Nach Ankündigung von Donald Trump USA bombardieren Chemiewaffen-Ziele in Syrien

Ein Forschungszentrum in Damaskus und ein Chemiewaffenlager in Homs wurden getroffen: Die USA haben zusammen mit Frankreich und Großbritannien Ziele in Syrien bombardiert.

AP

US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht zu Samstag in einer Fernsehansprache einen gemeinsamen Militärschlag mit Frankreich und Großbritannien in Syrien angekündigt. Kurz nach seiner Rede wurden mindestens sechs Explosionen in Syriens Hauptstadt Damaskus gemeldet.

Der Angriff war offensichtlich begrenzter als von vielen Seiten befürchtet. Laut syrischen Beobachtern wurden zwei wissenschaftliche Forschungseinrichtungen in Damaskus, eine in Homs und mehrere Militärstützpunkte getroffen. Das syrische Staatsfernsehen berichtet, das syrische Militär habe 13 Raketen abgefangen. Tote soll es nicht gegeben haben, aber mehrere Verletzte.

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums haben vier Flugzeuge der Royal Air Force eine frühere Raketenbasis etwa 24 Kilometer westlich von Homs beschossen. Dort sollen Produkte für chemische Kampfstoffe hergestellt worden sein.

Russland wurde über Ziele nicht informiert

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, es seien insgesamt doppelt so viele Waffen zum Einsatz gekommen wie beim Militärschlag im Vorjahr, bei dem die USA die syrische Luftwaffenbasis Al-Schairat angegriffen hatten als Vergeltungsschlag gegen den Einsatz von Giftgas in der syrischen Stadt Chan Scheichun. Derzeit seien nun keine weiteren Angriffe geplant, so Mattis. In seiner Ansprache hatte Trump gesagt: "Wir sind darauf vorbereitet, diese Antwort fortzusetzen, bis die syrische Regierung ihren Einsatz verbotener chemischer Waffen beendet."

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Syrien: Angriff in der Nacht

Sowohl Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron als auch Großbritanniens Regierungschefin Theresa May betonten, es handele sich um gezielte Angriffe auf Einrichtungen, die das syrische Regime zur Herstellung von Chemiewaffen nutze. Russland habe man über die Ziele nicht informiert, sagte Joseph Dunford, Generalstabschef des US-Militärs.

Russlands Botschafter in den USA, Anatolij Antonow, drohte den USA mit Konsequenzen. "Russlands Präsidenten zu beleidigen, ist inakzeptabel", twitterte er. "Die USA, die das größte Arsenal chemischer Waffen besitzen, haben kein moralisches Recht, andere Staaten zu verurteilen."

Donald Trump bei seiner Ansprache
AFP

Donald Trump bei seiner Ansprache

Der Militärschlag sei eine Vergeltung für den Giftgaseinsatz des syrischen Regimes in Duma, an dem nun kein Zweifel mehr bestehen könne, sagte Trump in seiner Fernsehansprache. "Dies sind nicht die Taten eines Menschen. Es sind die Verbrechen eines Monsters." Auch Russland und Iran müssten sich dafür verantworten: "Was für eine Art Nation würde im Zusammenhang stehen wollen mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern?"

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" hatte das US-Militär bereits mehrere Zeitfenster für einen Angriff vorbereitet, unter anderem eines in der Nacht zum Freitag. Verteidigungsminister James Mattis soll diese abgesagt haben, weil er mit Trump uneins war über das Ausmaß des Angriffs.

Trump hatte am Mittwochmorgen mit seiner Kriegsdrohung via Twitter selbst Militärs geschockt, dann ruderte das Weiße Haus zurück und Trump twitterte: "Habe nie gesagt, wann ein Angriff auf Syrien stattfinden würde. Könnte sehr bald sein oder gar nicht so bald!" Auch bei seinen eigenen Beratern hatte er damit für Verwirrung gesorgt.

vet/Reuters/AFP/AP/dpa

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