US-Militärschlag Was über die Luftangriffe gegen Syrien bekannt ist

Die USA und ihre Verbündeten haben mit Kampfflugzeugen Syrien angegriffen. Wie umfangreich waren die Luftschläge? Welche Ziele trafen sie? Und wer wurde vorab informiert? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Britisches Kampfflugzeug nach Luftangriff in Syrien
AFP

Britisches Kampfflugzeug nach Luftangriff in Syrien


Die USA, Großbritannien und Frankreich hatten in der Nacht Ziele in Syrien mit Marschflugkörpern angegriffen - als Vergeltungsmaßnahme für den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Der Westen macht dafür Syriens Regierung unter Präsident Baschar al-Assad verantwortlich. Assad und seine Verbündeten weisen dies zurück - Russland wirft etwa Großbritannien vor, den mutmaßlichen Giftgasangriff in Ost-Ghuta mitinszeniert zu haben.

Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) versuchen, Klarheit zu schaffen. Sie setzten ihren Einsatz fort. Es gehe darum, die Behauptungen über den Einsatz von Chemiewaffen vor einer Woche in der damals noch von Rebellen kontrollierten Stadt Duma in der Region Ost-Ghuta zu überprüfen, teilte die die Organisation in Den Haag mit. (Einen Faktencheck dazu lesen Sie hier.) Die OPCW-Experten hatten sich am Donnerstag auf den Weg nach Syrien gemacht. Die Ermittler sollen ihren Bericht binnen 30 Tagen dem Exekutivrat der OPCW übergeben.

Was ist über die Angriffe bekannt? Der Überblick.

Welche Orte wurden angegriffen?

  • Militärflughafen Dumair: Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge wurde der Militärflughafen Dumair östlich von Damaskus angegriffen. Die syrische Luftabwehr habe aber alle zwölf Geschosse abgefangen, hieß es in Moskau. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass keine Raketen in Dumair eingeschlagen seien. Von dem Flughafen östlich von Damaskus sollen die gestartet sein, die nach westlichen Angaben den Giftgasangriff in Duma in dem Gebiet Ost-Ghuta am Samstag vor einer Woche ausführten. Von dem Flugplatz starteten auch die Kampfjets, die in den vergangenen Wochen die damalige Rebellenhochburg Ost-Ghuta bombardierten. Bei der Offensive starben Menschenrechtlern zufolge weit über tausend Zivilisten.
  • Forschungszentrum in Barsah: Ein Gebäude der Forschungseinrichtung nördlich von Damaskus wurde der syrischen Armeeführung zufolge beschädigt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete später, es sei zerstört worden. In Barsah ist eine Zweigstelle des staatlichen Zentrums für wissenschaftliche Studien und Forschung untergebracht. Es soll laut Medienberichten Chemiewaffen entwickelt haben.
  • Lagerstätte in Schien: In dem Depot westlich der Stadt Homs in Zentralsyrien lagerte dem Generalstabschef des US-Militärs, Joseph Dunford, zufolge der chemische Kampfstoff Sarin. Nach US-Angaben soll es sich auch um eine Kommandozentrale gehandelt haben. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, in Schien sei auch eine Forschungseinrichtung gewesen. Die syrische Armee meldete drei verletzte Zivilisten durch den Angriff.

Video: USA bombardieren Chemiewaffen-Ziele in Syrien

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Wurde Russland vorab informiert?

Ja. Die USA haben nach SPIEGEL-Informationen Russland kurz vor dem Angriff informiert. Die US-Streitkräfte wandten sich von ihrem Hauptquartier in Qatar an den russischen Generalstab. Dabei wurde vor dem Angriff nur gewarnt, um mögliche Kollisionen der abgefeuerten Raketen mit russischen Flugzeugen im syrischen Luftraum zu vermeiden. Informationen über die geplanten Ziele gaben die USA dieses Mal nicht heraus - anders als bei einem Luftschlag vor einem Jahr. Allerdings konnten sie sich sicher sein, dass an den drei nun angegriffenen Orten keine russischen Soldaten sein konnten.

Nato-Militärs gehen dennoch von einer engen Absprache zwischen US und Russland aus, auch wegen der Nähe von Kriegsschiffen im Mittelmeer. Ein erfahrener General spricht davon, auch der Überflug von Kampfjets über von Russen befahrenes Seegebiet müsse abgesprochen sein.

Ging Russland gegen den Angriff vor?

Russland bekämpfte nach SPIEGEL-Informationen den Angriff nicht mit einem eigenen System, also der modernen Luftabwehr (S-400). Diese Systeme hätten viele der Mittelstreckenraketen abfangen können - das allerdings wäre ein direkter Konflikt mit den USA gewesen, den Russland offenbar vermeiden wollte. So feuerte allein die syrische Luftabwehr nahe Damaskus. Sie ist allerdings wegen des Alters der Systeme nicht zum Abschuss der relativ tief fliegenden Cruise Missiles in der Lage.

Drangen westliche Kampfjets in syrischen Luftraum ein?

Nach bisherigem Kenntnisstand nein. Informationen des SPIEGEL zufolge feuerten zumindest die französischen und britischen Flugzeuge aus sicherer Entfernung über dem Mittelmeer. Die Briten benutzten offenbar sogenannte Shadow Strike Rockets.

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Syrien: Angriff in der Nacht

Wie bewerten Militärs den Luftangriff?

Experten verbuchen nach SPIEGEL-Informationen den Angriff unter "minimal impact", also der kleinsten und risikoärmsten Variante. Die Ziele stehen in direktem Zusammenhang mit den Giftgasangriffen. Zudem wurden keine Ziele getroffen, die direkt Assad zuzurechnen sind, etwa sein Palast.

War Deutschland vorab informiert?

Ja, aber nicht im Detail. US-Verteidigungsminister James Mattis telefonierte nach SPIEGEL-Informationen kurz vor dem Angriff mit seiner deutschen Amtskollegin Ursula von der Leyen - allerdings ohne Details über die Pläne zu nennen.

Wie sind die Reaktionen?

Die Bewertungen des Angriffs zeigen einmal mehr, wie gespalten die Staaten beim Thema Syrien sind. In Washington, Paris, London und Berlin hält man die Luftschläge für angemessen und notwendig, aus Moskau, Teheran und Damaskus kommt scharfe Kritik. Einen Überblick über die internationalen Reaktionen finden Sie hier. Die Einschätzungen deutscher Politiker lesen Sie hier.

red/dpa

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