Parteitag Schulz bittet SPD um Entschuldigung

"Es ist nicht leicht, hier zu stehen": Martin Schulz übernimmt beim Parteitag die Verantwortung für die historische Wahlschlappe. Er bittet die Genossen um Entschuldigung - und verspricht einen Neustart.


SPD-Chef Martin Schulz hat die Sozialdemokraten und ihre Wähler nach der historischen Niederlage bei der Bundestagswahl um Entschuldigung gebeten. "Ich trage als Kanzlerkandidat die Verantwortung für dieses Wahlergebnis", sagte Schulz zu Beginn seiner Parteitagsrede am Donnerstag in Berlin.

Er wandte sich an alle, die der SPD vertraut und an sie geglaubt haben: "Bei all diesen Menschen bitte ich für meinen Anteil an dieser bitteren Niederlage um Entschuldigung." Die SPD hatte im September mit 20,5 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl bekommen.

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Er habe privat und politisch schon "so manches Auf und Ab" hinter sich, sagte Schulz vor rund 600 Delegierten, die am Nachmittag über die Aufnahme ergebnisoffener Gespräche mit der Union entscheiden und Schulz erneut zum SPD-Vorsitzenden wählen sollten. "Es ist nicht leicht, hier zu stehen nach so einem Jahr", sagte Schulz, so ein Jahr könne man nicht einfach abschütteln. "So ein Jahr steckt in den Knochen."

Er wisse, wie enttäuscht und wütend viele Menschen seien. "Ich kann die Uhr nicht zurückdrehen, liebe Genossinnen und Genossen, aber ich möchte als Parteivorsitzender meinen Beitrag dazu leisten, dass wir es besser machen."

Schulz versprach seiner Partei einen umfassenden Neubeginn. "Wir müssen schonungslos die letzten 20 Jahre aufarbeiten. Nicht, um uns (...) in rückwärtsgewandten Debatten zu verlieren, sondern um aus unseren Fehlern zu lernen." Es gelte, eine Vision zu entwickeln, die die Menschen begeistere, einen Gesamtentwurf für das Land, zu zeigen, wofür die Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert stehe.

"Wir haben nicht nur diese Bundestagswahl verloren, sondern die letzten vier. Wir haben nicht nur dieses Mal 1,7 Millionen Stimmen verloren, sondern zehn Millionen seit 1998 - die Hälfte unserer Wählerschaft", betonte der SPD-Chef vor rund 600 Delegierten.

phw/anr/dpa

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ernstmoritzarndt 07.12.2017
1. Neustart - was für eine Formulierung?
Die SPD startet doch dauernd neu, immer wieder mit überbordenden Ideen, die das ganze Land auf den Kopf stellen bzw. in eine blühende Zukunft führen sollen. Der letzte SPD - Kanzler, Herr Schröder, der tatsächlich etwas auf die Beine gestellt hat, wovon wir heute noch zehren, ist in den vergangenen Jahren nur noch niedergemacht worden, man will von ihm und seinen - tatsächlichen, nicht eingebildeten - Erfolgen nichts mehr wissen. Das hat man schon einmal vor mehreren Jahrzehnten gehabt. Helmut Schmidt galt lange Jahre als Schimpfwort in dieser Partei. Dabei waren weder Schmidt noch Schröder unfehlbar, aber sie haben beide etwas bewirkt. Was will Herr Schulz also? Das Wort "Gerechtigkeit" neu definieren? Da kann er Schröder ja mal fragen. Die Ausländerpolitik auf den Kopf stellen? Das haben andere schon versucht und gerade die SPD scheut sich davor, in dieser Beziehung ernsthaft etwas zu unternehmen. Sie beantwortet die Frage nicht, was mit ausreisepflichtigen Kriminellen geschehen soll. Sie beantwortet auch nicht die weitere Frage, weshalb Deutschland mehr Flüchtlinge und Asylanten (das ist sauber zu unterscheiden) aufnehmen und durchfüttern soll, als die gesamte übrige EU. Wenn die SPD diese Fragen nämlich überzeugend beantworten würde, hätten wir heute die AfD nicht oder allenfalls in verkleinerter Form (Untergang wie NPD läßt grüßen!).
Mondlady 07.12.2017
2.
Wann merkt Schulz endlich mal, dass die Mehrheit der Parteimitglieder und der restlichen SPD-Wähler keinen Bock mehr haben auf eine GroKo! Das Gefasel von "Verantwortung für das Land", das einige SPD-Politiker von sich geben, soll doch nur dazu führen, wieder Pöstchen zu erhaschen - das falsch, falscher geht's nicht! Besinnt euch endlich auf die Urwerte der SPD und lasst Frau Merkel am langen Arm verhungern!
Forist2 07.12.2017
3. Schröder regiert immer noch im Hitergrund mit !
Hat er der SPD nicht längst eine Agenda 2020 verpasst ? Noch mehr Sozialabbau, noch mehr Druck auf die Mittelschicht ? Die SPD kann sich nicht von Schröder trennen, hat man doch erst beim Wahlkampf wieder gesehen. Euch glaubt keiner mehr, denn von allen bürgernahen Vorhaben, werde ihr nichts in einer großen Koalition mit Merkel umsetzen können. Geht ihr die große Koalition dennoch ein, wird die SPD endgültig Geschichte sein.
Kurt-C. Hose 07.12.2017
4. Neustart?
Ich dachte das wr im Kjanuar/Februar ein Neustart... Jetzt schon wieder? Der Bart ist ab, Herr Schulz! Sie haben das nur noch nicht gemerkt, ansonsten hätten Sie sich längst wieder ein Plätzchen in Brüssel gesucht. Treten Sie endlich zurück, um den Neuanfang zu ermöglichen, von dem Sie immer nur reden!
The Restless 07.12.2017
5. Recht hat er
Verloren sind die letzten 4 Wahlen, und die Hälfte der Wählerschaft. Jetzt warte ich darauf, zu erfahren, was die Konsequenzen sein sollen.
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