Strache und der Trommeltrupp Dumm und Drummer

Am Ende einer Traditionslinie von Benito Mussolini über Darth Vader bis zur Blue Man Group fand sich der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache bei seinem bizarren Wahlkampfauftritt in Tirol wieder. Eine Stilkritik.

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Vermutlich zur Abwechslung ist Heinz-Christian Strache (FPÖ) vor Parteifreunden in Tirol mal nicht zum volkstümelnden Schunkelgebläse irgendeiner Heimatkapelle die Showtreppe hinabgeschritten. Wenn alle Welt sich modernisiert und "fit macht", ja Herrschaftszeiten, dann machen das eben auch die Rechten.

Also hat sich der Vizekanzler der Republik Österreich von einer Schlagzeugtruppe begleiten lassen, deren Anmutung - weiße Trommeln, rote Stöcke, schwarze Mäntel, Sonnenbrillen, Vollbärte, eiserne Mimik - auf faszinierende Weise zwischen SS, IS, Star Wars und den Statisten von Roger Waters' "The Wall" oszilliert.

Das Ergebnis ist deshalb so elektrisierend, weil es in seiner bizarren Zeichenhaftigkeit gleich in mehrere Richtungen funkt. Tatsächlich hat die Marschkapelle eine lange Geschichte und einen festen Platz überall dort, wo es gesellig und traditionell und auch ein bisserl martialisch zugehen soll, von Waterloo über das Reichsparteitagsgelände bis zum Schützenfest. So ist's Brauch, so soll es sein, darum, Freunde, stimmt's mit ein!

Es hatte nun also, hört man, der Regisseur des Abends die Idee, Bewährtes mit Visionärem zu versöhnen und das choreografierte Getrommel ganz im Sinne des Feschismus zukunftsfähig zu machen. Zum Leidwesen der österreichischen Künstlergruppe Drumatical Theatre, die laut eigener Aussage "keinerlei Naheverhältnis zur FPÖ" hat und für dieses Event gebucht wurde, ohne seinen Zweck zu kennen -und kurzfristig keinen Rückzieher mehr machen konnte. Es handele sich, meint der Sprecher der Gruppe, um "eine Dummheit, die leider passiert ist".

Wo ist der Gabalier, wenn man ihn braucht?

Vollprofis also, auf allen Seiten. Das Drumatical Theatre spielt seit vielen Jahren, als würden Rammstein gleichzeitig die Blue Man Group und "Stomp" persiflieren, während sich Vangelis an "Chariots of Fire" zu erinnern versucht. Irgendwie Pop halt. In Verbindung mit dem stramm rechten Strache aber entfaltet diese Gebrauchs- und Überwältigungskunst eine ähnliche Wirkung wie Nitro, wenn man es mit Glyzerin mischt. Es knallt.

Heinz-Christian Strache und Drumatical Theatre
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Heinz-Christian Strache und Drumatical Theatre

Womöglich handelt sich aber auch nur um eine Verpuffung. Die groteske Szene bedient einerseits die latente Angstlust von Menschen, die darin eine "Sneak Preview" künftiger Verhältnisse erkennen wollen. Andererseits muss es auch Leute geben, und sei's nur der Regisseur, die an dieser Ästhetik ihre Freude haben - mehr jedenfalls, als wenn Strache ihnen zum Klang von Flamenco erschienen wäre. Viele werden es allerdings nicht sein, auch rechterseits, weil die Darbietung mit ihrem übersteigerten Rollenspielpathos allzu deutlich ins Urkomische kippt.

Nicht einmal Strache selbst scheint in dem kurzen Ausschnitt - von einem Journalisten vom örtlichen "Bezirksblatt" ins Netz gestellt - seinen allzu triumphalen Auftritt in vollen Zügen zu genießen. Er verhält sich anders, als wir es bei vergleichbaren Inszenierungen von Benito Mussolini oder Darth Vader gewohnt sind.

Es sieht vielmehr aus, als fügte er sich in sein Schicksal, stiege zähneknirschend hinab in den Fettnapf und dächte, während er stoisch Stufe um Stufe nimmt: "Okay, diesen Scheiß mache ich jetzt auch noch mit. Es werden aber Köpfe rollen, das steht fest. Hoffentlich stellt das keiner ins Netz! Und wo ist der Andreas Gabalier, wenn ich ihn mal wirklich brauche?".



insgesamt 15 Beiträge
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And Bit 12.01.2018
1. Die Traditionslinie dieser Schreiberlinge vom SPIEGEL geht...
direkt über Stalin, Pol Pot, Fidel Castro und endet bei Honecker, der sich über soviel Blödheit in dieser freiheitlichen Grundordnung vor lachen kaum den Bauch halten könnte.
Horst-Güntherchen 12.01.2018
2. Kaffeesatzleserei
Ich hoffe doch, dass das Bestellen von Trommlern (noch) eine legale Handlung ist. Der Autor, der anscheinend das Vierte Reich aufziehen sieht, hat mit diesem tendenziösen Bericht dem Spiegel einen Bärendienst erwiesen, indem er Lügenpressen-Argumenten Vorschub leistet und viel mehr belehrt als informiert.
kloppononstoppo 12.01.2018
3. Traditionell traditionsbewusster Kommentar...
Zitat von And Bitdirekt über Stalin, Pol Pot, Fidel Castro und endet bei Honecker, der sich über soviel Blödheit in dieser freiheitlichen Grundordnung vor lachen kaum den Bauch halten könnte.
Wenn diese "Schreiberlinge vom Spiegel" sie dazu bringen, hyperventilierend zur Tastatur zu greifen, muss man ihren Kommentar ja fast als Belobigung ansehen...
flo2770 12.01.2018
4. Überschrift
Auch wenn es sicher genug Leute gibt die über Sowas lachen können, bereitet es mir ein mehr als mulmiges Gefühl in meiner Magengegend. Als Österreicher schäme ich mich für Politiker wie Strache, Hofer, Kickl und Co. .
Onkel Drops 12.01.2018
5. Trommel des Satans jajaja
und alles nur in Verbindung mit Schussolini, Darth Disney und co. irgendwie fehlt noch Sauron. je wen hättens nur nehmen sollen? die ewoks die auf sturmtrupplerhelmen trommeln? wie wäre den die Yamato Truppe- zu asiatisch oder der Name? oder streetdrums vom Karneval am Zuckerhut - zu weit weg? na dann nehmen wir was neutrales : top secret von der schweizer Army - dann achtet keiner auf die FPÖler (top secret at military tattoo - siehe YouTube). der Begriff Volksmusik plus Gabalier erzeugt einen schlagartigen Würgereflex. den dann wäre die FPÖ wahrlich auf der dunklen Seite angelangt... endlich mal keine Seppelhosen und keine Hütten Gaudí Töne sind doch mal was. immer diese Schwarzseher - wäre ich in der FPÖ hätte ich bei Laibach angefragt ob sie "Geburt einer Nation" spielen. selbst dann wären irgendwelche gekommen und hätten die n-keule geschwungen, weil erst schreien statt denken ! da machen mir in Deutschland ganz andere Politiker bedenken zB die Merkel Partei ( kapitalistische SED 2.0 was man auch wählt es gibt Groko) oder AFM ( ausgestoßene Förderer Muttis auch manchmal AFD genannt , die air america der Unionspolitik) . und das sagt ein "linksversiffter" links Wähler wie ich...
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