zu schließen oder Fehler einzugestehen. Ich lasse an dieser Stelle besser Namen und Beispiele weg. Erst die dritte Variante erscheint mir angebracht. Ein ehrliches Zuhören und empathisches Hineinversetzen in die Lage des Gegenübers. Offenheit für Kritik und Lernen, um gemeinsam bessere Zustände für die jeweiligen Bevölkerungen zu erreichen, Kompromissfähigkeit ohne arrogante Besserwisserei. Wer braucht eine reformresistente, auf Zwang basierende EU mit diktatorischen Zügen?
TheFunk 12.07.2018
2. Anstand, Herr Seehofer
Anständig wäre, nach einer solchen geschmacklosen Entgleisung zurück zu treten. Kümmern Sie sich um ihre Eisenbahn im Keller. Für sie Angestellten im öd haben sie schon keine wirkliche Gehaltssteigerung möglich gemacht, das Thema Bauen / Wohnen /Mieten ist ihnen fremd. Vollkommen versagt, von der Katastrophe von vor zwei Wochen mal abgesehen.
jufo 12.07.2018
3. Merkels Antwort auf Trump
Weiß Trump was die DDR war und was es bedeutete dort zu öeben? Es ist schwierig zu kommunizieren, wenn völlig verschiedene Lebenswirklichkeiten hatte. Daher glaube ich nicht, dass Trump Merkel verstehen kann.
Thrill66 12.07.2018
4. Kleinkind-Pädagogik anwenden
Ich verstehe nicht, wieso sich der Rest der Welt von Trump so in Sippenhaft nehmen läßt. Einfach mal ignorieren uns schon mal vorrausgehen, wens er es merkt wird er sich auf dem Bauch schmeisßen umd mit den Fäusten auf den Boden trommeln. Irgendwann wird er einsehen, dass er nicht allein auf der Welt ist und sein bester bester Freund auch nur ein Hallodri ist. Kleinkinder halt. Man braucht einen langen Atem. ... und ja, es nervt. Das war bei Ronald und George W. auch schon so, die waren nur nicht ganz so schlimm.
butzibart13 12.07.2018
5. er liebt sie/liebt sie nicht
4 Punkte zu den Animositäten zwischen Merkel und Trump: Frau, wirtschaftlich oft erfolgreich (Exportüberschüsse), länger an der Macht, als er es sein wird, gutes Verhältnis zum Erzfeind Obama. So wird es Trump sehen und das stört ihn. Ab und zu taucht mal ein Lob auf, aber das ist alles nur vorübergehend.
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