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13. Juni 2018, 17:06 Uhr

Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Velbert

"Sie war ein Zufallsopfer"

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In einem Wald in Velbert sollen acht Jugendliche ein Mädchen vergewaltigt und die Tat gefilmt haben. Die Verdächtigen haben ihr Opfer offenbar zufällig ausgesucht.

Schon im Schwimmbad ging es los. Eine 13-Jährige und ihre Freundinnen wurden von einer Gruppe Jugendlicher belästigt. Es blieb laut der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" zunächst bei verbalen Attacken. Das sollte sich ändern.

Gegen 18 Uhr am 21. April verließ das Mädchen den Ermittlern zufolge das Parkbad in Velbert, Nordrhein-Westfalen. Der Heimweg führte durch ein Waldstück. Dort traf die 13-Jährige die Jungs aus dem Schwimmbad wieder, offenbar waren sie dem Mädchen gefolgt.

Was dann geschah, schildert ein Sprecher der Staatsanwaltschaft so: Die Angreifer zerrten ihr Opfer durch den Wald. An mindestens zwei Stellen vergingen sich die Jugendlichen an dem Mädchen. Immer wieder schleiften sie die 13-Jährige weiter. "Das Geschehen hat sich durch den Wald bewegt", formulierte es der Sprecher.

Die Jugendlichen filmten die Übergriffe mit dem Handy. Erst als eine Passantin vorbeikam, ließen sie von dem Mädchen ab. Die Frau hatte zuvor mitbekommen, dass die Familie der 13-Jährigen nach dem Kind suchte. Die Frau griff ein, die Jugendlichen flohen.

"Schwer traumatisiertes Opfer"

Der Vorfall wurde erst jetzt bekannt. Eine Anfrage der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" brachte ihn ans Licht.

Man habe die Öffentlichkeit nicht informiert, um das "schwer traumatisierte Opfer" zu schützen, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Das Kind werde sonst womöglich immer wieder mit der Tat konfrontiert. Das Presserecht gebiete es allerdings, auf Medienanfragen zu antworten.

Über die mutmaßlichen Täter ist wenig bekannt. Sie sind zwischen 14 und 16 Jahre alt. Der Großteil der Gruppe besucht dieselbe Schule. Die Jugendlichen haben bulgarische Pässe und lebten "seit einiger Zeit" in Velbert. Genaueres sagte der Sprecher nicht.

Die 13-Jährige ist Deutsche; die Ermittler gehen nicht davon aus, dass die Nationalität der Beteiligten eine Rolle spielte. "Sie war ein Zufallsopfer", sagte der Sprecher.

Nach zwei Verdächtigen fahnden die Ermittler. "Sie sind untergetaucht", sagte der Sprecher. Die anderen sechs sitzen bereits in Untersuchungshaft. "Das sind harte Bandagen für Jugendliche, aber die sind hier absolut berechtigt." Es gehe schließlich um den Vorwurf "drastischer Sexualstraftaten".

Die Beweislage ist laut dem Staatsanwalt vergleichsweise eindeutig. Es gebe DNA-Spuren, Aussagen des Opfers und der Spaziergängerin. Auf dem Handy eines Jungen fanden die Ermittler einen Film, die Aufnahme werde gerade ausgewertet.

Mit Material der dpa

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