Frankreich Präsident Macron will mit Europas Liberalen in den Wahlkampf ziehen

Das Buhlen der FDP und ihrer Verbündeten war erfolgreich: Die Bewegung La République en Marche des französischen Präsidenten Macron hat entschieden, mit den Liberalen ein Bündnis für die Europawahl zu schmieden.

Emmanuel Macron
AFP

Emmanuel Macron

Aus Madrid berichtet


Erste Gerüchte hatten bereits am Vorabend im Mariott Airport Hotel von Madrid die Runde gemacht. Doch erst als Astrid Panosyan, die Abgesandte des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, am Freitagvormittag beim Kongress der europäischen Liberalen (ALDE) in der spanischen Hauptstadt ans Rednerpult trat, gab es Gewissheit: Macrons Bewegung La République en Marche will mit den Liberalen in den Europawahlkampf 2019 ziehen."Um es euch in aller Klarheit zu sagen", sagte Panosyan, "ALDE ist das Herz der Koalition, die En Marche bauen will."

Damit haben die Wochen des Wartens ein Ende. Seit Macron mit seiner Bewegung En Marche die französische Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, rätselten die etablierten Parteien in Europa, mit wem der Franzose in die Europawahl im kommenden Jahr ziehen will. Christdemokraten, Sozialdemokraten, Grüne, Liberale - Macrons Vertreter hatten in den vergangenen Monaten etliche Gespräche geführt. Alle außer die Nationalisten hatten die Dynamik für eine Reform der EU begrüßt, die Macron mit seiner Europarede entfacht hatte.

Kongress der europäischen Liberalen
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Kongress der europäischen Liberalen

Lange sah es daher so aus, als strebe Macron ein möglichst breites und loses Bündnis für die Europawahl an. Europas Liberale, die sich von einer Kooperation mit En Marche besonderen Schwung erhoffen, waren davon nicht sonderlich begeistert, schließlich hätte das ihren liberalen Markenkern aufgeweicht.

In Madrid stellte Macrons Abgesandte nun klar, dass es zwischen En Marche und den ALDE-Parteien die meisten Übereinstimmungen gebe. "Ihr gabt uns die europäische Glaubwürdigkeit, die wir nötig hatten ", rief Panosyan den Delegierten zu. "En Marche wäre ohne euch nicht möglich gewesen."

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer begrüßte die Erklärung von En Marche

Vor allem für die deutsche FDP ist das eine gute Nachricht. Frankreichs Präsident soll sich im vergangenen Jahr kritisch über Deutschlands Freidemokraten geäußert haben. Vor allem Macrons Idee eines Eurozonen-Haushalts sieht die FDP skeptisch. Im Bundestagswahlkampf hatte sich die Partei gegen eine weitere Vergemeinschaftung von Schulden ausgesprochen, das Wahlprogramm sah sogar die langfristige Abschaffung des Euro-Rettungsschirms ESM vor - eine Forderung, die FDP-Chef Christian Lindner mittlerweile nicht mehr erhebt.

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer begrüßte die Erklärung von En Marche: "Dem Ziel, aus der Mitte der europäischen Gesellschaft etwas für die Zukunft der Bürger in der EU zu tun, sind wir heute einen großen Schritt nähergekommen ", sagte die designierte Spitzenkandidatin für die Europawahl. " Wir europäischen Liberalen wollen mit Macron zusammen mehr Europa, wo es nötig ist. "

Dies gelte vor allem für die Außen- und Verteidigungspolitik. "Und wir wollen Reformen, damit Europa finanz- und wirtschaftspolitisch stabiler wird." Dafür würden En Marche, die FDP und Europas Liberale von nun an in einem gemeinsamen Wahlbündnis kämpfen.

In einem wichtigen Punkt kamen die Liberalen in Madrid auch Macron entgegen: Der ALDE-Rat entschied, nicht mit nur einem europäischen Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen. Dieses Modell lehnt der französische Präsident strikt ab. Stattdessen soll nun ein Team von Spitzenkandidaten gebildet werden.



insgesamt 8 Beiträge
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kommentator24de 09.11.2018
1. Emmanuel macht auch Fehler
Aber der französische Präsident verdient absolut Respekt. Er ist einer der wenigen Politiker, die auch Entscheidungen angehen, die auf den ersten Blick unangenehm aussehen. Aber er verliert eben nicht den Blick aufs Ganze. Wir brauchen mehr Macrons!!!
yoda56 09.11.2018
2. Vielleicht sollte Herr Macron sich mal informieren,...
...was für eine populistische und unsolidarische Laus er sich mit der FDP in den Pelz setzt.
hwmueller 09.11.2018
3. Ein hoch auf die Wirtschaft...
....es liebe der freie Markt und ab ins 20zigste Jahrhundert....
Raisti 09.11.2018
4.
Zitat von kommentator24deAber der französische Präsident verdient absolut Respekt. Er ist einer der wenigen Politiker, die auch Entscheidungen angehen, die auf den ersten Blick unangenehm aussehen. Aber er verliert eben nicht den Blick aufs Ganze. Wir brauchen mehr Macrons!!!
Wir haben doch bereits einen Überschuss davon. Seine ursprüngliche Popularität beruhte doch auf dem klassischen Wahlkampf, in dem er versprach für den kleinen Mann zu kämpfen. Doch als er gewählt war, hat er doch sofort die Maske fallen lassen und auch wieder nur Poltik für die Reichen gemacht. Sorry an dieser art Politiker, haben wir nirgendwo in Europa, einen Mangel, sondern einen massiven Überschuss. Wäre nett wenn Sie etwas genauer werden könnten, was an Macron so besonderes sein soll.
andneu 09.11.2018
5. @kommentator24de
Zitat von kommentator24deAber der französische Präsident verdient absolut Respekt. Er ist einer der wenigen Politiker, die auch Entscheidungen angehen, die auf den ersten Blick unangenehm aussehen. Aber er verliert eben nicht den Blick aufs Ganze. Wir brauchen mehr Macrons!!!
Geschenke und Wohltaten an Vermögende und Unternehmen sehen für diese Leute aber gar nicht unangenehm aus.
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