Absage via Twitter Trump bläst Besuch in London ab

Im Februar sollte Donald Trump die neue US-Botschaft in London einweihen, doch daraus wird nichts. Der Präsident liefert auf Twitter eine harsche Begründung. Doch es steckt wohl etwas anderes dahinter.


"Ich soll das Band durchschneiden? NEIN": Mit einem Tweet hat Präsident Donald Trump eine Londonreise zur Eröffnung der neuen US-Botschaft in Großbritannien im Februar abgesagt.

Die US-Regierung unter seinem Amtsvorgänger Barack Obama habe die bisherige "bestgelegene und feinste" Botschaft in London für "Peanuts verkauft", nur um in einer abgelegenen Gegend eine neue für 1,2 Milliarden Dollar zu bauen.

Freilich steckt in dem Tweet mindestens eine Unwahrheit: Die Verlegung der Botschaft setzte nicht die Obama-Regierung in Gang, sie wurde 2008 unter Präsident George W. Bush beschlossen. Der Grund war die Anfälligkeit des bisherigen Botschaftsgebäudes für Terroranschläge.

Bisherige Botschaft im Nobelstadtteil Mayfair
AP

Bisherige Botschaft im Nobelstadtteil Mayfair

Eine Einladung Trumps durch Queen Elizabeth hatte Premierministerin Theresa May vor einem Jahr bei ihrem Antrittsbesuch im Weißen Haus ausgesprochen. Damals hatte Trump die "ganz besondere Beziehung" zwischen seinem Land und Großbritannien betont. Die Briten zählen traditionell zu den engsten US-Verbündeten in Europa.

Allerdings ist der Widerstand im Land gegen Trump gewaltig: 1,8 Millionen Briten haben eine offizielle Parlamentspetition gegen den Staatsbesuch unterzeichnet, das Parlament debattierte ausführlich, ein Oppositionsabgeordneter sprach von "Händchenhalten mit dem Faschisten Trump".

Donald Trump
AFP

Donald Trump

Die linksliberale Zeitung "The Guardian" vermutet darin den eigentlichen Grund für Trumps getwitterte Absage. Laut "Guardian" erschien die Botschaftseröffnung bislang als elegante Lösung für einen Trump-Staatsbesuch mit reduziertem Programm - angesichts von geplanten Massenprotesten und dem Unwillen vieler Briten, Trump im Parlament und vor der Queen sprechen zu lassen.

Nach der Absage soll nun US-Außenminister Rex Tillerson die Botschaftseinweihung übernehmen.

cht

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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
.patou 12.01.2018
1.
Auch wenn man inzwischen weiß, wie hysterisch Trump auf Kritik reagiert, ist es doch immer wieder verblüffend, wie erbärmlich durchsichtig und für alle Welt sichtbar erlogen seine Ausreden sind. Der Gedanke an gegen ihn gerichtete Massenproteste in London und das entsprechende weltweite Medienecho muss ihn wirklich zur Weißglut treiben. Wäre Trump ein älteres Familienmitglied, würde man versuchen Maßnahmen ergreifen, um ihn vor sich selbst bzw. weiterer öffentlicher Selbst-Blamage zu schützen.
el_jefe 12.01.2018
2. Nicht von dem Tweet ist wahr
Das neue Botschaftsgebäude wurde von George W. Bush 2008 im Auftrag gegeben. Das frühere Botschaftsgebäude wurde an Qatar 2009 verkauft und wird bald ein Luxushotel. Der Bau der neuen Botschaft wurde vollständig aus dem Verkaufserlös von diesem und anderen Gebäuden im US-Besitz im London. Trump hat nach wie vor eine sehr wackelige Beziehung mit der Wahrheit. Seinen Fans macht das natürlich nichts aus.
die-metapha 12.01.2018
3.
Und auch hier wird offensichtlich, dass Trump seinen einfachen Mustern treu bleibt und nichts unversucht lässt, seinen Vorgänger im Amt zu diskreditieren. Auch in diesem Fall wird dessen Gefolgschaft seine Tweeds dazu gierig aufsaugen um diese dann - in gewohnter Art und Weise - als willige Multiplikatoren weiter zu streuen. Ein Verhalten, welches durchaus an die Dynamiken einer Sekte erinnert. Das die Entscheidung zur Verlegung der US-Botschaft in London bereits 2008 - also vor Obamas Antritt - und somit in der Amtszeit eines G.W.Bush (Republikaner) fällt, scheint dabei nur nebensächlichen Charakter zu besitzen.
Papazaca 12.01.2018
4. Da freut sich die Queen sicher
Das sich ihr ungeliebter Gast gleich selbst ausgeladen hat spricht für einen Rest von Einsicht. Ihre Majestät waren sicher "not amused", viele Briten wollen ihn nicht sehen und große Demos hätten nicht gerade wie ein Band der Freundschaft gewirkt. Die Briten sind halt doch Europäer und wissen, was sich gehört. Und Prinz Harry wird den Herrn Trump auch nicht einladen, die Begeisterung, Trump einzuladen, hält sich weltweit in engen Grenzen. da muß sich Trump schon gleich selbst einladen wie in Davos.
lomax3030 12.01.2018
5.
Trump ist halt Trump. Scheut Kritik wie der Teufel das Weihwasser und ist nicht interessiert an der Wahrheit. Nur an SEINER Wahrheit. Populist halt. Behaupte 100 mal das falsche und die Leute glauben es irgendwann. Nach dem "S**hole-gate" wären die Proteste wohl noch größer gewesen. Und dazu wurde das Gebäude an seine Konkurrenz verkauft. Trump ist ein ganz armer, kleiner Mann.
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