Mordprozess Ahmad A. gesteht Messerattacke in Hamburger Supermarkt

Ahmad A. erstach im Juli in einem Hamburger Supermarkt einen Mann, sechs weitere Menschen erlitten Verletzungen. Nun hat der Mordprozess gegen den Attentäter begonnen - mit einem Geständnis.

Angeklagter Ahmad A.
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Angeklagter Ahmad A.


Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat der Mordprozess gegen den Messerstecher von Hamburg-Barmbek begonnen. Ein halbes Jahr nach dem Attentat in einem Supermarkt mit einem Toten und sechs Verletzten gestand der angeklagte Palästinenser Ahmad A. vor Gericht die Bluttaten.

Der Anwalt des abgelehnten Asylbewerbers verlas zu Prozessbeginn vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts ein Geständnis. "Er bekennt sich in allen Anklagepunkten ausdrücklich schuldig", erklärte er. "Die Taten hatten aus seiner Sicht einen religiösen Hintergrund."

Laut Bundesanwaltschaft handelte der Täter aus einer islamistischen Gesinnung heraus. Ihm sei es darum gegangen, so viele deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens wie möglich zu ermorden. Die Anklage hält ihn für voll schuldfähig und wirft Ahmad A. Mord sowie versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen vor.

Sein Anwalt sagte, der Angeklagte habe unter einer sehr großen Anspannung gestanden, aus der heraus er die Taten begangen habe. Ahmad A. hatte im Juli in einer Edeka-Filiale einen 50-Jährigen erstochen und anschließend sechs weitere Menschen verletzt.

In seiner Flüchtlingsunterkunft wurde eine kleine, selbstgebastelte Fahne des sogenannten "Islamischen Staats" (IS) gefunden. "Ja, ich bin ein Terrorist" - diesen Satz soll er bei seinem ersten Verhör seiner Unterschrift hinzugefügt haben. Doch die Terrormiliz hat sich nicht zu der Messerattacke bekannt.

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Die Behörden gehen von einem Einzeltäter aus, der sich selbst radikalisierte. Sie sind überzeugt, dass der nicht vorbestrafte Ahmad A. Vergeltung üben wollte für Unrecht, das aus seiner Sicht weltweit Muslimen zugefügt werde.

Für hitzige Diskussionen hatte der Fall im Sommer auch gesorgt, weil der Mann eigentlich nach Norwegen hätte abgeschoben werden können. Dort hatte er zu einem früheren Zeitpunkt gelebt. Doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge versäumte eine Frist.

Ende 2016 wurde der Asylantrag in Deutschland dann abgelehnt. A. wollte wohl auch ausreisen, doch das scheiterte an fehlenden Papieren. Es gab zudem vor der Tat Hinweise auf die Radikalisierung und psychische Labilität des Mannes. Die Behörden mussten einräumen, diesen Aussagen nicht schnell und gründlich genug nachgegangen zu sein.

Bis zum 2. März sind neun Verhandlungstage angesetzt.

wit/dpa



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