USA Software soll Lehrer auf Amoklauf vorbereiten

US-Lehrer sollen mit einem Computerprogramm für einen möglichen Amoklauf gerüstet werden. Das Ganze sei jedoch "kein Spiel", betonen die Behörden.

Szene aus der Software "Enhanced Dynamic Geo-Social Environment"
twitter / Gizmodo¿

Szene aus der Software "Enhanced Dynamic Geo-Social Environment"


Sich unter den Tischen verstecken oder doch lieber fliehen? Ein Simulationsprogramm soll Lehrer in den USA auf einen möglichen Amoklauf vorbereiten. Entwickelt wurde die Software "Enhanced Dynamic Geo-Social Environment" (Edge) vom US-Heimatschutzministerium und der Firma Cole Engineering Services.

Die Lernsimulation sei bisher einzigartig, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums für Innere Sicherheit. Zudem biete Edge Vorteile gegenüber praktischen Übungen, die kostspielig seien und nur unregelmäßig angeboten würden. Immer wieder kommt es an US-Schulen zu Amokläufen. Laut einer Auflistung waren es allein im vergangenen Jahr neun. Eine Schule in Florida verkauft mittlerweile schusssichere Einlagen für Rucksäcke.

Laut der US-Behörde ist das Programm seit Herbst für alle Mitarbeiter im öffentlichen Dienst auf Anfrage verfügbar. Bisher richtete es sich vor allem an Polizisten und Feuerwehrleute. In einer Version wird beispielsweise der Amoklauf in einem Hotel simuliert. Im Frühjahr soll nun eine neue Version für Lehrer folgen, in der ein Amoklauf an einer Schule dargestellt wird, wie der Tech-Blog Gizmodo berichtet.

Auf Twitter wurden erste Szenen aus dem Programm veröffentlicht und die wirken beängstigend. Zu sehen sind schreiende Schüler, die durch ein virtuelles Klassenzimmer laufen. Unten rechts im Bild ist ein bewaffneter Angreifer zu sehen, der durch Schulflure läuft. Schüsse sind zu hören. Der Spieler kann entweder in die Rolle des Amokläufers, des Lehrers oder eines Polizisten schlüpfen. Als Lehrer ist es seine Aufgabe, die Schüler zu beschützen.

"Je mehr Erfahrung man hat, umso höher ist die Chance zu überleben"

Am Rand des Bildschirms werden dem Spieler verschiedene Optionen gezeigt: Sollen sich die Schüler verstecken, unter den Tischen Schutz suchen oder doch lieber fliehen? Mit seiner Entscheidung beeinflusst der Spieler das weitere Geschehen.

"Je mehr Erfahrung man hat, umso höher ist die Chance zu überleben", sagt Tama Griffith zu Gizmodo, die die Simulation mitentwickelt hat. Lehrer würden so erfahren, was funktioniert und was eher nicht. Die besten Optionen seien: von den Fenstern wegbleiben, Tür schließen und verbarrikadieren.

"Das ist kein Spiel", sagt auch der Sprecher des Ministeriums für Innere Sicherheit der Website Glixel. Niemand könne gewinnen. Die Software soll auch nicht öffentlich zugänglich gemacht werden.

In sozialen Netzwerken wird das Programm dagegen heftig kritisiert. Die Simulation könne von potenziellen Amokläufern missbraucht werden, so die Befürchtung. "Ein Videospiel zu benutzen, um einen Amoklauf zu simulieren, ist ekelhaft", schreibt der Vickie-Soto-Gedächtnis-Fonds. Soto war Grundschullehrerin und wurde 2012 bei einem Amoklauf an einer Grundschule erschossen.

koe

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