Trump beim Nato-Gipfel Geschwafel eines Handlungsreisenden

Donald Trumps Attacken gegen Nato-Partner wie Deutschland richten erheblichen Schaden an. Das Bündnis jedoch wird trotzdem weiter bestehen - aus einem einfachen Grund.

Donald Trump
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Nein, die Nato ist nicht tot. Und Donald Trump wird sie nicht beerdigen. Dafür sorgen die wahren Verbündeten der Europäer in Washington: die Mitglieder des US-Senats. Mit 97 zu 2 Stimmen haben sie ihrem Präsidenten pünktlich zu Beginn seiner Visite in Europa in einer Resolution einen klaren Auftrag mitgegeben: Hände weg von der Nato!

Da auch der US-Präsident nicht allmächtig ist, wird sich Donald Trump tunlichst daran halten. Sein rüpelhaftes Auftreten in Brüssel, seine Attacken gegen Deutschlands Gasgeschäfte mit Russland sind eine Show für die Abendnachrichten in der Heimat. Er will seinen Unterstützern einmal mehr demonstrieren, dass er der starke Mann ist, der anderen Ansagen macht, der immer im Mittelpunkt steht.

Mehr als das Geschwafel eines Handlungsreisenden ist das aber nicht. Trump ist kein Außenpolitiker, kein Diplomat, sondern im Hauptberuf Populist und im Nebenberuf Geschäftsmann. Er braucht Sündenböcke für alles, was in Amerika schiefläuft. Zugleich will Trump den störrischen Deutschen und den anderen Europäern amerikanische Waffen verkaufen, deshalb die Forderung nach höheren Verteidigungsausgaben. Und die deutsch-russische Gas-Pipeline missfällt ihm vor allem, weil er den Europäern gerne amerikanisches Fracking-Gas andrehen würde.

Beim Gipfel in Brüssel zeigt sich ansonsten: Im Grundsatz bleibt der Kern der Nato, das Beistandsversprechen, auch unter Trump unberührt. Die USA halten am westlichen Bündnis fest. Und sie stehen weiter zur Eindämmung des russischen Einflusses in Europa.

Der Senat legt Trump an die kurze Leine

Auch wenn Trump selbst die Nato vielleicht am liebsten verlassen würde, weil sie ihm nur teuer und obsolet erscheint, bleibt ihm keine andere Wahl. Der Senat, in dem viele Kenner der Materie sitzen, die von seiner bisherigen "Performance" in der Außenpolitik alles andere als überzeugt sind, hat ihn mit seiner klaren Pro-Nato-Resolution an die kurze Leine gelegt. Hält er sich nicht daran, können ihm die Abgeordneten das Leben sehr schwermachen.

Iran, Nahost, Russland-Sanktionen, Nordkorea - die 100 Senatoren haben in der Außenpolitik praktisch überall entscheidende Mitsprachrechte, von denen sie auch Gebrauch machen. Die Abgeordneten, Republikaner wie Demokraten, sind die wahren Garanten der transatlantischen Allianz. Sie sitzen in Brüssel nicht mit am Tisch, aber sie führen die Regie.

Natürlich gibt es auch unter den Senatoren Kritik an Europa und Deutschland, zum Beispiel sehen viele wie Trump das Gasprojekt Nord Stream 2 skeptisch. Auch kritisieren sie die deutschen Verteidigungsausgaben als zu gering. Aber sie würden deshalb nie die Grundsätze des Bündnisses infrage stellen. In dieser Frage herrscht in Washington zwischen den politischen Lagern eine seltene, ja, überwältigende Eintracht, gegen die Trump nicht ankommt.

Die Atmosphäre wird vergiftet

In Europa wird all dies gerne übersehen, wenn jetzt wieder mit düsteren Worten das Ende der Allianz beschworen wird. Die Nato wird Trump überleben, und das gilt auch für die deutsch-amerikanische Partnerschaft.

Gleichwohl bedeutet das natürlich nicht, dass Trumps Auftreten in Brüssel, seine Attacken gegen wichtige Verbündete wie Deutschland ohne Folgen bleiben. Deutschland wird sich weiter mit der Kritik der Amerikaner an den eigenen Rüstungsausgaben und an der Energiepolitik auseinandersetzen müssen. Und Trumps aggressives Auftreten schwächt das Bündnis, er vergiftet die Atmosphäre zwischen Partnern. Er macht die Suche nach gemeinsamen Lösungen für Probleme nicht leichter. Das freut alle Gegner, Russland zum Beispiel.

Es bleibt deshalb wichtig, dass die Europäer Trump immer wieder beharrlich zur Ordnung rufen und gegen seine spalterische Politik Widerstand leisten. Die Europäer werden den Präsidenten und seine Wähler kaum beeindrucken, aber sie stärken ihr Bündnis mit jenen Kräften in Amerika, die Trump und seine Außenpolitik genauso kritisch sehen wie sie. Gemeinsam müssen sie den Schaden, den Trump anrichtet, möglichst begrenzen. Die Europäer, auch die Deutschen, haben dort mehr Freunde, als es im Trump-Zeitalter manchmal den Anschein hat.



insgesamt 165 Beiträge
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Seite 1
braumoeller73 11.07.2018
1. Weniger Ausgaben.
Anstatt 2 Prozent fuer Militaer auszugeben sollte man besser das Geld in Zukunftstechnologien und Frieden-stifftende Massnahmen investieren! (Kein Krieg ist gerechtfertigt, jedes Leben ist heilig...)
hzj 11.07.2018
2. Nur noch "deutsch-amerikanische Partnerschaft"
Gut, dass nicht mehr von Freundschaft geschrieben wird. Trump hat so viel Porzellan zerschlagen, dass es lange dauern wird, bis so etwas wie "Freundschaft" wieder wachsen kann. Wenn überhaupt, erst in der Ära nach Trump. Wobei niemand heute vorhersehen kann, wie weit die Veränderungen in Wirtschaft und Politik noch von ihm und seinen NeoCons noch führen werden. Das kann jetzt sehr gut auch der Anfang vom Ende der weltweiten US Dominanz werden. Die US Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die "westlichen Werte" sind jedenfalls bereits extrem angegriffen.
kritikderreinenvernunft 11.07.2018
3. Wenn, dann bitte richtig
Sehr geehrter Herr Nelles, ich wußte nicht, dass Russland unser Gegner ist. Wenn das die aktuelle Doktrin der Nato sein sollte, dann will ich hier nicht sein. Auch muss man klar sagen, dass die Vermischung von Wirtschaft und Verteidigung in der Art und Weise wie sie durch die Amerikaner geschieht, einfach nicht statthaft ist. Wenn man sich dann auch noch klar macht, dass die Nato eigentlich nur als Schutzschild Amerikas gegenüber Russlands gedacht war - und offenbar wieder ist - und in nahezu sämtlichen Szenarien eine Zerstörung Europas in Kauf genommen wird, dann stellt sich noch viel weitergehend die Frage nach einem Bündnis, das seine Daseinsberechtigung nur aus beständigen Konflikten erhält. Hält man sich dann noch vor Augen, dass der gesamte Verteidigungshaushalt Russlands mit ca. 66 Mrd USD nur etwa ein drittel höher ist, als der Deutschland und nichts im Vergleich zu den ca. 900 Mrd.USD der Nato, dann fragt man sich schon, wen man sich da zum "Gegner" aufbaut und in wessen Interesse das liegt.
littletruth 11.07.2018
4. Mir gehen langsam die Überschriften aus,
das Geschehen um diesen Tausendsassa zu kommentieren. Wie schön war es doch mit meinen Lieblingen Reagen & 2x Bush! Da wusste man wenigstens in etwa, woran man war. Da waren die Skandale noch überschaubar. Aber was uns die USA-Politik mit dieser aktuellen Gestalt antut, stellt alles Dagewesene in den Schatten. Bei DT habe ich gelernt: grundsätzlich "alle Kraft voraus". Flurschäden der übelsten Art inbegriffen. Gibt es denn dort Niemanden, der diesem Poiltberserker das kleinstmögliche diplomatische 1x1 erläutert?
claus7447 11.07.2018
5. Was kratzt es den Mond, wenn der Wolf in anheult,
Nein ganz so ist es nicht. Aber ruhig Blut. Ich weiß ja nicht woher die zwei Prozent herkommen, die D noch nie geleistet hat, braucht man die oder ist es einfach EFFIZIENZ die unsere Bundeswehr braucht. Es sollte doch möglich sein, mit dem Geld den Laden am laufen zu halten, und nicht hinterher wegen fehlender Stiefel Manöver ausfallen zu lassen! Die Privatisierung kostet vermutlich mehr als sie einspart. Gleichzeitig geht Know-how verloren. Uschi, such dir einen anderen Spielplatz, vielleicht sollte man mal einen Ex-General zum BfV machen. Aber Trampel kommt, Tramplel geht... und wenn man jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt, so bewegt sie sich nicht, denn heiße Luft wiegt nichts.
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