Trump und Fox News Das Rezept von Diktaturen

Donald Trump versuchte, im Wahlkampf mit rassistischen Anklängen zu punkten. Viele US-Medien folgten ihm - besonders Fox News hat den Schritt von der Information zur Indoktrination gemacht.

Eine Analyse von


Als Sean Hannity vom Fernsehsender Fox am Tag vor den amerikanischen Midterm-Wahlen zusammen mit Präsident Trump auf die Bühne trat, da war die Aufregung groß: Wie kann das sein, ein Journalist unterstützt öffentlich einen Politiker?

Tatsächlich dokumentierte der Auftritt aber nur, was seit Jahren schon publizistische und damit auch politische Realität in den USA ist: Nachrichten sind kaum mehr von Propaganda zu trennen. Für die Demokratie ist das natürlich ein Problem.

Fox News deckt dabei die konservative Seite ab, manche würden auch sagen: reaktionär, sexistisch, rassistisch. Wenn etwa ein regelmäßiger Fox-Gast zu einem schwarzen Amerikaner sagen darf, er habe seinen "baumwollpflückenden Verstand" verloren. Das aber ist nur eines von so vielen Beispielen.

Damit stellt sich die Frage nach der systemischen Funktion von Fox News, wenn es nicht nur darum geht, den Präsidenten Trump medial zu stärken und in Schutz zu nehmen, sondern auch gesellschaftliche Realität zu erzeugen.

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Mehr als eine Million Menschen schauen Fox News am Tag, einen Sender, der zum Medien-Imperium von Rupert Murdoch gehört und im Oktober 1996 gegründet wurde. Doch die Ursprünge dessen, was heute als Dauerfeuer von Meinungen, Kommentaren und Talkauftritten auf das Land einprasselt, reichen weiter zurück, bis in die Achtzigerjahre: Die heutige verzerrte amerikanische Medienwelt ist so gewollt, sie ist ein Produkt der Deregulierungen, wie sie der damalige US-Präsident Ronald Reagan betrieb. Auf seinen Druck hin wurde 1987 die sogenannte Fairness-Doktrin abgeschafft, die Radio- und Fernsehsender auf eine halbwegs ausgewogene Berichterstattung verpflichtete.

Medien, die sich vor allem der Macht verpflichtet fühlen

Das Ergebnis ist heute zu besichtigen: Medien, die sich nicht mehr der Wahrheit verpflichtet fühlen, sondern vor allem der Macht, die sie eigentlich kontrollieren sollten. Es ist das Rezept von Diktaturen.

Donald Trump mit Fox-News-Moderator Sean Hannity
AP

Donald Trump mit Fox-News-Moderator Sean Hannity

Im Fall von Fox News bedeutet das: Spätestens seit der Wahl von Donald Trump wurde so gut wie jede kritische Geschichte über Trump entweder verdreht dargestellt - oder, fast noch öfter, durch andere Geschichten überdeckt, die mit einer gewissen Besessenheit wieder und wieder diskutiert wurden.

  • Besonders die Verbindungen Trumps zu Russland und Russlands Rolle bei den Wahlen von 2016 sind so Beispiele: Die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller wurden auf Fox News als eine Art Coup dargestellt. Das FBI wolle den gewählten Präsidenten stürzen, so der Vorwurf; die US-Ermittlungsbehörde wurde mit dem russischen Geheimdienst KGB verglichen. Das Team von Mueller, so eine Kommentatorin, müsse am besten gleich ins Gefängnis.
  • Oder, und das war die andere Variante, während alle anderen Sender über die Mueller-Untersuchung berichteten, stellte Fox News eine komplett andere Geschichte ins Zentrum der Berichterstattung - etwa den Mord eines Migranten.

Fatale Folgen für die politische Realität

Die Geschichte von Fox News - und die zentrale Rolle im System Trump - ist dabei eine der stetigen Radikalisierung, parallel zur Radikalisierung, manche würden sagen Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft. "Fair and Balanced", so begann der Sender, das war der Slogan durch die Neunzigerjahre und Nullerjahre hindurch, als auch noch viele Zuschauer dabei waren, die sich selbst der Partei der Demokraten verbunden fühlten.

Im Zuge des Irak-Krieges von 2003, der einen deutlichen Quotensprung bedeutete, und speziell in den Jahren der Präsidentschaft von Barack Obama 2009 bis 2017 und dem Aufstieg der rechtspopulistischen Tea Party nahm die politische Spaltung und Verdichtung zu.

2013 unterstützten dann, nach eigenen Angaben, 94 Prozent der Fox-News-Zuschauer die konservativen Republikaner. Das Durchschnittsalter wurde 2015 mit 68 Jahren angegeben: Es ist das alte und weiße Amerika, das auf Fox News in den Spiegel schaut.

Für die politische Realität in den USA hat das fatale Folgen, und auch die anderen meinungsstarken Sender wie CNN und MSNBC sind von dieser Kritik nicht auszunehmen: Das gemeinsame Gespräch, die gemeinsame Arbeit an einer gesellschaftlichen Wahrheit, die Übereinkunft überhaupt, was Wahrheit ist, was Fakten sind, was wichtig ist und was nicht, wurde von wesentlichen Teilen der Fernsehjournalisten aufgegeben.

Gleichzeitig brachen die Auflagen der Tageszeitungen weg, regional und überregional. Im Internet wurde zudem mit großer Geschwindigkeit und Intensität an der Verwirrung und weniger an der Aufklärung gearbeitet, so entstand ein Diskurs-Vakuum, das mit Hass, Lügen und Angstmacherei gefüllt werden konnte.

Von der Information zur Indoktrination

Das jüngste Beispiel, unmittelbar vor den Wahlen, war die "Karawane", die sich auf die mexikanisch-amerikanische Grenze zubewegte: Migranten, gegen die Donald Trump die Armee in Stellung bringt. Eine Geschichte, die Emotionen und Ängste schüren soll.

Trump setzte das Thema, und die Sender folgten. Fox News gab den Ton vor, der von politisierten Vorurteilen geprägt war - und als dann das Trump-Lager eine Wahlwerbung schaltete, die offen rassistisch war und vor allem von den Kriminellen handelte, die mutmaßlich Teil dieser Karawane seien, da war das Erschrecken, selbst bei Fox, so groß, dass die Sender, NBC, CNN und eben auch Fox, diese Wahlwerbung vom Schirm nahmen.

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Tatsache war aber, dass der Schaden längst entstanden war: Der Sexismus, wegen dem nicht nur Fox-Chef Roger Ailes, sondern auch prominente Kommentatoren wie Bill O'Reilly und Eric Bolling gehen mussten, ist Teil der Fox-Kultur. Der Rassismus ist es auch, verbunden mit Antisemitismus, wie er sich etwa in den Verschwörungstheorien über George Soros zeigt, den der Fox-Mann Glenn Beck als Teil einer "Schatten-Regierung" beschrieben hat, mit dem Ziel Weltherrschaft und den humanitären Initiativen nur als Tarnung.

Der Journalismus also, wenn man das, was Fox News betreibt, überhaupt so nennen will, hat den Schritt von der Information zur Indoktrination gemacht. Für die Demokratie, die auf Informationen beruht, bedeutet das: Ihr fehlen von dieser Seite die wesentlichen Grundlagen.

Aber schon vor der Wahl von Donald Trump wurde die amerikanische Gesellschaft ja von wichtigen Ökonomen wie Joseph Stiglitz eher wie eine Oligarchie beschrieben, die Herrschaft der Wenigen, und nicht wie eine funktionierende Demokratie, die Herrschaft der Vielen. Fox News ist der Sender, der zu dieser Realität passt, weil er hilft, sie zu erschaffen.

insgesamt 63 Beiträge
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claus7447 07.11.2018
1.
Man kann nur hoffen, das bei uns diese Exzesse nicht kommen. Allerdings muss man angesichts der populisten befürchten, dass wir nicht verschont bleiben. Aber Dummheit ist unausrottbar.
enzio 07.11.2018
2. Indoktriniert selber
Das ist fatal, dass die eine Seite der anderen und umgekehrt vorwirft, keine Informationen zu verbreiten, sondern Indoktrination auszuüben. Da darf man nicht jammern, wenn die Spaltung der Gesellschaft immer weiter voranschreitet Dabei wäre Zurückhaltung angesagt. So wenig wie man auf der sog. Russlandaffäre sein Süppchen kochen sollte, denn nichts ist bewiesen, so wenig sind sexistische und religiöse Anfeindungen als "Nachrichtensendungen" geeignet. Es macht nur keinen Sinn, das Haar in der Suppe zu kritisieren, wenn man sie selber vorher versalzen hat.
David Dennison 07.11.2018
3. Linke Indoktrinierung
... alla CNN und MSNBC werden nicht erwähnt. Da heisst es nur: " auch die anderen meinungsstarken Sender wie CNN und MSNBC sind von dieser Kritik nicht auszunehmen". Eine Studie der Harvard Kennedy School hat bei letzteren eine über 90% negative Berichterstattung über Trump festgestellt, bei Fox News war es 52%/48%. (https://shorensteincenter.org/news-coverage-donald-trumps-first-100-days/) Das ist doch der Inbegriff von "Fair and Balanced" oder nicht? In Amerika kann jeder den Sender einschalten, den er sehen will. Bin ich an einer gewissen politischen Richtung nicht interessiert, egal ob links oder rechts, schalte ich einfach um. Und mir sind Journalisten lieber, die mit offenem Visier spielen, als andere die behaupten neutral zu sein, aber ständig linke Politik propagieren. Siehe auch in Deutschland, ARD und ZDF! Ich gehe auch davon aus, dass dieser Kommentar nicht veröffentlicht wird, da er den Text des Verfassers konterkariert!
KDM_22 07.11.2018
4. Ja, die "Journalisten" von Fox News sind berüchtigt.
Nicht umsonst meinte der Late Night-Talker Bill Maher kürzlich, dass er vorhat, sich zu Halloween zu verkleiden. Er würde sich einen kleinen, orangefarbenen Penis in den Mund stecken und als Sean Hannity gehen. Im Original (ziemlich zum Schluss): https://www.youtube.com/watch?v=WEfZmVN_01Y
Kiwimann 07.11.2018
5. Da verwechseln Sie aber die Realitaet komplett !
Speiuebel wird einem, wenn man CNN sieht. Soviel Hass und Einseitigkeit wird dort ausgestrahlt, dass man sich vornimmt, diesen Sender nicht mehr einzuschalten. Eingeladen zu den Diskussionsrunden werden dort ausschliesslich oder in ueberwaaeltigender Mehrheit Teilnehmer, die Trump hassen und Clinton lieben. Objektivitaet erlebe ich bei FOX. Dort kommen auch die Demokraten Anhaenger ungehindert zu Wort und es gibt gute Auseinandersetzungen ueber die jeweiligen politischen Ansichten. Keine Einseitigkeit und kein Hass wie bei CNN. Sie verwechseln also die Sender !
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