Ex-Außenminister Sigmar Gabriel fordert härtere Gangart gegenüber Trump

Beim Nato-Gipfel eskalierte der Streit zwischen US-Präsident Trump und den anderen Mitgliedstaaten. Für Ex-Außenminister Gabriel ist das ein Unding. "Das können wir uns schwer bieten lassen", sagte er dem SPIEGEL.

Sigmar Gabriel
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Angesichts des jüngsten Agierens von Donald Trump hat Ex-Außenminister Sigmar Gabriel eine härtere Gangart gegenüber dem US-Präsidenten gefordert. "Er gibt dem nordkoreanischen Diktator eine Bestandsgarantie und will gleichzeitig in Deutschland einen Regimewechsel. Das können wir uns schwer bieten lassen", sagte Gabriel dem SPIEGEL.

"Wir dürfen uns keine Illusionen mehr machen. Donald Trump kennt nur Stärke. Dann müssen wir ihm zeigen, dass wir stark sind. Wenn er von uns Milliarden zurückfordert für die Militärausgaben der USA, dann müssen wir von ihm Milliarden zurückfordern, die wir für die Flüchtlinge ausgeben müssen, die gescheiterte US-Militärinterventionen zum Beispiel im Irak produziert haben."

Trump hatte während und nach dem Nato-Gipfeltreffen die anderen Mitgliedstaaten scharf kritisiert und bei den Verteidigungsausgaben unter Druck gesetzt. Lieblingsziel des US-Präsidenten war Deutschland. Dabei hatte er sogar eine Drohung ausgesprochen: Wenn nicht alle Nato-Partner bis Januar 2019 das Zwei-Prozent-Ziel erreichten, "muss ich mein eigenes Ding machen".

(Mehr zur Aktion "Deutschland spricht" finden Sie hier .)

Laut Gabriel müsse Deutschland gleichzeitig in die USA investieren und gezielt die Kontakte zu Gouverneuren, Senatoren und jungen Amerikanern suchen. "Denn Amerika wandelt sich. In wenigen Jahren wird die Mehrheit der US-Bürger keine europäischen Wurzeln haben, sondern asiatische, lateinamerikanische und afrikanische. Das wird ein anderes Amerika als das, was wir seit 70 Jahren kennen. Aber auch anders als das heutige Trump-Amerika. Das ist eine große Chance für uns."

Gabriel rief die Bundesregierung zudem dazu auf, eine kreative Lösung für die in der Nato vereinbarten Wehrausgaben in Höhe von zwei Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts zu finden (Das vollständige Interview lesen Sie hier). "Wir könnten zum Beispiel 1,5 Prozent in die Bundeswehr pro Jahr investieren und 0,5 Prozent in die europäische Verteidigung, etwa für Osteuropa innerhalb der Nato", sagte Gabriel. "Das machen bislang nur die USA. Wir Deutschen würden zeigen, dass wir auch für Osteuropa Verantwortung für die dortige Sicherheit übernehmen. Für die Balten und die Polen zum Beispiel, die sich durch die russische Aufrüstung am meisten bedroht fühlen. Und wir würden uns unabhängiger von den USA machen."



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