Helikoptereltern in der Freizeit "Das war kein Freistoß - du spinnst wohl!"

Flöten, Bouldern und Geburtstage der Extraklasse: Supereltern machen alles möglich und übertreffen sich ständig selbst. Die besten Geschichten von Cake-Pop-Mamis und irren Fußball-Papis.

Kinder beim Fußball (Symbolbild)
DPA

Kinder beim Fußball (Symbolbild)

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Natürlich, es könnte immer noch besser sein: Ob in der Weihnachtszeit, bei Sporttrainings oder an Geburtstagen - Helikopter-Eltern möchten auch in der Freizeit ihre Kinder überbewachen und optimieren, mit Flöten- und Klavierspielen, Englisch- und Chinesisch-Kurs, Bouldern und Ballett.

Eine Mutter berichtete, ihr Junge im Grundschulalter habe sich mit seinem Klassenkameraden aus der Parallelklasse so gut verstanden, dass sich die Kinder auch außerhalb des Pausenhofs treffen wollten. "Aber ein Playdate war unmöglich, stellte ich nach Abgleich der Terminkalender mit der anderen Mutter fest. Unsere Neunjährigen fanden keinen Nachmittag in der Woche, an dem sie Zeit zum gemeinsamen Spielen gehabt hätten!"

Und die Eltern? Sind auch völlig eingespannt, denn sie machen nicht nur Fahrdienste, sondern wetzen auch am Spielfeldrand hin und her, um ihrem Liebling jederzeit die Trinkflasche anzureichen, sollte sein Mund mal trocken werden.

Sie erspüren sofort, ob es ihrem Liebling zu kalt oder zu warm sein könnte. Und natürlich fiebern sie mit, als wäre es ihr eigenes Spiel. Jedes Foul verstehen sie als Angriff auf das eigene Leben, jede vermeintliche Fehlentscheidung ist eine persönliche Beleidigung. Dabei sein ist alles? Von wegen.

Damit die Extremeltern nicht gleich ganze Fußballspiele weggrätschen, findet man mittlerweile auf den meisten Trainingsplätzen Schilder mit Verhaltensregeln - und diese richten sich nicht etwa an die Kinder, sondern an ihre vermeintlich erwachsenen Eltern. Dort steht dann zum Beispiel:

"1. Es sind Kinder.

2. Es ist ein Spiel.

3. Die Trainer sind Freiwillige.

4. Die Schiedsrichter sind Menschen.

5. Wir sind nicht bei der WM."

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Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag!

Von Helikopter-Eltern und Premium-Kids

Ullstein Taschenbuch; 224 Seiten; 9,99 Euro

Wie Erziehungsberechtigte nicht nur in der Schule, sondern schon in der Schwangerschaft und bis zum Studium ihren Kindern und dem Rest der Welt das Leben zur Hölle machen, davon erzählen die gesammelten Anekdoten in dem neuen Buch "Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag" der SPIEGEL-ONLINE-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg. Hebammen, Erzieher, Lehrer, Sporttrainer, Professoren, Anwälte, Ärzte, Studienberater und Kinder packen aus, was sie mit übermotivierten Eltern erlebt haben. Spleenig, grotesk - und leider wahr.

Lesen Sie hier Buchauszüge aus dem Kapitel Freizeit:

Wenn Eltern beim Kindergeburtstag beweisen wollen, dass sie die besten Mamis und Papis der Welt sind, wird schnell klar: Die anderen Eltern sollen grün werden vor Neid. Der Spaß der Kinder rückt dabei in Wahrheit oft etwas in den Hintergrund.

Tatsächlich stehen nämlich nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern unter ständiger und strengster Beobachtung. "Würde es heute jemand wagen, die Kinder ohne Sitzerhöhung im Auto zu transportieren, er hätte sofort die ärgsten Schwierigkeiten, möglicherweise auch juristisch", erzählt eine Mutter.

Eine andere genervte Mutter sagt: "Ich habe ernsthaft vor, den nächsten Geburtstag mit Topfschlagen und der Reise nach Jerusalem zu gestalten. Ich befürchte nur, dass Letzteres wortwörtlich genommen wird."

  • picture alliance / Bildagentur-o
    Vom Dinkelzwang bis zur Notenklage: Sind Sie Hebamme, Lehrer, Erzieher, Kinderarzt, Studienberater, Professor, Anwalt, Sporttrainer - oder Nachbar/Freund/Bekannter? Haben Eltern schon mal absurde Forderungen an Sie gestellt oder versucht, Sie auszuhorchen, zu beeinflussen oder einzuspannen - zum vermeintlichen Wohle der eigenen Kinder?

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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
order66 07.12.2017
1.
Okay, es mag im Frauenfußball und bei städtischen Hipstern anders sein, aber Fußball ist Krieg!
kniggebein 07.12.2017
2. Überflüssiger Artikel
..., der wohl nur dazu dienen Clicks zu sammeln. Ja, es gibt Eltern, die es übertreiben - aber es gibt auch Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen. Und beides gab es schon immer.
Cardio84 07.12.2017
3. Nicht neu...
Dass sich Eltern am Spielfeldrand aufführen als Ginge es um Leben und Tod ist nicht neu. Das gab es schon vor 25 Jahren als ich als kleiner Bub Fußball gespielt habe. Und auch mein Onkel erzählte mir ähnliches aus den 70er Jahren, wobei damals wohl auch der Alkoholpegel der am Spielfeldrand stehenden Väter eine Rolle gespielt hat. Helikoptereltern hin oder her, früher war nicht alles besser.
nikiname 07.12.2017
4. Helikopter sind nur die anderen?!
„mit zwei Autos ins Legoland Discovery Center“ und sich dann wundern über andere, die helikoptern - schräg. Ist für mich das klassische Thema Missgunst, Neid, Profilneurose - von denen, die meinen, sie seien irgendwie bessere Eltern, weil sie sich SO ja nicht aufführen. Genau so ätzend. Am schönsten wäre es, das Beurteilen und Verurteilen sein zu lassen. Cakepops, Schwimmcoaching, Überbehüten - ja und? Lass sie doch! Jeder hat meiner Meinung nach Bereiche, wo er mehr behütet als anderswo. Die einen lassen ihr Kind nie allein, die anderen lernen mit ihnen, die nächsten achten auf Markenkleidung, wieder andere auf Kurse und Sportvereine. So richtig krass in allen Bereichen behütet werden aus meiner Sicht nur ganz wenige. Und wer weiß, ob es nicht einen guten Grund dafür gibt, der nur nicht an der großen Glocke hängt.
grmblfix 07.12.2017
5. Fake News
Seit geraumer Zeit wird bis zu E-Jugend 7 gegen 7, in der D-Jugend 9 gegen 9 und erst in der C-Jugend 11 gegen 11 gespielt. Insofern ist der angebliche "Achtjährige", der in einer 7er-Mannschaft im "3-4-3-System" spielt, schlecht erfunden. Diese ständigen Lügengeschichten über Helikoptereltern sind nicht mehr zu ertragen.
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