Hollywood-Mogul Weinstein angeklagt Roter Teppich ins Gericht

Seine Karriere verbrachte er im Blitzlichtgewitter - doch diesmal war es keine Kinopremiere: Harvey Weinstein wurde der Vergewaltigung angeklagt. Die filmreifen Szenen waren eine Erlösung für seine mutmaßlichen Opfer.

Harvey Weinstein (im schwarzen Anzug) vor Gericht
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Harvey Weinstein (im schwarzen Anzug) vor Gericht

Von , New York


Das blaue Tor der Polizeiwache schwingt auf. "Okay", ruft eine Frau. "Los geht's!" Die Kameras laufen. Der Angeklagte tritt blinzelnd ins grelle Licht, eskortiert von zwei Beamten. Seine Arme sind in Handschellen hinter dem Rücken verschränkt.

Krimiszenen wie diese werden in Manhattan oft gedreht. Doch diesmal ist alles echt: die Wache, die Cops, der Angeklagte. Mehr noch: Dieser Angeklagte wurde gerade auch mit solchen Szenen zum Herrscher Hollywoods - bevor er nun selbst plötzlich die Hauptrolle des Schurken spielt, in einem düsteren, realen Krimi.

Der Sturz des Filmmoguls Harvey Weinstein, den Dutzende Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigen, löste die #MeToo-Bewegung aus. Am Freitag fand der Skandal einen filmreifen Höhepunkt, als Weinstein seit Langem wieder vor die Paparazzi trat - nicht auf dem roten Teppich, sondern auf dem Weg zum Richter.

Der "perp walk" ist der rote Teppich der US-Justiz, ein Spießrutenlauf, bei dem Angeklagte vor laufenden Kameras abgeführt und vorgeführt werden. Alles wie eine Kinopremiere: Fans, Fotografen, Reporter, die dumme Fragen rufen. Nur rufen sie nicht: "Was tragen Sie?" Sie rufen: "Was sagen Sie zu den Vorwürfen?"

"Eine enorme Erlösung"

Diese Vorwürfe kursieren seit Oktober: Inzwischen mehr als 90 Frauen, darunter etliche Hollywoodstars, behaupten, der Produzent ("Shakespeare in Love") habe sich an ihnen vergangen. Doch nun nehmen die Vorwürfe erst einmal eine verbriefte strafrechtliche Form an, mit einer Vergewaltigungsklage der Staatsanwaltschaft.

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Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung: Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein

Das - und die telegene Präsentation Weinsteins, der sich bisher verkrochen hatte - ist für die mutmaßlichen Opfer eine Katharsis, auf die sie lange gewartet haben. "Der Fall wandert vom Gericht der öffentlichen Meinung in einen tatsächlichen Gerichtssaal", sagte die Aktivistin Tarana Burke, die den Hashtag #MeToo erfand, dem Magazin "Variety". "Für die Überlebenden ist das eine enorme Erlösung."

Das könnte ein Kinoregisseur nicht besser inszenieren. Es beginnt im Morgenlicht in Tribeca, am historischen First Precinct des New York Police Departments (NYPD), gleich um die Ecke von Weinsteins früherer Firma. Er steigt aus einem SUV, drei Bücher unterm Arm, kalkweiß, ein Schatten seiner einstigen Statur.

Auftritt NYPD-Sergeant Keri Thompson

Vertreter der Special Victims Division warten schon. Diese NYPD-Abteilung ist die Vorlage für die fiktiven Detektive der TV-Serie "Law & Order: Special Victims Unit", die sich um Sexualdelikte dreht. Die Lokalmedien registrieren zufrieden, dass Weinstein von einer Frau in die Wache gebracht wird: NYPD-Sergeant Keri Thompson. Sie ist auf Vergewaltigungsfälle spezialisiert und hat Weinstein mit einem Kollegen, Detektiv Nicholas DiGuadio, in monatelanger Kleinarbeit gejagt.

Drinnen nehmen sie Weinstein die Fingerabdrücke ab und die Bücher. In Handschellen geht's weiter zum Gericht, einem imposanten Justizpalast in Lower Manhattan, der ebenfalls schon oft Schauplatz von Filmen und TV-Serien war.

Oben im elften Stock, Saal 1130, sperren rote Vorhänge das Sonnenlicht aus. Flankiert von seinem Anwalt Benjamin Brafman wird Weinstein dem Richter Kevin McGrath vorgeführt. Der hat Erfahrung mit Hollywood-Prominenz, 2015 verurteilte er Schauspieler Anthony Mackie ("Avengers") wegen Trunkenheit.

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Harvey Weinstein: Ex-Filmproduzent bei Polizei und Gericht

Aber dies ist ja eine andere Dimension. Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon verliest die Vorwürfe gegen Weinstein: Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, weitere Vergehen gegen zwei ungenannte Frauen. In wenigen Sätzen ist alles gesagt. Weinstein beißt sich auf die Lippen und blickt ins Leere oder zu Boden.

Eine der Frauen hat sich offenbart, es handelt sich um die Schauspielerin Lucia Evans. Ihr Name wurde erstmals vom "New Yorker" publiziert, der den Skandal mit der "New York Times" aufgedeckt hatte. Sie habe lange mit sich gerungen, ob sie aussagen wolle, sagte Evans dem "New Yorker" am Freitag. "Wie wird das dein Leben beeinflussen, deine Familie, deine Freunde?" Doch dann habe sie sich entschlossen, ihr privates Wohl dem "übergeordneten Wohl" unterzuordnen.

Millionen-Kaution und eine Fußfessel

McGrath verhängt zehn Millionen Dollar Kaution, davon eine Million sofort zahlbar. Er nimmt Weinstein den Pass ab und verordnet eine elektronische Fessel, damit der Beschuldigte sich nicht von New York und Connecticut, wo er ein Haus hat, entfernen kann - Konditionen, wie sie reichen Delinquenten gewährt werden.

Staranwalt Brafman ist ein alter Hase, er vertrat schon den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (erfolgreich) und den Börsenbetrüger Martin Shkreli (erfolglos). Vor dem Gericht lässt er seine Strategie erkennen - die gleiche, wie sie auch die Verteidiger des TV-Stars Bill Cosby verfolgten: Zur Verhandlung stehe nicht nur die Glaubwürdigkeit der Frauen, sondern die ganze Filmbranche, in der miserables Verhalten zwar Tradition sei, doch nicht zwingend kriminell.

"Mr. Weinstein", sagt Brafman, "hat Hollywoods Casting Couch nicht erfunden."

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mullertomas989 25.05.2018
1. Na hoffentlich...
... keine Todesstrafe, das muss nun wirklich nicht sein.... (Todesstrafe muss von mir aus überhaupt nie sein...!!)
bananenrep 25.05.2018
2. Warum.....
Haben die Ladys ihn nicht gleich nach der Vergewaltigung angezeigt? Wegen Ruhm und Geld. Das haben sie jetzt. Wie schlimm das auch alles ist.heuchel Heuchelei. Ist auch die Meinung meiner Freundin.
sterling 25.05.2018
3.
Weinstein wurde von den Medien regelrecht geschlachtet. Ich denke nicht das er einen fairen Prozess erhalten wird, dafür ist schon viel zu viel passiert. Meiner Meinung nach gehört so was verboten, dass Weinstein schon vornherein von den Medien für schuldig befunden und als Tier dargestellt wurde. Mag sein das er es ist, aber das hat das Gericht zu entscheiden und nicht Leute die sich in Social Media tummeln, die sich sowieso über alles was passiert aufregen. Ich mochte Weinstein noch nie, aber selbst jemand wie er hat und sollte eine Chance auf einen fairen Prozess haben, wobei ich natürlich auch hoffe das er die nächsten Jahr hinter Gittern verbringen wird.
ziehenimbein 25.05.2018
4. Jetzt will er nur ein Opfer sein?
Die Aussage des Anwalts ist an Häme für die Opfer Weinsteins, so es denn welche gibt, wovon aber leider, angesichts der unglaublichen Anzahl, auszugehen sein kann, kaum zu überbieten. "...zwar Tradition sei, doch nicht zwingend kriminell". Soll das bedeuten, dass ein bisschen Missbrauch oder Vergewaltigung als gängig oder Brauch abgetan werden kann. Gut, es wurden so viele Witze darüber gemacht, da konnte man davon ausgehen, dass da etwas dran ist, mit der Besetzungscouch, aber rechtfertig dies es? Eine junge Schauspielerin ist keine Prostituierte, die sich gegen viel Geld auf einen zwielichtigen Freier einläßt. Die Prostituierte hat im Zweifelsfall womöglich einen Zuhälter, der sie tatsächlich beschützt. Ich denke, dass eigentliche Problem ist, dass die Frauen es nicht gewagt haben an die Öffentlichkeit zu gehen. Dass Prozesse wegen Sexualdelikten in der Öffentlichkeit abgehalten werden, kann nicht angehen. Wenn es um Firmengeheimnisse geht, ist schnell die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Es soll umd muss Beobachter geben, aber nicht unbedingt die Medien, denen es nur um die Quoten geht.
Outdated 25.05.2018
5. @Todestrafe
Zitat von mullertomas989... keine Todesstrafe, das muss nun wirklich nicht sein.... (Todesstrafe muss von mir aus überhaupt nie sein...!!)
keine Sorge der Staat NY hat meines Wissens keine Todestrafe
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