Nach Johnson-Rücktritt Jeremy Hunt wird neuer britischer Außenminister

Premierministerin Theresa May hat einen Nachfolger für den Posten des Außenministers bestimmt. Jeremy Hunt folgt auf den zuvor zurückgetretenen Boris Johnson.

Jeremy Hunt
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Jeremy Hunt


Die britische Premierministerin Theresa May hat Jeremy Hunt zum Nachfolger von Boris Johnson für das Amt des Außenministers bestimmt. "Die Queen ist erfreut, die Ernennung von Jeremy Hunt als Minister für auswärtige Angelegenheiten und Commonwealth-Fragen zu bestätigen", hieß es in einer offiziellen Mitteilung.

Der bisherige britische Gesundheitsminister Hunt folgt auf Boris Johnson, der im Streit um die Brexit-Politik von Theresa May seinen Rücktritt eingereicht hatte. Nachdem sich die Premierministerin am Freitag für einen sanfteren Kurs in den Brexit-Verhandlungen mit der EU ausgesprochen hatte, war bereits "Brexit-Minister" David Davis zurückgetreten.

Johnson und Davis gehörten zu den Brexit-Hardlinern des Kabinetts. Sie vertreten einen sogenannten harten Brexit, der notfalls auch einen Austritt ohne Abkommen mit der EU in Kauf nehmen würde.

Ein loyaler Gefolgsmann für May

Jeremy Hunt, 51, hat das Gesundheitsministerium so lange geleitet, wie kein anderer vor ihm in der Nachkriegszeit. Das Gesundheitssystem in Großbritannien gilt als marode, demnach ist auch das Amt des Gesundheitsministers sicherlich kein einfacher Job.

Hunt kommt aus wohlhabendem Hause, besuchte eine angesehene Schule und studierte in Oxford - eine typische britische Politiker-Karriere. Der verheiratete Vater eines Sohnes und zweier Töchter sitzt seit 2005 als Konservativer im britischen Unterhaus, er vertritt dort den südenglischen Wahlkreis South West Surrey.

Im Brexit-Referendum setzte er sich - wie May - für den Verbleib Großbritanniens in der EU ein, hat aber inzwischen die in der Volksabstimmung geschaffenen Fakten akzeptiert. Wo bisher also Brexit-Hardliner Boris Johnson der Regierungschefin das Leben schwer machte, übernimmt nun ein loyaler, manche würden sagen, angepasster Gefolgsmann.

Skandal um Verbindungen zu Medienmogul Murdoch

Skandalfrei war Hunts politische Karriere nicht. Vor Jahren war er sogar als möglicher Parteichef der konservativen Tories im Gespräch, dann stolperte er beinahe über den folgenreichen Skandal um enge Verbindungen britischer Politiker zum Medienmogul Rupert Murdoch und den Bezahlsender-Anbieter BSkyB, der inzwischen nur noch Sky heißt.

Das war 2012. Aber der damalige Premier David Cameron hielt zu Hunt, zu der Zeit Kultur- und Medienminister, und machte ihn wenig später zum Gesundheitsminister.

ans/Reuters/AP/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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GSYBE 10.07.2018
1. ich wünsche mir
Ich wünsche mir mehr Gewissenhaftigkeit von Qualitätsjournalismus...: "....hat aber inzwischen die in der Volksabstimmung geschaffenen Fakten akzeptiert." Es war KEINE Volksabstimmung, sondern nur ein unverbindliches (voluntary) Referendum! Eine Volksabstimmung ist ein `mandatory referendum´.
scream queen 10.07.2018
2. "Skandalfrei war Hunts politische Karriere nicht."
Das kann man wohl sagen: Als Gesundheitsminister hat der Mann versucht, den National Health Service heimlich an private Konzerne zu verscherbeln, und die Öffentlichkeit darüber glatt belogen, wie Stephen Hawking letztes Jahr in einem Leserbrief an den Telegraph enthüllte. Es wird immer noch besser und noch absurder.
der_rookie 10.07.2018
3. Hm
Bemerkenswerterweise kneifen nun alle Gesichter der Pro-Brexit Kampagne dabei Verantwortung fuer den Brexit zu uebernehmen.
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