Auskunft und Co. Liebe Leserin, lieber Leser,

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heute habe ich etwas gemacht, was ich seit bestimmt 15 Jahren nicht mehr getan habe: Ich habe bei der Auskunft angerufen, über die Elfachtundachtzignull. Auf diese Idee gebracht hat mich ein Text der Presseagentur dpa. Die Bedeutung der Auskunft habe stark nachgelassen, hieß es darin - auch wenn immer noch 10.000 bis 12.000 Anrufer am Tag bei der 11880 anrufen, wie die Betreiberfirma 11880 Solutions AG mitteilt. Um die Jahrtausendwende sollen es täglich bis zu eine halbe Million Anrufer gewesen sein.

Auch bei der 11833 der Telekom ist die Nachfrage zurückgegangen: Dort hat es laut einem Sprecher im vergangenen Jahr rund zehn Millionen Anfragen gegeben. Vor zehn Jahren waren es noch rund 100 Millionen Anrufe.

Telefon mit Telefonbuch
DPA

Telefon mit Telefonbuch

Klar: Wer zahlt schon in Zeiten von Google für einen Anruf, um nach einer Nummer zu fragen? Ich erinnere mich sogar, früher schon mal einen teuren Weckruf bestellt zu haben, wenn es irgendwo wirklich wichtig war, nicht zu verschlafen. Auf so eine Idee käme ich nicht mehr - genauso wenig, wie am Telefon 20 Cent pro Anruf aus dem Festnetz (!) auszugeben, um mich bei der Telekom nach der exakten Zeit zu erkundigen.

Heute habe ich es aber noch einmal gemacht. Eine automatische Stimme sagte mir sachlich Wochentag und Datum durch, dann im Zehnsekundentakt, wie spät es "beim nächsten Ton" ist. Eine Kindheitserinnerung - fast ein bisschen beruhigend, dass der Dienst noch existiert. Er könnte aber nützlich werden, falls man eine Zombieapokalypse überlebt und das Datum wissen will.

Im Anschluss an die Zeitansage rief ich die 11880 an und erzählte einer bemerkenswert freundlichen Dame, was die dpa heute schrieb. "Also, ich sitze heute seit sechs Uhr hier und habe wirklich gut zu tun, ich merke nichts davon", antwortete sie lachend. Die Leute fragten alles Mögliche - und auf vieles davon habe sie eine Antwort: Sie gebe Stauinformationen und könne sagen, wie das Wetter werden soll. Sie informiere über das Kinoprogramm oder Schwimmbadöffnungszeiten: "Ich suche aber auch einen Anwalt für Erbrecht heraus, wenn einer gesucht wird."

Ob denn hauptsächlich alte Leute anriefen, die sich fürs Erbrecht interessieren, frage ich. Keineswegs, sagt die Frau, gerade unter der Woche nicht. "Es rufen auch viele Leute aus dem Auto an, die sich dann gleich durchstellen lassen." Ich solle doch auch gern öfter anrufen, wenn ich etwas wissen wolle. Na gut, sage ich: Dann wüsste ich gern meine eigene Telefonnummer. Die könne sie mir leider nicht nennen, antwortet die Dame, es gebe keinen Eintrag. Vielleicht bin ich einfach raus aus der Nummer.

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Seltsame Digitalwelt: Weltmeisterschaft weltweit

Meine Familie und ich waren kürzlich in Kanada im Urlaub, wo sich kaum jemand für die Fußball-WM interessiert. Der Fernseher in unserem Ferienhäuschen am Meer gab nicht einmal einen Sender her, der die Spiele - zur besten Frühstückszeit - übertrug. Aber im Gegensatz zur deutschen Provinz gibt es auch in den einsamen Wäldern Nova Scotias ordentliches Internet, sodass wir fürs entscheidende Deutschlandspiel dann doch ausnahmsweise die ZDF-Mediathek bemühen wollten.

Screenshot der ZDF-Mediathek

Screenshot der ZDF-Mediathek

Die allerdings ließ per Fehlermeldung ausrichten, wir dürften das Spiel nicht sehen, weil wir uns ja nicht in Deutschland aufhielten. Um die Weltmeisterschaft wirklich weltweit genießen zu können, mussten wir also erst ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) einrichten, also so tun, als wären wir in Deutschland. Erst dann durften wir das (Trauer-)Spiel gegen Südkorea online anschauen und aus der Ferne mitleiden.


App der Woche: "I'm Ping Pong King"
getestet von Tobias Kirchner

Orangenose Studio

Bei "I'm Ping Pong King" kommt es auf schnelle Reaktionen an. Das Tischtennisspiel verlangt, dass man im richtigen Moment auf der linken oder rechten Seite des Tisches mit dem Schläger ausholt, um den Ball wieder zum Gegenspieler zu befördern.

Minimalistischer könnte die Umsetzung kaum sein: Die Sportler sind Strichmännchen, und das Ziel des Spiels ist es, zehn Gegner - vom kleinen Bruder über die Oma oder den Klassenbesten bis zum amtierenden Pingpong-König - zu besiegen. Dieses simple Spielkonzept ist jedoch ziemlich motivierend. "I'm Ping Pong King" hat Stil und Humor.

Gratis von Orangenose Studio, werbefreie Variante für 1,99 Euro (Android) oder 2,29 Euro (iOS).

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Download-Tipps: Die Apps des Monats Juni

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "So schön kann der Status quo sein" (vier Leseminuten).
    Vergangene Woche hat das EU-Parlament den Entwurf zur europäischen Urheberrechtsreform erst einmal ausgebremst. Lisa Hegemann von "Zeit Online" kommentiert, warum das eine gute Entscheidung ist.
  • "Pakistan female game designer on a mission for Change" (Englisch, drei Leseminuten)
    Videospiele werden immer noch überwiegend von Männern entwickelt - doch die Branche wird nach und nach diverser. Hier porträtiert die BBC Sadia Bashir aus Pakistan, die schon mit 13 anfing, Spiele zu entwickeln.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche

Judith Horchert

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
m_s@me.com 09.07.2018
1. Time Server auf Smartphone und Rechner
Man braucht eigentlich auch nicht googlen - time Server spiegeln die Zeit der Atomuhren, die es verteilt um die Welt gibt und synchronisieren das mit Endgeräten.
sozialismusfürreiche 09.07.2018
2. Eigentlich wahr
Eigentlich wahr ... das mit aus dem Auto anrufen ist gar nicht doof. Besser als anhalten und mit Vodafone Edge wie auf 80% der dt. Autobahnen üblich irgendetwas sinnvolles herausfinden zu wollen ... Muß ich mir merken ...
dr. kaos 10.07.2018
3. Man merkt....
..... dem Autor sein junges Alter an. Er kennt anscheinend nur Verona Blubb Feldbusch als Ikone der Auskunft, dabei war die 118 die Mutter aller Auskünfte, zumindest in Deutschland (West). Die 11880 kam erst viel später, und gehelft hat sie keinem weiter als die 11833 konnte, da sie alle auf die gleichen Datenbestände (der Telekom) zurückgreifen mussten......
avada~kedavra 14.07.2018
4. Der
Zitat von dr. kaos..... dem Autor sein junges Alter an. Er kennt anscheinend nur Verona Blubb Feldbusch als Ikone der Auskunft, dabei war die 118 die Mutter aller Auskünfte, zumindest in Deutschland (West). Die 11880 kam erst viel später, und gehelft hat sie keinem weiter als die 11833 konnte, da sie alle auf die gleichen Datenbestände (der Telekom) zurückgreifen mussten......
Autor ist eine Autorin - nur so nebenbei wie auch der korrekte Hinweis von Ihnen dass die 118 in Deutschland die erste Nummer der Auskunft der Deutschen Bundespost war. Später dann 01188 (für Inland) und daraus wurde die 11833. Davon abgesehen, egal welche dieser Nummern (11833 oder 11880) man anruft, für 1,99 Euro aus dem Festnetz ist das schon recht heftig. Kein Wunder dass diese "Mehrwerte" weniger als früher genutzt werden in den heutigen Zeiten und Möglichkeiten. Früher sah die Sache natürlich anders aus.
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