Chile Sonderermittler des Papstes will Missbrauchsopfer um Vergebung bitten

Der vatikanische Missbrauchsermittler ist nach Chile gereist. Hier soll er im Auftrag des Papstes dafür sorgen, dass die Kirche "in jedem Fall" einer Sexualstraftat gegen Minderjährige tätig wird.

Vatikan-Ermittler Charles Scicluna und Priester Jordi Bertomeu in Chile
REUTERS

Vatikan-Ermittler Charles Scicluna und Priester Jordi Bertomeu in Chile


Noch im Januar verteidigte der Papst öffentlich den chilenischen Bischof Juan Barros gegen "Verleumdungen", die nahelegten, der Geistliche habe den wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Ex-Priesterausbilder Fernando Karadima gedeckt. Dafür gebe es keinerlei Beweise, sagte Franziskus damals.

Jetzt hat der Pontifex den 61-jährigen Barros emeritiert. Und nicht nur ihn - Barros ist einer von drei chilenischen Bischöfen, deren Rücktritt Papst Franziskus Anfang der Woche akzeptierte. Die Bischöfe von Puerto Montt und Valparaíso sind älter als 75 und wurden mithin aufgrund ihres Alters in den Ruhestand entlassen. Barros frühzeitige Emeritierung kommt hingegen einer Entlassung gleich.

Papst Franziskus
DPA

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Zum Handeln überzeugt hatten den Papst wohl unter anderem die Nachforschungen des vatikanischen Sonderermittlers zum Missbrauchsskandal, Charles Scicluna. Der hatte mit Opfern Karadimas in den USA und Chile gesprochen und einen 2300 Seiten langen Bericht darüber verfasst. Die Folge: Der Papst entschuldigte sich bei den Missbrauchsopfern für seine Fehleinschätzung.

Für die Betroffenen ist die Emeritierung Barros eine Genugtuung, allerdings mit bitterem Beigeschmack, denn der Vorstoß des Papstes kommt spät.

"Wir hoffen, dies ist der Anfang vom Ende einer Kultur des Missbrauchs und der Verschleierung in der Kirche", schrieb Juan Carlos Cruz, eines der Missbrauchsopfer des verurteilten Karadima auf Twitter.

Flankierend zu den "Entlassungen" ist Sonderermittler Scicluna derzeit in Chile unterwegs. Mit dem Papstgesandten Jordi Bertomeu soll er Missbrauchsopfer befragen und die chilenischen Diözesen im Umgang mit neuen Missbrauchsklagen beraten.

"Wir sind gekommen, um Vergebung zu bitten", sagte Bertomeu bei der Ankunft der beiden in Santiago de Chile. Die beiden Sonderermittler werden Kirchenrechtsexperten der chilenischen Diözesen treffen. Sie sollen "technische und rechtliche Hilfe" leisten, damit jeder Fall sexuellen Missbrauchs durch Kirchenvertreter angemessen aufgeklärt werde, so Erzbischof Scicluna. Auch ein Besuch der bisher von Bischof Juan Barros geleiteten Diözese von Osorno ist vorgesehen.

Charles Scicluna in Santiago de Chile
AP

Charles Scicluna in Santiago de Chile

Insgesamt hatten Mitte Mai 34 Bischöfe ihren Rückzug vom Amt erklärt und den Papst gebeten, über jeden von ihnen zu entscheiden. Die Bischöfe baten die Missbrauchsopfer für den ihnen zugefügten "Schmerz" um Verzeihung, ebenso "den Papst, das Volk Gottes und unser Land für die von uns begangenen schweren Fehler und Unterlassungen".

Zahlreichen Mitgliedern der katholischen Kirche in Chile wird vorgeworfen, den Kindesmissbrauch durch den ehemaligen Priesterausbilder Karadima in den 80er und 90er Jahren ignoriert oder vertuscht zu haben. Die Vatikanjustiz hatte Karadima 2010 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig gesprochen.

Für den Jesuiten Franziskus besonders unangenehm sind die Vorwürfe gegen einen Mitbruder, den chilenischen Priester Leonel Ibacache. Der Jesuitenorden bestätigte, dass er in der Vergangenheit mehrere Beschwerden über sexuelle Übergriffe durch den Geistlichen erhalten habe. Ein unabhängiger Missbrauchsbeauftragter ermittle in der Sache und habe mögliche Opfer aufgefordert, sich zu melden. Ibacache ist inzwischen über 90 Jahre alt und kommentierte die Vorwürfe nicht.

Video: Katholische Kirche unter - Missbrauchsskandal

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ala/AFP/Reuters

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