Nach Vorwürfen zu sexueller Belästigung WDR wirft "Tatort"-Koordinator raus

Die Belästigungsvorwürfe seien "schwerwiegend und glaubhaft": Der WDR hat sich von "Tatort"-Koordinator Gebhard Henke getrennt - mit einer Klage auf Wiedereinstellung wird aber gerechnet.

WDR-Hauptgebäude in Köln
imago/ Manngold

WDR-Hauptgebäude in Köln

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Der WDR hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Fernsehfilmchef Gebhard Henke getrennt. Das gab die Presseabteilung der ARD-Anstalt bekannt. Grund seien glaubhafte Vorwürfe sexueller Belästigung und des Machtmissbrauchs. Aus Sicht des WDR bestehe kein Vertrauensverhältnis mehr.

In den vergangenen Wochen hätten, so der WDR weiter, mehr als zehn Frauen dem Sender über sexuelle Belästigung und unangemessenes Verhalten durch den bisherigen Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie berichtet. Teils soll er die Vergabe von Rollen mit der Gewährleistung von Sex verbunden haben.

Henke hatten erstmalig im Mai sechs Frauen im SPIEGEL vorgeworfen, sie belästigt zu haben. Die Frauen, darunter Charlotte Roche und Nina Petri, berichteten davon, wie sie von Henke betatscht und begrapscht worden seien, wie er sie an den Po oder an den Bauch gefasst habe, wie er angedeutet habe, sie zu fördern, und dafür offenbar körperliche Zuwendungen erwartete oder wie er immer wieder aus seiner professionellen Rolle gefallen sei. Die anderen Frauen wollen anonym bleiben, sind dem Sender aber namentlich bekannt.

Nicht die erste Kündigung

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte sich der WDR um Aufklärung bemüht. Man haben die entsprechenden Schilderungen sorgfältig geprüft, so der Sender, und den Beschuldigten angehört. Eine mündliche Anhörung habe Henke aber abgelehnt. Daraufhin übermittelte der WDR ihm vor drei Wochen die Vorwürfe schriftlich. Henke bestritt diese, konnte sie aber offenbar nicht hinreichend entkräften.

Aus dem Umfeld des Senders heißt es, dass mit einer Klage auf Wiedereinstellung seitens Henke gerechnet wird. Man hofft, dass die Kündigung dazu führe, dass sich weitere Betroffene melden.

Im vergangenen Monat hatte der WDR bereits einem Mitarbeiter wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung fristlos gekündigt. Nach Informationen des Magazins "Stern" und des Recherchebüros "Correctiv" handelte es sich dabei um einen Fernsehkorrespondenten, dem zahlreiche Belästigungsfälle vorgeworfen werden. Die frühere Gewerkschafts-Chefin Monika Wulf-Mathies untersucht zurzeit, wie der WDR in der Vergangenheit mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung umgegangen ist.

mit Material von dpa

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