Missbrauchsfall Lügde Ehemaliger Soko-Leiter vom Dienst suspendiert

Gegen den früheren Leiter der Soko zum Missbrauchsfall Lügde besteht der Verdacht der Strafvereitelung im Amt. Der Polizist wurde suspendiert - in einem seiner früheren Fälle sollen Beweismittel verschwunden sein.

Campingplatz Eichwald in Lügde
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Campingplatz Eichwald in Lügde


Im Missbrauchsfall Lügde ist ein weiterer Vorwurf gegen den ehemaligen Leiter der Ermittlungskommission bekannt geworden. Gegen den Beamten des Kriminalkommissariats Bad Salzuflen bestehe in einem anderen Sexualstraffall der Verdacht der Strafvereitelung im Amt. Wie auch im Fall des massenhaften Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen auf einem Campingplatz in Lügdeseien Beweismittel nicht mehr auffindbar gewesen. Anfang März sei gegen den früheren Soko-Leiter ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Der Beamte wurde vorläufig vom Dienst suspendiert. Er habe die Kommission von Mitte Dezember bis Anfang Januar bei der Polizei Lippe geführt, teilte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) im Innenausschuss des Landtags mit. Der Polizist habe im Fall Lügde den Polizeischüler betreut, der die aus einem speziellen Asservatenraum verschwundenen 155 CDs und DVDs gesichtet hatte.

Bei den Ermittlungen der zunächst zuständigen Kriminalpolizei Lippe hatte es massive Versäumnisse gegeben. Der Fall weitete sich zu einem Polizeiskandal aus. Drei Beamte aus der Führung der Polizei Lippe wurden laut Innenministerium bereits versetzt. Gegen zwei weitere Polizisten laufen Strafverfahren, weil sie frühe Hinweise auf den Kindesmissbrauch nicht an die Staatsanwaltschaft Detmold weitergeleitet haben sollen.

Insgesamt geht die Behörde laut Reul davon aus, dass es mindestens 34 Opfer gab. Bei 14 weiteren Personen bestehe der Verdacht, dass auch sie Opfer geworden sein könnten, sagte Reul. Bislang waren die Ermittler von mindestens 31 Opfern ausgegangen.

Drei Hauptverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte es seit 2008 auf dem Campingplatz mehr als tausend Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen gegeben. Zudem gibt es laut Reul Hinweise, dass der Hauptverdächtige schon 2002 ein damals achtjähriges Mädchen missbraucht haben soll.

bbr/dpa

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