Gipfelort Warum sich Trump und Kim in Singapur treffen

Der Gipfel zwischen Kim Jong Un und Donald Trump ist für Singapur ein echter Coup. Die Wahl fiel vor allem wegen des Sicherheitsstandards auf den Stadtstaat - für den die Bürger einen hohen Preis zahlen.

Straßenansicht in Singapur
imago/ robertharding

Straßenansicht in Singapur

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Sie sind in Singapur nur schwer zu finden: weiß-grau verklebte Kaugummireste auf den Bürgersteigen. Das Kaugummiverbot in dem Stadtstaat ist berüchtigt. Das Gesetz ist zwar inzwischen gelockert, man kann das Kaugummi aus "medizinischen Gründen" in Apotheken kaufen. Es auf die Straße zu spucken, ist aber weiterhin verboten.

Wo in anderen südostasiatischen Ländern ringsum Chaos auf den Straßen herrscht, findet das Leben in Singapur in riesigen, modernen Einkaufszentren statt. Essensstände, die etwa in Bangkok oder Taipeh das Stadtbild prägen, sind in sogenannte Food Courts gedrängt. Das Leben der Menschen ist zudem stark reglementiert: So wird Jugendlichen in Broschüren nahegelegt, auf Sex zu verzichten, und Rauchen ist nur in extra ausgezeichneten Bereichen erlaubt.

Gerichte können eine Prügelstrafe verhängen, Untersuchungshaft kann ohne weitere Prüfung angeordnet werden, Telefone dürfen ohne Gerichtsentscheidung abgehört werden, Homosexualität wird kriminalisiert, listet das US-Außenamt in einem Bericht aus dem Jahr 2017 weiter auf. Sowohl die Berichterstattung in heimischen Medien als auch größere Versammlungen unterliegen staatlicher Kontrolle.

Stadtansicht in Singapur
imago/ AFLO

Stadtansicht in Singapur

Das Ergebnis des rigiden staatlichen Eingriffs in dem durch Bankgeschäfte reich gewordenen Land, ist ein eher westlich als asiatisch anmutender Staat. Doch die aufgezwungene Ordnung wird in den kommenden Wochen durch ein Großereignis auf die Probe gestellt.

US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un wollen sich dort am 12. Juni zu Gesprächen treffen. Es heißt, Trump hätte eigentlich den Grenzort Panmunjom zwischen Nord- und Südkorea favorisiert - weil von ihm mehr Symbolkraft ausgeht. Seine Berater sollen aber auf Singapur beharrt haben, um Kim - buchstäblich - nicht zu sehr entgegenzukommen.

Der Einparteienstaat, der seit 1965 unabhängig ist, gilt als sicherstes Land Asiens und hat eine hochmoderne Gefahrenabwehr. Er liegt zwischen zwei muslimisch geprägten Ländern - Malaysia und Indonesien -, in denen Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) leben. Bislang hat Singapur mögliche Terroranschläge durch Islamisten weitestgehend verhindern können. Auch deshalb bot es sich als Alternative zum koreanischen Grenzort an.

Der Stadtstaat bietet noch weitere Vorteile für das Treffen:

  • Diplomatische Beziehungen: Singapur hat eine enge Beziehung zu den USA - unterhält aber auch mit Nordkorea seit 1975 diplomatische Kontakte. Pjöngjang ist durch eine Botschaft im Stadtinneren der Finanzmetropole vertreten. Allerdings kam es im vergangenen Jahr zu Spannungen beider Länder, als Singapur die Uno-Sanktionen gegen Nordkorea unterstützte. Auch zu China, das darauf drängt, in die Verhandlungen zu einer Abrüstung Nordkoreas miteingebunden zu werden, hat Singapur eine enge Verbindung: Ein Großteil der Einwohner hat chinesische Wurzeln.
  • Erfahrung mit wichtigen Gipfeln: Die guten Beziehungen zu China waren auch eines der Argumente, weshalb Singapur schon 2015 zum Schauplatz eines historischen Gipfels wurde. Damals trafen sich dort der chinesische Präsident Xi Jinping und der damalige taiwanische Präsident Ma Ying Yeou. Außerdem treffen sich in Singapur jedes Jahr hochrangige Politiker zum Shangri-La-Dialog, dem wichtigsten Sicherheitsforum Asiens. Dabei kamen in der Vergangenheit bereits auch Vertreter aus den USA und Nordkorea zusammen.
Taiwans damaliger Präsident Ma Ying Jeou, Xi Jinping in Singapur 2015
REUTERS

Taiwans damaliger Präsident Ma Ying Jeou, Xi Jinping in Singapur 2015

  • Nähe zu Nordkorea: Anders als etwa die Schweiz, über die ebenfalls als Ort des Treffens zwischen Kim und Trump spekuliert wurde, ist Singapur für den Machthaber Kim relativ einfach zu erreichen. Er kann die 5000 Kilometer in seinem Privatflugzeug zurücklegen, mit dem er vor wenigen Tagen auch schon ins chinesische Dalian gereist war - ohne einen Tank-Zwischenstopp einschieben zu müssen.

Nur wenige Wochen bleiben nun, um das Treffen vorzubereiten. US-Außenminister Mike Pompeo reiste für die Feinabstimmung gerade erst nach Pjöngjang. Trump twitterte, er erwarte einen "besonderen Moment für den Weltfrieden". Das Außenministerium Singapurs gab sich etwas zurückhaltender: "Wir hoffen, dass das Treffen die Aussichten auf Frieden auf der koreanischen Halbinsel befördern wird", hieß es in einer Mitteilung.



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