Hochschulgründung Bayern spendiert Nürnberg eine neue Uni

Einmal Uni mit alles, bitte: Die bayerische Landesregierung hat eine komplett neue Universität geordert, für 1,2 Milliarden Euro. An der TU Nürnberg sollen künftig bis zu 6000 Studenten büffeln.

Straßenszene in Nürnberg
DPA

Straßenszene in Nürnberg


Nürnberg ist Universitätsstadt - aber irgendwie nur ein bisschen: Bisher teilt sich die fränkische Metropole die Friedrich-Alexander-Universität mit der knapp 20 Kilometer entfernten Nachbarstadt Erlangen. Doch in diesen Status als halbe Universitätsstadt kommt nun Bewegung. 2025 sollen an der komplett neu errichteten Technischen Universität Nürnberg (TUN) die ersten Seminare angeboten werden.

Das hat das bayerische Landeskabinett am Dienstag beschlossen. Die TUN werde neue Studienkonzepte anbieten und sich in Forschung und Lehre deutlich von bisherigen Universitäten abheben, kündigte Ministerpräsident Markus Söder per Tweet an.

Auf einer Pressekonferenz klang Söder dann noch forscher: Das Kabinett habe "historische Beschlüsse für den Wissenschafts- und Hochschulstandort Nürnberg und Erlangen" gefasst. Die neue TU werde "bundesweiten Modellcharakter" haben und "ein völlig neues universitäres Denken" entwickeln.

Tatsächlich sind die Pläne ambitioniert: 1,2 Milliarden Euro lässt sich der Freistaat die neue Uni kosten, zusätzliches Geld soll für den Ausbau der Erlanger Universität (1,5 Milliarden) und die technische Fachhochschule in Nürnberg (300 Millionen Euro) fließen. Die Investitionen kämen nicht nur der Stadt Nürnberg zugute, "sondern dem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Bayern insgesamt", sagte die bayerische Wissenschaftsministerin Marion Kiechle - schließlich ist gerade Landtagswahlkampf.

Doch abgesehen davon, dass sich Söder und Kiechle über die Ablenkung vom Streit zwischen CSU und CDU gefreut haben dürften, ist die neue Uni auch unter anderen Aspekten interessant. Bis zu 6000 Studenten sollen an der TUN von 200 bis 240 Professoren ausgebildet werden - überwiegend auf Englisch, mit starker Praxisorientierung und internationalem Anspruch.

Nur zulassungsbeschränkte Studiengänge

Dieses Betreuungsverhältnis sei deutschlandweit einzigartig, sagte Marion Kiechle. Ein Fünftel der Unterrichtsinhalte soll dabei aus den Geistes- und Sozialwissenschaften stammen. "Wir wollen keine einseitigen Techniknerds, sondern international ausgewiesene Technikexperten mit Social Skills", so die Ministerin. Auch klassische Lehrstühle werde es nicht mehr geben, stattdessen die von der TU München bekannte Department-Struktur.

Kein Wunder: Die Blaupause für die Uni-Neugründung stammt von einer Strukturkommission unter der Leitung des Münchner TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann. Der ist für Provokationen bekannt - und hat sie in sein Konzept auch gleich eingebaut. "Jeder Studiengang dort wird zulassungsbeschränkt sein", kündigte Herrmann im Blog des Journalisten Jan-Martin Wiarda an, "angesichts der Exzellenz, die wir in allen Studiengängen erreichen wollen, sind Auswahlverfahren unvermeidbar."

Die angebotenen Studiengänge sollen außerdem den Master als Regelabschluss vergeben. "Es mag immer noch Leute in der Politik geben, die den Bachelor allein für berufsqualifzierend halten", lästert Wolfgang Herrmann: "Wir tun das nicht."

him/ mit Material von dpa



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equigen 04.07.2018
1. Mit welchem Recht?
Mit welchem Recht fördert man die Studenten in der Heimatstadt von Herrn Söder mit mehr staatlichem Geld als die Studenten der existierenden Uni Erlangen/Nürnberg oder TU Nürnberg oder der TU München? Und was bitte ist an den (in anderen Artikeln genannten) Themen wie Computer Science (=Informatik, gibt es an der Uni Erlangen/Nürnberg), Quantum Engineering (Quanten Optik & Information gibt es an der Uni Erlangen/Nürnberg), Mathematics (Mathe gibt es an der Uni Erlangen), Mechatronic Engineering (Mechatronic gibt es an der Uni Erlangen/Nürnberg schon) .... so besonders, eine Parallel-Uni zu FAU Erlangen-Nürnberg und zusätzlich zur bereits bestehenden TU Nürnberg zu gründen? Ist mir schleierhaft wozu das Geld für eine 3. Uni-Verwaltung rausgeplempert werden soll...
ichbinich2011 04.07.2018
2. an sich
ne feine Sache, aber ich kann als ehemaliger Nürnberger Student nur auf die prekäre Wohnsituation dort hinweisen. Da sollte dringend Geld investiert werden, sonst müssen die Studenten sehr weit pendeln.
Newspeak 04.07.2018
3. ...
Exzellenz per Dekret verordnet. Na, dann sind wir mal gespannt, ob 2030 die Nobelpreise und Fields-Medaillen nach Nuernberg gehen. Oder, wie schon seit Jahren an "deutsche" Forscher, die aber leider, leider fuer ihre Forschung in die USA oder anderswohin gegangen sind. Wahrscheinlich hat sie die Exzellenz vertrieben.
jetbundle 04.07.2018
4.
Zitat von NewspeakExzellenz per Dekret verordnet. Na, dann sind wir mal gespannt, ob 2030 die Nobelpreise und Fields-Medaillen nach Nuernberg gehen. Oder, wie schon seit Jahren an "deutsche" Forscher, die aber leider, leider fuer ihre Forschung in die USA oder anderswohin gegangen sind. Wahrscheinlich hat sie die Exzellenz vertrieben.
Wenn die Uni genug Kohle hat um sich Professoren mit überschaubaren Arbeitsgruppen zu leisten, die sich dann auch noch um Forschung und Lehre kümmern können und nicht nur um Verwaltung und das Einwerben möglichst vieler Drittmittel, dann werden auch gute Leute dort hin kommen.
le.toubib 04.07.2018
5. Leisten können?
Zitat von jetbundleWenn die Uni genug Kohle hat um sich Professoren mit überschaubaren Arbeitsgruppen zu leisten, die sich dann auch noch um Forschung und Lehre kümmern können und nicht nur um Verwaltung und das Einwerben möglichst vieler Drittmittel, dann werden auch gute Leute dort hin kommen.
Eher anlocken können! Ich gehe mal von mir aus und ich würde mich im Zweifel gegen Nürnberg entscheiden. Ich wählte meine letzte Klinik ja auch nicht nur ob meiner Sympathie für den Chefarzt aus - einen Gutteil machten auch die 10 km nach Frankreich aus. Und ja, ich hatte das Privileg, selber entscheiden zu können, genau das gleiche Stellenangebot hatte mir nämlich auch eine andere Klinik angeboten ...
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