Toiletten-Streit in den USA 800.000 Dollar Entschädigung für Transgender-Schüler

Weil er als Mädchen geboren wurde, sollte Ashton Whitaker aus Wisconsin in der Schule nicht das Jungenklo benutzen. Zur Überwachung bekam er ein Armband verpasst. Er klagte - und wird nun entschädigt.

Ashton Whitaker mit Mutter Melissa
AP/Transgender Law Center

Ashton Whitaker mit Mutter Melissa


Ashton Whitaker fühlt sich als Junge, wurde aber als Mädchen geboren. Am Ende der neunten Klasse entschied er, fortan als Junge zu leben. Seine Mitschüler und Lehrer nahmen die Entscheidung gelassen auf. Doch sechs Monate später schaltete sich die Schulaufsicht im US-Bundestaat Wisconsin ein: Er dürfe auf keinen Fall die Jungstoilette benutzen. Und damit Lehrer leichter überwachen können, ob er sich daran hält, bekam er ein grünes Armband verpasst.

Ein solches Armband sollte Ashton Whitaker tragen
Transgender Law Center

Ein solches Armband sollte Ashton Whitaker tragen

"Ich hatte von den Armbändern gehört, aber nicht erwartet, dass sie mir wirklich eines geben würden. Aber sie haben es getan. Es war hellgrün. Ich war völlig entgeistert, wollte gleichzeitig weinen und schreien", sagte Whitaker dem Onlinemagazin "Slate".

Whitaker verklagte den Kenosha Unified School District mit Hilfe des Transgender Law Centers, eines gemeinnützigen Vereins, der sich für Transgender einsetzt. Knapp zwei Jahre und zwei Gerichtsprozesse später hat die Behörde nun einem Vergleich zugestimmt: Sie zahlt Ashton Whitaker 800.000 Dollar und erlaubt ihm, jederzeit die Männertoilette der Schule zu benutzen. In die Verlegenheit wird er allerdings kaum noch kommen: Whitaker hat die Highschool im Sommer abgeschlossen und geht nun aufs College.

"Respektiert euch, akzeptiert euch und liebt euch"

Von den 800.000 Dollar werden ihm nur 150.000 Dollar bleiben - der größte Teil geht für die Deckung der Anwaltskosten drauf. Whitaker ist trotzdem glücklich: "Meine Botschaft an andere Transgender ist: Respektiert euch, akzeptiert euch und liebt euch. Wenn euch jemand sagt, dass ihr das nicht verdient, zeigt ihm, dass er falsch liegt", wird er von der Lokalzeitung "Kenosha News" zitiert.

Mit Whitakers Fall hatten sich schon zwei Gerichte beschäftigt, und beide waren zu dem Schluss gekommen, dass der Schulausschuss kein Recht hat, ihm die Nutzung der Männertoilette zu untersagen. Als letzte Instanz hätte nun der Supreme Court entscheiden müssen.

Obama hatte sich für freie Toilettenwahl eingesetzt

Dem Vergleich habe man aus rein ökonomischen Gründen zugestimmt, sagte der Anwalt der Schulbehörde der Lokalzeitung. Erneut in Berufung zu gehen, wäre zu teuer geworden. Die Kosten des Vergleichs trage nun eine Versicherung, auf die Steuerzahler fielen nur 25.000 Dollar zurück.

In den USA ist die Wahlfreiheit bei der Toilettennutzung schon länger ein Streitthema. Der US-Bundesstaat North Carolina hatte im März 2016 ein Gesetz erlassen, das unter anderem Transgender vorschreibt, welche Toilette sie in staatlichen Einrichtungen benutzen müssen - nämlich ausschließlich die, die mit dem Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde übereinstimmen. Nach der Verabschiedung des Gesetzes in North Carolina bildete sich eine nationale Gegenbewegung. Das US-Justizministerium reichte Klage gegen das "Toilettengesetz" ein.

Im Mai 2016 wies der damalige US-Präsident Barack Obama alle öffentlichen Schulen des Landes an, dass Transgender-Schüler die Toilette nutzen dürfen, die ihrer geschlechtlichen Identität entspricht. Elf Bundesstaaten akzeptierten die Anweisung nicht - und klagten. In Texas hat ein Richter die freie Toilettenwahl schon gestoppt.

vet

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.